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Auch helfen will gelernt sein

Stellen Sie sich vor, Sie tragen einen Karton mit Lebensmitteln, die Sie eingekauft haben. Sie merken, dass der Karton aufreißt und stellen ihn ab, um zu überlegen, was Sie damit machen. Da kommt jemand auf Sie zu und hebt in der Meinung, Sie bräuchten Hilfe, den Karton hoch, um ihn weiterzutragen. Der Karton gibt jetzt endgültig seiner Last nach und bricht unten durch, der Inhalt verteilt sich über den Boden. So etwas passiert nicht, sagen Sie?

Eine andere Geschichte: Rollstuhlfahrer wie ich fahren nicht nur mit dem Rollstuhl, sondern auch mit dem Auto. Wenn ich ins Auto einsteige, steht der Rollstuhl zunächst noch vor dem Auto, bevor ich ihn im Auto sitzend verlade. Das ist jetzt der Augenblick, wo es für viele so aussieht, als bräuchte ich Hilfe. Und dann kann es passieren, dass ich gar nicht so schnell schauen kann, wie jemand kommt, um den Rollstuhl hochzuheben und ins Auto zu befördern. Das hat allerdings seine Tücken. Der Teil, wo die meisten Helfer automatisch hingreifen, sind die Räder. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich diese Räder drehen, dafür sind sie ja da. Wenn man aber den Rollstuhl an den Rädern hochhebt, so drehen sich nicht die Räder, sondern der Rest des Rollstuhls, also der Rahmen. Auf diesem Rahmen liegt meist ein Sitzkissen, des Weiteren hängt sehr oft eine Tasche dran. Und wenn sich der Rahmen jetzt dreht, weil man an den Rädern hochhebt, dann kippt alles auf den Boden und liegt dann im Schmutz.

Die besten Absichten beim Helfen haben somit zum genauen Gegenteil geführt, so wie bei der ersten Geschichte. Was folgern wir daraus? Finger weg von Rollstühlen? Nun, der bessere Weg führt über Kommunikation. Bieten Sie Hilfe an. Sollte sie benötigt werden, so wird sie dankbar angenommen. Sollte sie aber nicht benötigt werden, so wird der Betroffene dankend ablehnen und Sie können Ihrer Wege gehen. Dann erübrigt sich auch, dass ich, um das oben geschilderte Szenario abzuwenden, sage: „Nein danke, ich habe es eilig!“

Christoph Etzlstorfer ist Rollstuhlsportler und Universitätsassistent

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Artikel Christoph Etzlstorfer 05. März 2012 - 00:04 Uhr
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