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Innviertel

Alleinherrschaft im Gemeinderat: Geht Ihnen da etwas ab, Herr Schöppl?

Von Roman Kloibhofer   21. September 2021 14:05 Uhr

Alleinherrschaft im Gemeinderat: Geht Ihnen da etwas ab, Herr Schöppl?
Josef Schöppls Wiederwahl als Kirchdorfer Bürgermeister ist fix, er ist der einzige Kandidat in der Gemeinde.

KIRCHDORF AM INN. Der Kirchdorfer Bürgermeister Josef Schöppl und seine ÖVP besetzen (noch) alle Sitze im Gemeinderat.

KIRCHDORF. Josef Schöppl ist seit 12 Jahren ÖVP-Bürgermeister in der kleinen Gemeinde Kirchdorf am Inn. Die vergangenen sechs Jahre hatte dort die ÖVP im Gemeinderat alle Mandate inne, es gab keine politische Konkurrenz. In der kommenden Periode tritt die FPÖ wieder zur Wahl an. Im Interview spricht Schöppl über seine Erfahrung mit der „Alleinherrschaft“ und schildert, vor welchen Herausforderungen Kirchdorf steht.

OÖN: Sie sind überspitzt formuliert „Alleinherrscher“ in Kirchdorf. Geht Ihnen da etwas ab?

Josef Schöppl: Eigentlich nicht, ich glaube, auch der Gemeinde geht nichts ab. Vielleicht sehen das manch andere anders, aber wir haben in den vergangenen sechs Jahren sehr viel weitergebracht und vielleicht sogar einen Tick schneller entschieden oder zu gemeinsamen Lösungen gefunden. Ich bin langgedient im Gemeinderat, die ÖVP hat immer die Absolute gehabt, aber auch als die anderen Parteien noch im Gemeinderat waren, hat es nie etwas gegeben. Es ist zwar anders, das war in Kirchdorf bisher noch nicht der Fall, aber es wird sich ja ändern, weil es eine Liste der FPÖ geben wird. Man weiß natürlich, nicht jeder mag jeden, und nicht alle finden gleich zusammen, eine Neidgesellschaft gibt’s auch.

Fehlen andere Sichtweisen?
Nein, das glaube ich im Großen und Ganzen nicht. Es wird sehr ausgiebig gearbeitet. Ich mache etwa nicht vier, sondern sechs bis sieben Gemeinderatssitzungen, und bei uns wird intensiv in den Ausschüssen gearbeitet.

Wird außerhalb des Gemeinderates politisiert und debattiert?
Ja, natürlich. Wir sind eine Gemeinde, die in der glücklichen Lage ist, vier Wirtshäuser zu haben. Für eine kleine Gemeinde mit nicht einmal 700 Einwohnern ist das gut. Klar wird diskutiert, und da heißt es schon: ‘Ihr habt’s ja niemanden, der dagegenredet.’ Das wird jetzt vor der Wahl intensiver. Aber wir haben ein Thema – Corona – das polarisiert. Und Richtung Wahl hin entzweit das Thema die Gemeinde.

Was die Impfung betrifft?
Ja, genau.

Wie hoch ist die Impfrate in Kirchdorf?
Wir haben 65,8 Prozent, aber da ist noch Luft nach oben. Wir sind deutlich über dem Schnitt, aber gerade die jüngere Generation und einige Skeptiker sind halt dagegen.

Ist das eine Frage der politischen Ausrichtung?
Ja.

Ist die ÖVP-Dominanz Ihrer Ansicht nach ein Grund, warum die Impfrate so hoch ist?
Kann schon sein, das schließe ich nicht aus. Ich habe immer das Thema bisher sehr offen kommuniziert. Wir sind übrigens seit Jänner auch Test-Standort.

