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Chronik

Schwester am Wiener Hauptbahnhof erstochen: Keine Mordanklage

Von nachrichten.at/apa   16. Juli 2019 15:51 Uhr

Tatort Hauptbahnhof

WIEN. Jener 21-jährige Spanier, der im Jänner am Wiener Hauptbahnhof seine um vier Jahre ältere Schwester erstochen haben soll, wird sich nicht wegen Mordes vor Geschworenen verantworten müssen.

Einem psychiatrischen Gutachten zufolge war der Mann im Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig und damit auch nicht schuldfähig, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nina Bussek, mit.

Wie Bussek am Dienstag auf Anfrage erklärte, ist der von der Staatsanwaltschaft beigezogene psychiatrische Sachverständige zum Schluss gekommen, dass der 21-Jährige unter dem Einfluss einer geistig-seelischen Abartigkeit höheren Grades gehandelt hat. Ihm kann daher nicht vorgeworfen werden, die 25-Jährige vorsätzlich getötet zu haben. Stattdessen hat die Anklagebehörde beim Landesgericht für Strafsachen nach § 21 Absatz 1 StGB einen Antrag auf Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingebracht.

Mit Küchenmesser auf Schwester eingestochen

Der Psychiater hält die – zeitlich unbefristete – Anhaltung des 21-Jährigen im Maßnahmenvollzug für erforderlich, sollte ein Schwurgericht zum Schluss kommen, dass er die Bluttat am Hauptbahnhof begangen hat. Ohne die im Maßnahmenvollzug gewährleistete therapeutische Behandlung wäre nach Ansicht des Psychiaters zu befürchten, dass der 21-jährige aufgrund seiner hochgradigen psychischen Erkrankung wieder Straftaten mit schweren Folgen begehen wird. Termin für die Gerichtsverhandlung gibt es noch keinen.

Kameras hatten den jungen Mann gefilmt, wie dieser am Hauptbahnhof auf seine leibliche Schwester losging, die gemeinsam mit einer Adoptivschwester nach Wien gekommen war. Die Frauen hatten sich um den 21-Jährigen gesorgt, nachdem er im Internet mit kruden Jesus-Fantasien aufgefallen war, und wollten mit ihm reden. Als der Spanier die beiden zunächst in der Kassenhalle bemerkte, lief er davon. Sie folgten ihm bis ins zweite Untergeschoß, wo der 21-Jährige seinen Rucksack abstellte und ein Küchenmesser zog. Die 25-Jährige näherte sich ihm, der 21-Jähriger stach zu.

"Manche glauben, ich bin Gott"

Die Bluttat spielte sich vor den Augen mehrerer unbeteiligter Zeugen ab. Acht Security-Mitarbeiter der ÖBB fixierten den Tatverdächtigen am Boden und leisteten der Frau Erste Hilfe. Auch alarmierte Einsatzkräfte von Polizei und Berufsrettung versuchten die 25-Jährige zu reanimieren, jedoch vergeblich. Sie starb noch am Tatort. Nach seiner Festnahme tätigte der Mann Aussagen ("Manche glauben, ich bin Gott"), die schon damals an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln ließen.

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