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Ein Pionier im Leben und auf der Bühne heribert Kaineder (1962–2020)

Von Bert Brandstetter  22. Februar 2020 00:04 Uhr

Ein Pionier im Leben und auf der Bühne heribert Kaineder (1962–2020) AUS Kirchschlag bei linz von Bert brandstetter
Heribert Kaineder (privat)

Alle waren sie auf der Skipiste im Salzburger Land: die Eltern, die drei Kinder und die sechs Enkelkinder.

Dann plötzlich: Vater Heribert Kaineder fällt um und steht nicht mehr auf. Alle Versuche der Wiederbelebung sind erfolglos. Der Schock durchzieht die große Familie. Aus ganz Österreich kommen die Beileidsbekundungen. In Kirchschlag sollte gerade die Generalprobe des Faschingstheaters beginnen, als die Nachricht eintrifft. Obwohl alle wissen, dass ihr langjähriger Obmann Heribert gewollt hätte, dass sie spielen, kann niemand auf die Bühne. Die Aufführung wird abgesagt. "Der Heribert war ungemein motivierend und zielbewusst, ohne ihn wären wir nicht das, was wir sind", sagt Ronald Gangl, der jetzt die Theatergruppe leitet. Kaineder hat bis zuletzt oft Regie geführt.

In der Öffentlichkeit zu stehen, ist den Kaineders nicht fremd. Heriberts Vater war als Bauer 23 Jahre lang Bürgermeister in Kirchschlag, seine drei Buben tun es ihm nach. Ferdinand ist Medienmann und Kommunikator, Heribert war in vielen anderen Bereichen Pionier. "Er hat Dinge gesehen, die andere noch lange nicht bemerkt haben", schreibt sein Bruder Ferdinand in seinem Blog. Der Sterngartl-Waldkindergarten, dessen Obmann Heribert war, sollte Menschen motivieren, ihre Kinder in der Natur aufwachsen zu lassen. Oder die Lichtverschmutzung: Als Sachverständiger für Lichtverschmutzung beim Land OÖ versuchte er seine berufliche Mission auch daheim in Kirchschlag umzusetzen und bewusst sparsamer mit dem Licht umzugehen. Seine Überzeugungen trug er in den Gemeinderat, wo er als Grüner wirkte.

Bürgermeisterin Gertraud Deim (VP) spart nicht mit Lob für ihren Kollegen: "Er hat in den 59 Jahren mehr gemacht als andere in 90 Jahren." Fasziniert habe sie, dass er all seine Projekte mit vollem Herzblut intensiv umgesetzt hat. Dass dabei nicht alles glatt gegangen ist und auch massive Kritik auszuhalten war, dürfe nicht vergessen werden, erinnert Bruder Ferdinand und verweist auf die Standhaftigkeit der Kaineders. Voller Elan zeigte sich Heribert, als es darum ging, in Kirchschlag das St. Anna Pfarrzentrum, die jetzige Heimstätte der Theatergruppe, neu zu bauen. Überhaupt war ihm die Kirche ein wichtiges Anliegen. Im Kirchenchor sang er im Bass und ließ sich als Kantor gerne hören, weil ihm "Rituale und Liturgien als Lebensquelle" wichtig waren. Dass er dennoch mit der Amtskirche mitunter schwer gehadert hat, sei kein Gegensatz, so die Familie, zu der auch der neue grüne Landesrat Stefan gehört. Heribert war sein Papa. Den Tod kannte Heribert recht gut von der Bühne, auf der er ihn 2018 bei dem Stück "Ente, Tod und Tulpe" sehr beeindruckend dargestellt habe, sagt Ronald Gangl. Dass Heribert dem Tod so früh selbst begegnen würde, habe keiner geahnt.

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Bert Brandstetter

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