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Außenpolitik

Vor 50 Jahren verbrannte sich der Student Jan Palach

Von OÖN   15. Januar 2019 00:04 Uhr

PRAG. In Tschechien gilt er heute als Nationalheld – zahlreiche Gedenkveranstaltungen im ganzen Land.

Die Verzweiflung war zu groß: Vor fünfzig Jahren übergoss sich der tschechische Stundet Jan Palach auf dem Prager Wenzelsplatz mit Benzin und zündete sich an. Damit wollte er die Öffentlichkeit aufrütteln, die sich mit der Niederschlagung des Prager Frühlings abgefunden hatte. Truppen des Warschauer Pakts hatten die Tschechoslowakei wenige Monate zuvor, im August 1968, besetzt. Palach starb drei Tage später in einem Prager Krankenhaus, was nicht nur die damalige Tschechoslowakei, sondern auch die gesamte Welt erschütterte. Zum 50. Jahrestag der Selbstverbrennung sind mehrere Gedenkveranstaltungen in Tschechien geplant.

So wird im Hof der Karlsuniversität in Prag, wo der Sarg Palachs am 25. Jänner 1969 aufgestellt war, am Mittwoch ein Gedenkstein enthüllt. Am Wenzelsplatz, wo sich Palach 1969 in Brand setzte, wird eine Open-Air-Ausstellung eröffnet. Anschließend findet eine Gedenkveranstaltung statt. Beim Geburtshaus Palachs in Vsetaty (Wschetat), 25 Kilometer nördlich von Prag, entsteht derzeit eine neue Gedenkstätte für Palach. Sie wird aber erst am 21. August, zum Jahrestag des Einmarsches der Truppen des Warschauer Pakts, eröffnet.

In Tschechien gilt Palach als Nationalheld. Trotz des dramatischen Todes von Palach, dessen Beisetzung zu einer Massen-Manifestation gegen die Okkupanten wurde, gelang es nicht mehr, die Öffentlichkeit zu mobilisieren. Die Anwesenheit der sowjetischen Panzer sowie der Antritt einer neuen Parteiführung – Alexander Dubcek wurde durch Gustav Husak ersetzt – versetzten die Öffentlichkeit in Apathie und später auch in Angst.

Erst 20 Jahre nach Palachs Tod wurde seiner in Tschechien erstmals öffentlich gedacht. Im Jänner 1989 feierte eine Gruppe rund um den Dissidenten Vaclav Havel die "Palach-Woche". Sie legte am Wenzelsplatz Blumen nieder und wurde dafür von der Staatssicherheit verhaftet. Als sie wieder frei kamen, führten sie die Aktion fort. Bis heute wird dies als Generalprobe für die "Samtene Revolution" gesehen, die das kommunistische Regime zusammenbrechen ließ.

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