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Oberösterreich

31-Jähriger stürzte vor den Augen seiner Kollegen in den Tod

Von Michael Schäfl  23. Februar 2021 00:04 Uhr

Tödlicher Absturz bei Felsräumarbeiten am Traunsee

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EBENSEE. Mehrere Felsbrocken schlugen auf dem Pkw eines Gmundners ein, er blieb unverletzt. Später räumte Michael S. die Unfallstelle

In der Felswand stehend hatte Michael S. seinen Kameraden gerade sicher am Seil zu Boden gelassen. Nach einem Felssturz hatten er und seine Kollegen der Straßenmeisterei Bad Ischl die Unfallstelle geräumt. Nun war S. an der Reihe. Er machte sich für den Abstieg bereit. Doch er rutschte aus und stürzte vor den Augen seiner Kollegen 100 Meter in den Tod.

"Es war doch bloß ein Einsatz wie jeder andere auch", sagt einer seiner Arbeitskollegen. "So etwas machen wir eh oft. Der Michael konnte das."

Michael S. und seine sieben Kameraden der Straßenmeisterei waren gestern früh Richtung Salzkammergutstraße (B 145) ausgerückt. Bei Ebensee, Höhe Langwies, hatten sich aus einer Felswand neben der Fahrbahn mehrere Steinbrocken gelöst. Die knapp 1,5 Tonnen schwere Steinlawine polterte just in dem Moment talwärts, als ein Gmundner mit seinem Pkw vorbeifuhr. Die Felsen durchschlugen Lawinengitter und Fangnetze und trafen das Fahrzeug des Mannes. Wie durch ein Wunder blieb er unverletzt.

31-Jähriger stürzte vor den Augen seiner Kollegen in den Tod
Der Lenker, dessen Wagen von den Felsen getroffen wurde, blieb unverletzt.

Zuerst Glück, dann Tragödie

"Der Lenker hatte wirklich enormes Glück", sagt Walter Bartl von der Freiwilligen Feuerwehr Mitterweißenbach. "Ein Stein hatte die Fahrertür aufgeschlitzt. Die Brocken verfehlten die Windschutzscheibe nur knapp." Die Feuerwehrmänner räumten die größeren Steine beiseite. Die Erleichterung über den glimpflich verlaufenen Unfall war groß, als Michael S. und seine Kollegen zur Arbeit schritten. "Wir kletterten gemeinsam die Felswand empor, um nach der Ablösstelle des Steinschlags zu suchen und sie zu sichern", sagt der Kamerad des Goiserers. "Wir waren in Zweierteams eingeteilt. Ein Kamerad sicherte den anderen, als wir weit über den Fangnetzen in der Wand unterwegs waren."

"Motivierter, junger Mann"

Die Abbruchstelle war gesichert, gefährliche Felsbrocken entfernt. Seine Kollegen hatten wieder festen Boden unter den Füßen, als Michael S. den Abstieg antrat. "Aber er dürfte sich verstiegen haben, plötzlich hat es ihm die Füße ausgerissen und er ist gefallen", sagt der Kollege. "Der Michael war immer mit Leib und Seele dabei, er war ein begeisterter Arbeiter."

Im Februar 2019 hatte der 31-Jährige seinen Dienst bei der Straßenmeisterei angetreten. Bei der Dienststelle der Freiwilligen Feuerwehr Bad Goisern, wo er seit den Jugendjahren Mitglied war, ist die Betroffenheit groß. Vor der Zentrale weht die schwarze Fahne. "Michael hat damals allen ganz freudig erzählt, dass er bald bei der Straßenmeisterei anfangen wird", erinnert sich Feuerwehrkommandant Günter Rainer. "Er war ein treuer Feuerwehrmann, egal, wo Hilfe und Unterstützung gebraucht wurde, er war stets zur Stelle."

Der Bad Goiserer Bürgermeister Leopold Josef Schilcher (SP) erinnert sich an S. als "sehr freundlichen, motivierten jungen Mann". "Der ganze Ort ist schockiert, ,verdodert’, wie man bei uns sagt", sagt Schilcher. "Kurz nachdem ein Unfall so glimpflich ausgegangen ist, passiert so etwas Schreckliches. Das ist unverständlich."

Auch Landeshauptmann Thomas Stelzer (VP) und Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner (FP) drückten in einer Aussendung ihre Anteilnahme aus: "Wir sind erschüttert über diesen tragischen Unfall. Unsere Gedanken in diesen dunklen Stunden sind bei der Familie des Verstorbenen."

Zuletzt war es am 1. Februar in Weißenbach am Attersee zu einem verheerenden Steinschlag gekommen, die Seeleiten-Bundesstraße (B152) ist nach wie vor gesperrt. Nur sechs Kilometer vom Unfallort in Langwies entfernt kam es vor zwei Jahren, am 17. Februar, zu einem Felssturz in Kößlbach. Ein Steinbrocken traf einen Pkw, eine Elfjährige wurde schwer verletzt.

 

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Michael Schäfl

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