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"Ich hab’ geheult wie ein Schlosshund"

Armin Wolf: Der "ZiB 2"-Journalist gastiert mit seinen "Blutsbrüdern" am 24. Jänner im Linzer Schauspielhaus, um Texte von Karl May satirisch zu durchleuchten

"Ich hab’ geheult wie ein Schlosshund"

Die Blutsbrüder: Thomas Maurer, Armin Wolf, Guido Tartarotti und Thomas Glavinic (v.l.) Bild: Rabenhof Theater

Seit dem Bubenalter schwärmen sie für Karl Mays Abenteuergeschichten. Also haben sich ORF-Journalist Armin Wolf, Kabarettist Thomas Maurer, Journalist Guido Tartarotti und Schriftsteller Thomas Glavinic zur Blutsbrüder-Bande verschworen und kehren mit ihrer humorvollen Analyse der Texte um Winnetou und Old Shatterhand am 24. Jänner im Linzer Schauspielhaus ein. Im OÖN-Interview schildert Wolf seine Zugänge zu diesem Bühnenprogramm.

 

OÖNachrichten: Wie definieren Sie Blutsbrüder, ohne sich dafür nach Karl-May-Vorlage die Unterarme aufzuschneiden?

Armin Wolf: Wir wollten ja, aber dann waren wir uns nicht sicher, ob es klug ist, mit Thomas Glavinic Körpersäfte auszutauschen. Wir kennen ja seine Bücher. Jetzt sind wir vier halt ideell Blutsbrüder.

Hatten Sie Bedenken, dass dieses Format Ihre Seriosität, Ihre Glaubwürdigkeit als Journalist beeinträchtigen könnte?

Nein, gar nicht. Ich mache das ja nicht im Fernsehstudio, sondern in Theatern. Ich glaube, die Zuseher sind wirklich in der Lage, das zu unterscheiden.

Was hat Sie als Bub an Karl May fasziniert, und wie fand Ihr Eintauchen in dessen Bücher statt?

Ich habe mit Winnetou I begonnen und dann alle grünen Bände gelesen, die ich in die Hand bekommen habe. Ich habe mit Karl May quasi Deutsch gelernt. Sehr zum Leidwesen meiner Volksschullehrerin, die meine Schachtelsätze ganz furchtbar fand.

Wie waren Ihre Reflexe, als Sie Jahre später erfahren haben, dass Karl May ein Lügner und Aufschneider war?

Als mir mein Vater irgendwann erzählt hat, dass kein Mensch in Amerika Winnetou und Old Shatterhand kennt, war ich fassungslos. Dass es das Christkind nicht gibt, war mir wurscht, aber dass Old Shatterhand nie existiert hat, hat mich als Kind völlig fertiggemacht. Nur Winnetous Tod im Buch war noch schlimmer. Ich hab geheult wie ein Schlosshund.

Inwiefern könnten zu Karl Mays Geschichten Parallelen zum politischen Alltag gezogen werden, den Sie journalistisch begleiten?

Ich muss gestehen, da fällt mir jetzt nicht viel ein. In meiner politikwissenschaftlichen Dissertation zum Beispiel ist kein einziges Karl-May-Werk zitiert.

Wie erleben Sie den Unterschied beim Vortragen von Texten vor Kameras im Studio und vor unmittelbarem Publikum?

Es ist ganz anders, wenn Sie mit zwei Kameramännern, aber sonst allein in einem Studio sitzen, als vor ein paar hundert Menschen in einem Theater. Ich mag die persönliche Begegnung mit Publikum sehr – aber vor einer ZiB 2 sitzen halt im Durchschnitt 600.000 Menschen. So oft können wir die "Blutsbrüder" gar nicht spielen, dass sich das je ausgeht.

Wie haben Sie Ihre persönlichen Aktivitäten in sozialen Medien nach der Debatte und den Reglements von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz verändert?

Gar nicht. Es gab auch keinen Grund dazu. Ich habe schon vorher versucht, mich im Netz vernünftig zu benehmen.

Warum wurden ausgerechnet Sie für das Produktionsfoto an den Marterpfahl gefesselt?

Die anderen drei haben mich überwältigt.

Spüren Sie mit der neuen Regierung einen verstärkten Druck auf Ihre Arbeit – gibt es gesteigerte Versuche der Einflussnahme auf die Berichterstattung des ORF?

Nein. Aber dass diese Regierung insgesamt eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit – Stichwort "Message Control" – macht, ist ja allgemein bekannt. Das gilt aber für alle Medien.

 

"Karl May"-Boygroup

Karl May (1842–1912) besuchte 1898 und 1902 Linz. In Urfahr wurde er von Adolf Nunwarz im Kostüm Old Shatterhands und Kara Ben Nemsis fotografiert. Wolf, Maurer, Tartarott und Glavinic lüften etliche weitere Beispiele der Fantasiewelt des erfolgreichsten deutschsprachigen Autors (200 Millionen verkaufte Bücher). Karten für 24. Jänner im Schauspielhaus: www.landestheater-linz.at, Tel: 0732 /76 11-400, E-Mail: kassa@landestheater-linz.at.

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Artikel Peter Grubmüller 15. Januar 2019 - 00:04 Uhr
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