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Oberösterreich

Sind Roboter in der Seelsorge ein Verrat am Menschen?

KREMSMÜNSTER. 20. Ökumenische Sommerakademie "Gott und die digitale Revolution" im Stift Kremsmünster eröffnet

Sind Roboter in der Seelsorge ein Verrat am Menschen?

Bischof Manfred Scheuer Bild: Julia Engleder

"Bei der Digitalisierung geht es auch um die Würde des Menschen. Wir können uns die Entscheidung, was möglich sein soll, nicht aus der Hand nehmen lassen", sagte Landeshauptmann Thomas Stelzer (VP) gestern bei der Eröffnung der 20. Ökumenischen Sommerakademie im Stift Kremsmünster. Sie steht bis Freitag unter dem Titel "Gott und die digitale Revolution" und diskutiert religiöse und ethische Fragen, die die Digitalisierung unserer Gesellschaft mit sich bringt.

Der Linzer Bischof Manfred Scheuer zitierte Papst Franziskus, der gemeint habe, moderne Medien könnten dabei behilflich sein, einander näher zu sein und die Mauern, die uns trennen, zu überwinden: ",Habt keine Angst, Bürger der digitalen Welt zu sein.‘ Ein guter Ansatz", befand Scheuer. Gleichzeitig scheine die digitale Durchdringung aller Lebensbereiche wie ein Gefängnis, in dem alles und jeder überwacht werden könne. Es brauche "ein Frühwarnsystem, eine Stärkung des Immunsystems gegen tödliche Viren, die sich auch, aber nicht nur im Internet befinden".

Digitaler Turmbau zu Babel

Gerold Lehner, evangelischer Superintendent in Oberösterreich, fragte in seiner Eröffnungsrede: "Wo dürfen wir uns durch Maschinen vertreten lassen und wo wäre das Verrat am Menschen?" Er verwies auf Beispiele aus der Pflege, der Sexindustrie und der Seelsorge. "Wenn ein Roboter die Hand zum Segen hebt" – wie 2017 in Wittenberg beim 500. Jahrestag der Reformation – "wer segnet da?

Für Werner Thiede, Theologie-Professor an der Universität Erlangen und evangelischer Pfarrer, verletze es die Menschenwürde, sollten seelenlose Roboter als menschliche Seelsorger eingesetzt werden. Die Digitalisierung befördere narzisstische Haltungen, führe zu vermehrter Unfreiheit und einer Verminderung des Verantwortungsgefühls. Die Kirchen sollten diese Entwicklung nicht nur begleiten, sondern Widerstand üben, "damit der digitale Turmbau zu Babel nicht in einer Katastrophe endet."

Noch bis Freitag diskutieren im Stift Kremsmünster zahlreiche Experten aus dem deutschsprachigen Raum über "Gott und die digitale Revolution". (rela)

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Artikel 12. Juli 2018 - 00:04 Uhr
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