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Ärztin mit Innviertler Wurzeln erforscht seltene Krankheiten

PRAMET / VANCOUVER. Seit fünf Jahren lebt und arbeitet Sylvia Stöckler-Ipsiroglu in Kanada. Die Enkelin des Prameter Dichters und Geigenbauers Hans Schatzdorfer leitet eine klinische Abteilung für genetische Stoffwechselerkrankungen.

Ärztin mit Innviertler Wurzeln erforscht seltene Krankheiten

Sylvia Stöckler ist die Hoffnung vieler Eltern, deren Kinder an genetischen Stoffwechselerkrankungen leiden. (privat) Bild: privat

Stöcklers 25-köpfiges Team versorgt alle Kinder aus Britisch Columbia, die an genetischen Stoffwechselerkrankungen leiden. „Diese genetischen Defekte können zu schweren und zum Teil tödlichen Stoffwechselentgleisungen führen. Viele diese Erkrankungen sind zudem sehr selten. Manchmal gibt es weniger als 100 Patienten auf der ganzen Welt“, sagt die 52-jährige Ärztin mit starken Innviertler Wurzeln.

Gemeinsam mit ihrem Mann, Osman Ipsiroglu, der ebenfalls Kinderarzt ist, lebt und arbeitet sie in Vancouver am British Columbia Childrens Hospital. In Österreich hat sie sich als Leiterin des Österreichischen Neugeborenen- Screening (1996 bis 2005) – ein Programm zur Frühentdeckung von behandelbaren Stoffwechselerkrankungen – einen Namen gemacht. Anhand eines Bluttropfens können mehr als 30 Erkrankungen erkannt und somit frühzeitig behandelt werden. Denn fast immer gehen diese Erkrankungen mit Störungen der geistigen und motorischen Entwicklung der betroffenen Kinder einher.

„Als Ärztin ist es mir wichtig, den Kindern und deren Familien die Hoffnung nicht wegzunehmen, denn immer gibt es etwas Positives, das die Krankheit leichter ertragen lässt, und es wird viel geforscht“, sagt Sylvia Stöckler, die keine eigenen Kinder hat, sich aber um viele Kinder kümmert.

Sie ist sehr erfolgreich in der Forschung tätig. Ihre täglichen klinischen Beobachtungen fließen in neue Forschungsprojekte ein, deren Ergebnisse dann wieder klinisch angewandt werden. Sie konzentriert sich in ihrer Forschung vor allem auf therapierbare Erkrankungen, die unbehandelt zu geistiger Behinderung und/oder Epilepsie führen können.

Stöckler beschreibt sich selbst als „begeisterten Workaholic“. Sie bildet außerdem den medizinischen Nachwuchs aus und lehrt an der University of British Columbia.

Liebe zum Innviertel

Aufgewachsen ist Sylvia Stöckler in Frankenburg. Die Ferien hat sie aber oft bei ihrer Großmutter in Großpiesenham in Pramet verbracht. Die Gedichte ihres Großvaters Hans Schatzdorfer hört sie noch heute gern, „vor allem, wenn meine Mutter die Gedichte vorträgt oder ich seinen Innviertler Dialekt aus seinem eigenen Mund in historischen Aufnahmen des ,Drahbröttlspiels‘ höre“, erzählt Sylvia Stöckler.

Nach Österreich kommt sie mehrmals im Jahr, dann besucht die Kunstliebhaberin Konzerte und Ausstellungen. Sie trifft sich mit ihrer Mutter, alten Freundinnen in Frankenburg, die Nachbarn des Schatzdorfer-Hauses in Piesenham und Arbeitskollegen und Freunden in Wien und Graz, wo sie studiert hat.

Mittlerweile fühlt sich die Medizinerin in Kanada sehr wohl und dazugehörig. Mit dem Innviertel vermisst sie die Natur, die Sprache und die vielen Erinnerungen an die Vergangenheit. Wenn sie im Land ist, bleibt sie gerne in Pattigham stehen, um den schönen Schwantaler-Altar zu sehen oder jenen in der Rieder Kirche. „An Österreich geht mir vor allem Wien ab. Es würde mir auch die ZIB 2 abgehen, aber die kann ich zum Glück im Internet sehen.“

Von der Wohnung aus blickt das Medizinerehepaar auf den Segel- und Fischerboothafen von Vancouver. Zum Arbeitsplatz fährt Stöckler einige Kilometer mit dem Rad oder geht zu Fuß. „Vancouver ist eine sehr weltoffene und junge Stadt. Kanada ist ein ganz besonderes Land und ich bin privilegiert, dass ich noch dazu an einem der schönsten Orte dort leben kann.“

Sport als Ausgleich

Als Ausgleich zu ihrem anspruchsvollen Job wandert und joggt Stöckler durch die Natur, fährt mit ihrem Mann Kajak oder erklimmt die nahen Berge in Vancouver mit Schneeschuhen. Entspannen kann sie auch bei Kulturveranstaltungen. Sie liebt Opern, die modern inszeniert sind, Jazz, aber auch Musik von den Beatles, Rolling Stones oder Deep Purple.

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Artikel Von M. Krenn-Aichinger 29. April 2010 - 00:04 Uhr
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