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Chronik

"Havanna-Syndrom" bei US-Auslandsvertretern in Wien

Von nachrichten.at/apa   17. Juli 2021 20:18 Uhr

Austrian police officers wait in front of US embassy during protest by Muslims against film that denigrate Prophet Mohammad in Vienna
In Wien sei die zweitgrößte Anzahl an Fällen außerhalb Havannas gemeldet worden, schreibt das Magazin "The New Yorker", das Wien als internationale Drehscheibe der Spionage darstellt.

WIEN. Rund zwei Dutzend US-Geheimdienstmitarbeiter, Diplomaten und andere Regierungsbeamte sollen unter geheimnisvollen Beschwerden leiden, wie sie zunächst Ende 2016 in der kubanischen Hauptstadt aufgetreten waren.

In Wien sei die zweitgrößte Anzahl an Fällen außerhalb Havannas gemeldet worden, schreibt das Magazin, das Wien als internationale Drehscheibe der Spionage darstellt. Der Fall sei einige Monate nach der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden aufgetreten. Man habe die Fälle zunächst geheim gehalten, um die Ermittlungen der US-Behörden nicht zu behindern, schreibt das US-Magazin der "New Yorker".

In der kubanischen Hauptstadt hatten vornehmlich in der Zeit zwischen Ende 2016 und Sommer 2017 zahlreiche Mitarbeiter der US-Botschaft oder deren Angehörige berichtet, sie hätten ungewöhnliche Geräusche wahrgenommen. Sie klagten über Beschwerden wie Kopfschmerzen, Hörprobleme, Orientierungslosigkeit und Konzentrationsschwächen. Als Reaktion auf die mutmaßlichen "Akustikattacken" zogen die USA mehr als die Hälfte ihres Botschaftspersonals aus Havanna ab. Es gab aber auch alternative Erklärungsweisen, etwa ein psychisches Massenphänomen oder Grillengeräusche.

Bald tauchten auch einige Fälle unter Angehörigen von US-Behörden, Geheimdiensten oder Militärs außerhalb Havannas auf, etwa in China, Russland, Kolumbien, Usbekistan oder den USA selbst. Die genaue Verbreitung ist unklar, Der "New Yorker" berichtet von etwa 130 gemeldeten Fällen. Allerdings werden demnach auch immer wieder Fälle von der Liste gestrichen, weil andere Ursachen für die Beschwerden ausgemacht werden konnten.

Ursache meist ungeklärt

In vielen Fällen liegt die Ursache aber weiter im Dunkeln. Das US-Magazin berichtet über abenteuerliche Erklärungsansätze wie Angriffe mit Mikrowellenstrahlung, um Daten von Smartphones und Computern zu stehlen. Die US-Regierungsbehörden sprechen offiziell von "außergewöhnlichen" oder "unerklärten Gesundheitsvorfällen". Hinter vorgehaltener Hand bezeichne William Burns, Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, die Vorfälle aber eher als "Attacken", schreibt der "New Yorker". Er habe eine spezielle Einheit zusammengestellt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Auch andere US-Behörden und das US-Außenministerium sollen der Sache nun wieder verstärkt nachgehen.

Steckt Russland dahinter?

Einige ungenannte Mitglieder der US-Regierung von Präsident Biden gehen dem Bericht zufolge davon aus, dass Russland hinter den Ereignissen stecken könnte. Spekuliert wird in dem Bericht über Zusammenhänge mit US-Versuchen, das traditionell Russland gegenüber freundliche Österreich stärker auf die Seite der westlichen Allianz zu ziehen. Erinnert wird auch an einen Cyberangriff auf das österreichische Außenministerium in Wien im Vorjahr, der von Russland ausgegangen sein könnte. Auswirkungen auf die US-Botschaft dürften die Ereignisse vorerst nicht haben. Ein Abzug von Personal, wie in Havanna, sei derzeit nicht zu beobachten, berichtet der "New Yorker".

Das Außenministerium in Wien schreibt in einer Reaktion gegenüber der APA, man nehme "diese Berichte sehr ernst" und arbeite "gemäß unserer Rolle als Gaststaat mit den US-Behörden an einer gemeinsamen Aufklärung. Die Sicherheit der nach Österreich entsandten Diplomaten und ihrer Familien hat für uns oberste Priorität."

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