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Wirtschaft

Handy statt Zettel: Zwei Start-ups krempeln traditionelle Branchen um

Von Martin Roithner 19. Juli 2019 00:04 Uhr

Christoph Fraundorfer und Heinz Mayrhofer gründeten My Esel.

TRAUN / LINZ. Wie ein Fahrradbauer und ein Steuerberater analoge Geschäftsmodelle zu digitalen machen

„Die Zettelwirtschaft interessiert mich nicht“, sagt Christoph Fraundorfer. Er ist Gründer des Trauner Start-ups My Esel, das Fahrräder mit maßgefertigten Holzrahmen produziert. Obwohl das Geschäftsmodell traditionell ist, hat es mit dem eines klassischen Handwerksbetriebs wenig gemein. Ein Algorithmus berechnet die Rahmenabmessung und die Geometrie jedes Fahrrads. „Im Prinzip müssen wir in der Produktion nur noch auf den Knopf drücken“, sagt Fraundorfer.

My Esel ist ein Beispiel dafür, wie Firmen heutzutage analoge Geschäftsmodelle zu digitalen machen. Ein anderes ist Billup. Das Linzer Start-up versteht sich als „digitaler Steuerberater auf dem Smartphone“. Hinter dem von Markus Bartl gegründeten Unternehmen stehen mehr als 150 Experten von sieben Kanzleien. „Unsere Branche ist heutzutage noch zu 99 Prozent analog. Wir gehen bewusst einen anderen Weg“, sagt Bartl im OÖN-Gespräch.

Billup-Chef Markus Bartl

Habe die Arbeit eines Steuerberaters früher bei der Eingangstür der Kanzlei begonnen, so sei das heute der Schreibtisch des Kunden, sagt Bartl. Per Handy-App könnten Kunden bei Billup Rechnungen und Belege fotografieren, einscannen und so ihre Buchhaltung im Überblick behalten.

Die Linzer bieten das Service Einzelunternehmern, kleinen Firmen und auch größeren Betrieben an. „Wir können bis zu 60 Prozent der laufenden Steuerberatungskosten sparen“, sagt Bartl. Für Kunden falle durch transparente Preisgestaltung eine „böse Kostenüberraschung“ weg. Seit 2017 arbeitet Billup mit My Esel zusammen. Beide schreiben nach eigenen Angaben schwarze Zahlen.

My-Esel-Chef Fraundorfer hat sein Unternehmen 2017 gegründet und seither „alle Prozesse so gut es geht digitalisiert“. Dies helfe auch bei der Expansion: Der Trauner Betrieb mit fünf Mitarbeitern liefert Räder bis Taiwan. Heuer wurden weltweit bisher 265 Stück verkauft, 500 werden angepeilt.

Dass der Grat in der digitalen Welt aber oft ein schmaler ist, hat Fraundorfer schmerzlich erfahren. Weil My Esel seine Produkte in mehreren Varianten anbot, fühlten sich Nutzer in der Auswahl überfordert. „Wenn wer online die Wahl zwischen 1000 verschiedenen Varianten eines Rads hat, kauft er gar keines“, sagt Fraundorfer. Die Trauner schränkten die Auswahl ein – mit Erfolg.

„Scheuklappen ablegen“

Dennoch führe für Firmen an der Digitalisierung kein Weg vorbei, sagen die beiden Firmenchefs unisono. Fraundorfer verweist auf die Dynamik der Globalisierung. Bartl fordert, dass skeptische Unternehmen „so schnell wie möglich ihre Scheuklappen ablegen“. In der Branche der Steuerberater werde Papier in 20, 30 Jahren keine Rolle mehr spielen. Und bei der Kundenbindung sei der Kontakt über das Handy alternativlos. „Junge Menschen buchen online ihren Urlaub, lesen dort Nachrichten oder machen Online-Dating. Was ist daran noch analog?“

Artikel von

Martin Roithner

Redakteur Wirtschaft

Martin Roithner
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