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Oberösterreich

"Flüchtlingskrise hat Verunsicherung ausgelöst, die nicht Realität entspricht"

Von Manuela Kaltenreiner 20. November 2019 00:04 Uhr

"Flüchtlingskrise hat Verunsicherung ausgelöst, die nicht Realität entspricht"
Moderator Markus Staudinger (OÖN), Polizeidirektor Andreas Pilsl, Psychiater Manfred Stelzig, Ex-Neo-Nazi Steven Hartung

LINZ. Magdalena-Gespräch: Spannende Diskussion über Aggression und Gewalt mit Experten.

Es war ein Thema, das im Publikum kaum jemanden kalt ließ: "Werden wir immer aggressiver?" – darüber diskutierten Oberösterreichs Landespolizeidirektor Andreas Pilsl, der Salzburger Psychiater Manfred Stelzig und der Deutsche Steven Hartung, ein Aussteiger aus der rechtsextremen Szene beim "Magdalena-Gespräch", zu dem das Bildungshaus St. Magdalena und die OÖNachrichten Montagabend einluden.

"Ich spreche sicher nicht jedem aus der Seele, aber die Gesamtsituation der Kriminalität hat sich in den letzten 15 Jahren verbessert", sagte Landespolizeidirektor Andreas Pilsl. Die Zahl der Straftaten sei zurückgegangen, Einbrüche um ein Viertel weniger geworden, Banküberfälle gäbe es praktisch nicht mehr, weil die Täter im Internet agieren würden.

Kriminalität hat sich verändert

Das Empfinden und die Kriminalitätsstatistik gehen aber auseinander: "Einerseits haben sich Straftaten in den öffentlichen Raum verlagert, andererseits bringen Soziale Medien vieles nach Hause und die Flüchtlingskrise hat eine Verunsicherung ausgelöst, die oft nicht mit der Realität übereinstimmt", betont Pilsl.

Das Thema Flüchtlingskrise hat die Emotionen im Publikum angeheizt. "Die Afghanen lachen uns doch aus, wenn sie auf freiem Fuß angezeigt werden", sagt einer der Besucher. "Da muss man bedenken, was Fakt ist und was als Anschein herauskommt", entgegnete Psychiater Manfred Stelzig, der ein hohes Aggressionspotenzial nach traumatischen Erlebnissen im Kinder- und Jugendalter ortet. "Ich würde mir wünschen, dass der Blick mehr auf die gut integrierten Flüchtlinge gerichtet wird", sagt einer der Besucher und bekommt dafür Applaus. "Uns als Polizei wäre sehr geholfen, wenn Flüchtlinge eine Beschäftigung haben, um der Kriminalität entgegenzuwirken", regt Pilsl an.

Eine fehlende Beschäftigung war auch die Ursache dafür, dass Steven Hartung in einer kleinen Gemeinde in Thüringen in die Nazi-Szene rutschte, in der er jahrelang aktiv war. "Ich hatte Ideale, mit denen ich Gewalt, aber auch Stalking, Drohungen und Einschüchterungen, gerechtfertigt habe. Wir wollten die Gesellschaft umformen", sagt Hartung. "Wie konnten Sie aus der Szene aussteigen?", auf diese Frage blieb er einer Frau im Publikum aber am Ende eine klare Antwort schuldig. Das Thema Aggression und Gewalt bewegt und ist an einem Abend nicht zu lösen.

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