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Er erzählt Millionen weltweit das Leben eines Vergessenen

Bernhard Rammerstorfer aus Niederwaldkirchen über seinen Weg zum Holocaust-Filmer.

Er erzählt Millionen weltweit das Leben eines Vergessenen

Bernhard Rammerstorfer in Los Angeles mit einem Preis für seinen Film über den NS-Widerständler Leopold Engleitner Bild:

Es gibt Tage, die das Leben in ein Davor und in ein Danach trennen. Bernhard Rammerstorfer, Jahrgang 1968 und aus Niederwaldkirchen, erlebte einen dieser Tage 1994. "Ich bin durch den Kurpark in Bad Ischl spaziert und habe auf einem Bankerl einen älteren Herrn sitzen gesehen. Und wie das so ist, sind wir ins Reden gekommen."

Der Herr auf der Bank war Leopold Engleitner. Und die Lebensgeschichte, die der 1905 in Strobl am Wolfgangsee geborene Mann erzählte, war von Unglaublichkeiten geprägt – wie jene des Innviertler NS-Widerständlers Franz Jägerstätter. Der Unterschied: Engleitners Geschichte kannte damals niemand umfassend.

Rammerstorfer hörte zu und erfuhr, dass Engleitner die Konzentrationslager Buchenwald, Niederhagen und Ravensbrück überlebt hat, die er verlassen hätte können, wenn er seinen Glauben als Zeuge Jehovas aufgegeben und NS-Wehrdienst geleistet hätte. Rammerstorfer: "Er, ein einfacher Bauernbub, hatte den Mut, sich dem Regime zu widersetzen, weil er sich an das Gebot der Bibel halten wollte: Du sollst nicht töten." Als der KZ-Überlebende 97 Jahre alt war, begann Rammerstorfer, dessen Lebensgeschichte festzuhalten.

Er erzählt Millionen weltweit das Leben eines Vergessenen

NS-Widerständler Leopold Engleitner 

Dafür fuhr der Büroarbeiter, der zum Biografen wurde, oft zu seinem Protagonisten nach St. Wolfgang oder holte ihn zu sich. Danach kam immer Schwere auf. "Ich dachte bei jedem Treffen, es hätte unser letztes sein können. Das fühlte ich bis zu seinem 100. Geburtstag. Dann wusste ich: So schnell stirbt der mir nicht."

Aus ihrer Arbeit entstanden auf autodidaktischem Wege nicht nur mehrere Bücher und Filme, die Rammerstorfer 20 Preise, vor allem in den USA, eingebracht haben (mehr s. unten). Sondern auch eine innige Freundschaft, die Engleitner in die Mitte der Gesellschaft brachte, ihn Krankheiten überwinden ließ und Ziele, sogar Jahre schenkte.

Er erzählt Millionen weltweit das Leben eines Vergessenen

Für sein aktuelles Buch konnte er noch den kürzlich gestorbenen "Fälscher" Josef Burger interviewen

Rammerstorfers Unterstützung und seine Kunst im Netzwerken brachten ihn zur Frankfurter Buchmesse (2008, 2009) und 99-jährig erstmals in die USA. Mit 101 Jahren trug er an den amerikanischen Elite-Unis Georgetown und Stanford vor. Mit 107 war er in Los Angeles Stargast der Premiere seines biografischen Dokumentarfilms "Leiter in der Löwengrube".

Als er 2013 als ältester KZ-Überlebender starb, beobachtete ein Freund Rammerstorfers die Medienreaktionen. 1200 Berichte in 120 Ländern. Die Reichweite? Mehr als eine Milliarde Menschen.

 

Bücher und Filme

Bernhard Rammerstorfer will über L. Engleitners Vita dessen ungebrochene Lebensfreude vermitteln:

  • Im Film: u. a. "Leiter in die Löwengrube“, Preise in den USA, Russland, Kroatien.
  • Biografie: "Ungebrochener Wille" (2011)
  • Neu: Im Buch "Im Zeugenstand" antworten neun Holocaust-Überlebende auf hundert Fragen, die Rammerstorfer fünf Jahre lang bei Jugendlichen aus aller Welt recherchierte.
  • "Taking The Stand" heißt der prämierte Film dazu.
  • Mehr dazu: rammerstorfer.cc

 

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Artikel Nora Bruckmüller 05. Januar 2017 - 00:04 Uhr
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