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Neil Young zeigt Amerika mit "Peace Trail" den Finger

So politisch wie auf seiner neuen CD war der 71-Jährige lange nicht.

Neil Young zeigt Amerika mit "Peace Trail" den Finger

Auf seinem 37. Studioalbum nimmt sich der letztjährige Burg-Clam-Gaststar kein Blatt vor den Mund. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Von der Arbeitsethik Neil Youngs könnte sich so mancher verwöhnte Popstar eine Scheibe abschneiden. Anstatt sich den Zyklen des Musikgeschäfts anzupassen, veröffentlicht der mittlerweile 71-Jährige neue Platten in einer derartig rasanten Frequenz, dass jedweder Businessplan ohnehin ad absurdum geführt wird. Alleine seit Ende April 2014 hat der Kanadier vier Studio- und zwei Live-Alben auf den Markt geworfen.

Das jetzt veröffentlichte "Peace Trail" ist sein 37. Album – und wenn auch nicht sein bestes, so doch eines seiner politisch explizitesten. Verbrechen an der Natur, Ignoranz, rechte Idioten, Polizeigewalt, Konsumgeilheit – "Peace Trail" ist ein ausgestreckter künstlerischer Mittelfinger gegen alles, was nach Neil Youngs Meinung derzeit in den Vereinigten Staaten gesellschaftspolitisch schiefläuft.

So episch die Themen, die der meinungsstarke Grantscherm auf "Peace Trail" anschneidet, so unspektakulär kommen die zehn Songs musikalisch daher. Ähnlich wie bei dem in seiner schlichten Schiachheit fast schon wieder genialen Kritzel-Cover, schert sich Young längst nicht mehr um Äußerlichkeiten.

Die in gerade einmal vier Tagen gemeinsam mit Schlagzeuger Jim Keltner und Bassist Paul Bushnell eingespielten Stücke sind zumeist akustisch roh, beinahe frei von jeglichen Verzierungen, und rumpeln geradlinig vor sich hin. Ist das lässiges Understatement oder eine Habt’s-mich-doch-gern-Attitüde?

Einige richtig gute Songs

Wahrscheinlich – wie so oft bei Neil Young – liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Fakt ist aber, dass sich auf "Peace Trail" einige richtig gute Songs finden. Der Titelsong hat eine unaufgeregte, aber entzückende Melodie, das Youngs gescheiterte Ehe verhandelnde "Glass Accident" wiederum hätte sich mit seiner Folk-Schlagseite und der vordergründigen Mundharmonika bestens auf "Comes A Time" eingefügt. Der Talking-Blues "John Oaks" schleicht sich langsam an, geht aber einem nicht mehr aus dem Kopf, ebenso die Lebensbilanz "My Pledge". Ganz im Gegensatz zu mediokren Nummern wie "Indian Givers", "Texas Rangers", "Terrorist Suicide Hang Gliders" oder dem albernen "My Robot", die leider weder ihren hastigen Entstehungsprozess noch die quasi nicht vorhandene Produktion verleugnen können.

"Peace Trail" ist ein typisches Neil-Young-Album. Ein gewollter Schnellschuss, in seiner Kompromisslosigkeit mutig, teils überaus eindringlich, dann wieder fast banal. Mit mehr Zeit und der Bereitschaft, nicht jeder kreativen Eingebung blind zu folgen, hätte hier Großes entstehen können. Trotzdem schön, dass es noch Künstler gibt, die sich in meinungsflexiblen Zeiten eine starke politische Haltung leisten.

CD-Kritik:

Neil Young zeigt Amerika mit "Peace Trail" den Finger

Neil Young "Peace Trail" (Reprise/Warner Music)

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Lukas Luger 10. Dezember 2016 - 00:04 Uhr
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