3 Fragen an den Kirchdorfer Bürgermeister Josef Schöppl

Josef Schöppl ist seit 12 Jahren ÖVP-Bürgermeister in der kleinen Gemeinde Kirchdorf am Inn. Die vergangenen sechs Jahre hatte dort die ÖVP im Gemeinderat alle Mandate inne, es gab keine politische Konkurrenz. In der kommenden Periode tritt die FPÖ wieder zur Wahl an. Im Interview spricht Schöppl über seine Erfahrung mit der „Alleinherrschaft“ und schildert, vor welchen Herausforderungen Kirchdorf steht.

Als Bürgermeister einer kleinen Gemeinde: Kennen Sie jeden im Ort?
Ja. Ich muss natürlich schon manchmal nachdenken, aber ich trau mir schon zu sagen, dass ich jeden in der Gemeinde kenne. Ich glaube auch, dass die Leute sagen: ‚Das ist einer von uns.’ Im Wort Bürgermeister steckt ‚Bürger’ drinnen, und ich versuche, unter den Bürgern zu sein. Ich muss dazu nicht lang im Wirtshaus sitzen. Ich versuche, viele Veranstaltungen und Bürger zu besuchen.

Was geht Ihnen in Kirchdorf ab?
(Denkt lange nach…) Dass manche Sachen nicht mehr so einfach gehen wie früher. Dass die Forderer mehr werden als dass sie sich einbringen. Ich bin seit 1985 im Gemeinderat, da hat sich einiges geändert.

Was ist das große Plus von Kirchdorf?
In vielen Bereichen der große Zusammenhalt. Dass wir eine große Vereinslandschaft haben. Natürlich muss immer jemand da sein, der Motor ist. Ich bin seit meiner Jugendzeit gewohnt, zu organisieren. Seinerzeit beim Ball der Oberösterreicher in Wien hat es geheißen: ‚Den Kirchdorfer Bürgermeister müsst’s fragen, die haben eh immer so viele Veranstaltungen.’ Und ich hab den Bezirkshauptmann damals gern unterstützt.

Vier Gasthöfe im Ort – warum funktioniert das in Kirchdorf und in anderen, ähnlich ausgerichteten Gemeinden nicht?
Die Schlosstaverne gibt’s seit 1986 – mit dem gleichen Pächter. Kirchdorfer gehen schon gern fort, wir haben das Glück, dass der Innradweg vorbeiführt, der Via-Nova-Pilgerweg, dass Geinberg und Füssing nicht weit weg sind. Wir haben Glück gehabt, dass der Reinhard den Marienhof erworben hat, da kommen auch viele Geschäftsleute und Firmen her, es gibt Stammtische. Auch in anderen Bereichen funktioniert das: Wir haben einen Bäcker, der Nahversorger ist, wir haben einen Sparmarkt und Postpartner, eine Hofmetzgerei mit Direktvermarkter, neue Firmen siedeln sich an der B 148 an, unserem Sorgenkind.

Sorgenkind, warum?

Weil der Verkehr dermaßen zunimmt! Es werden Ortsteile auseinandergerissen, da muss etwas geschehen. Auch deshalb, weil die Grenzkontrollen und die Staus in Suben viele auf die Bundesstraße leiten. Viele fahren von der Autobahn in Ort ab und in Obernberg über die Grenze. Aber auch auf Gemeindeebene wirkt sich das aus: Fußgänger und Radfahrer, Wanderwege…– wenn Fußgänger und Radfahrer die Straße queren wollen, ist es gefährlich. Da müssen wir etwas erreichen, wie kann ich die Gemeinde sicherer machen. Da bin ich mit Geinberg und St. Georgen schon im Gespräch.

Was ist – neben Corona – die größte Herausforderung für so eine kleine Gemeinde?
Das Budget – wie schaffe ich es, nicht in den Abgang hereinzurutschen? Wir haben eine sehr schlanke Verwaltung. Eine Herausforderung ist es auch, den Eigenanteil bei Investitionen zu finanzieren, die Straßenerhaltung, Verkehrssicherheit zu schaffen, das ist nicht einfach. Aber wie in allen Gemeinden ist die Herausforderung, wie kann ich den Ortskern am Leben erhalten. Da wünsche ich mir vom Land Unterstützung, wie Ortskerne wieder belebt werden können.

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