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Reisen

Eintauchen in eine imaginäre Welt

Von Max Hofer   01. Juli 2018 15:00 Uhr

Eintauchen in eine imaginäre Welt
Wenn die Riesenspinne erwacht und ihr Nest verlässt, strömen die Zuschauer herbei.

Im schlösserreichen Loiretal sind auch surreale Erlebnisse garantiert, insbesondere in der "Galerie des Machines" am ehemaligen Werftgelände von Nantes.

Nantes ist auch der perfekte Einstieg für einen Trip durchs Tal der Loire. Die Hauptstadt des Muscadet – des berühmten Weißweins – ist eine sehr lebendige Metropole. Schon André Breton, Frankreichs wichtigster Theoretiker des Surrealismus, sagte einst, dass sich außerhalb von Paris nur in Nantes Interessantes erleben lasse. Dass das auch heute noch so ist, zeigt sich in den ehemaligen Werfthallen, wo ein neuartiges, faszinierendes Kunstprojekt entstand – die "Galerie des Machines", die Maschinengalerie. Bei dem Projekt verschmelzen die imaginäre Welt des Jules Verne, das mechanische Universum von Leonardo da Vinci und die industrielle Geschichte Nantes‘ zu einer Attraktion.

Der Große Elefant wird dabei zum surrealen Erlebnis. Der majestätische, zwölf Meter hohe und von einem 150-PS-Motor zum Leben erweckte Dickhäuter kann 50 Passagiere auf seinen gemächlichen Spaziergängen mitnehmen. Im Inneren des Elefantenbauchs lassen sich das Räderwerk und die Beinbewegungen bestaunen. Ein Maschinist beantwortet Fragen und löst zwischendurch das ohrenbetäubende Trompeten des von Ingenieuren gebauten 48 Tonnen schweren Riesentieres aus – oder er lässt über den Rüssel feine Wasserstrahlen Richtung Touristen rieseln.

Eintauchen in eine imaginäre Welt
Der Große Elefant in Aktion

In der Galerie selbst findet sich ein regelrechtes mechanisches Bestiarium – angefangen von der Riesenameise bis hin zur Spinne. Letztere "schläft" in ihrem Nest, wird von bis zu vier Maschinisten geweckt, erhebt sich über ihre Fäden und beginnt in Richtung eines mechanischen Reihers zu schweben, der über eine Flügelspannweite von acht Metern verfügt. Ein Spektakel, das dem Ideenreichtum von François Delarozière und Pierre Orefice zu verdanken ist und das jeden Zuschauer in nicht enden wollendes Staunen versetzt. Momentan wird an einem Reiherbaum gearbeitet, der bis 2022 fertig sein soll. Ein Ast-Protoyp ist schon vorhanden. Er allein ist 20 Tonnen schwer und 20 Meter lang, später wird das Objekt einen Umfang von 50 Metern haben.

Doch nicht nur Nantes, eine der am schnellsten wachsenden Städte Frankreichs, ist faszinierend, das gesamte zum UNESCO-Welterbe zählende Loiretal ist es. In dem landschaftlich einzigartigen Gebiet gibt es an der Loire und ihren Nebenflüssen Cher, Indre und Vienne mehr als 100 Schlösser. Selbst Leonardo da Vinci war von der Region beeindruckt.

1516 machte er sich im Alter von 64 Jahren auf seine letzte große Reise. Er folgte einer Einladung des französischen Königs Franz I., der dem Universalgenie Schutz und finanzielle Mittel anbot. Seine letzten drei Lebensjahre verbrachte Leonardo da Vinci im Schloss Le Clos Luce in Amboise. In den Wohnräumen des Herrenhauses sind 40 Modelle der technischen Erfindungen Leonardos zu sehen.

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Im Schloss Clos-Luce in Amboise verbrachte Leonardo da Vinci seine letzten drei Lebensjahre.

Mit Hilfe der Originalzeichnungen wurden unter anderem ein Flugzeug, ein Hubschrauber, eine Drehbrücke und ein Panzer angefertigt. Fesselnd sind auch die 16 beweglichen, großen Modelle im angrenzenden bewaldeten Park, wo weitere geniale Verteidigungs- und Angriffswaffen, die zur damaligen Zeit allen anderen überlegen waren, zu sehen sind. Außerdem finden sich dort die berühmte archimedische Schraube zum Fördern von Wasser und seine Pläne für die ideale Stadt.

Der Vegetarier Leonardo da Vinci hatte nie aufgehört, die Natur zu beobachten. Er war auch Theoretiker der Architektur, hat aber vermutlich nie selbst etwas gebaut. Jedoch war er überzeugt davon, dass er es in Zeiten des Friedens mit jedem Architekten aufnehmen könne, dasselbe galt für die Kunst der Malerei.

Anhand der Themen Natur, Körper, Technik, Architektur, Landschaft und Malerei spaziert der Besucher durch die geistige Landschaft von Leonardo da Vinci. Reproduktionen der Zeichnungen und Gemälde auf beweglichen, durchsichtigen Leinwänden schmücken die Alleen, und aus diskret versteckten Lautsprechern erklingen Auszüge aus seinen Schriften. Leonardo da Vinci genoss in Amboise alle Freiheiten beim Denken und Handeln. In seinem Arbeitszimmer plante er seine französischen Projekte. Er hatte die Idee, die königlichen Schlösser von Amboise und Romorantin durch einen Kanal miteinander zu verbinden, den Lauf der Loire zu regulieren und die Sümpfe der Sologne trockenzulegen. Auch die Entwürfe zu Schloss Chambord und der Plan für ein neues Schloss samt neuer Stadt in Romorantin stammen von ihm. Noch heute gibt es eine Reihe zeitgenössischer Künstler, die alle von Leonardo da Vinci inspiriert sind.

Träumerischer Rundgang

Eine weitere romantische Perle des Loiretals ist das Schloss Azay-le-Rideau. Das unter der Herrschaft von Franz I. im Herzen der Touraine erbaute Schloss offenbart den besonderen Charme der Renaissance. Das architektonische Meisterwerk steht auf einer Insel im Fluss Indre und ist von einem wunderschönen Park aus dem 19. Jahrhundert umgeben.

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Eine absolute Perle des Loiretals ist auch das Schloss Azay-le-Rideau.

Das Schloss hat besonders anspruchsvolle historische Dekore und bietet nach dreijähriger Renovierungsarbeit ein ganz neues Besuchererlebnis. 27 Kilometer südwestlich von Tours gelegen lädt es zu einem träumerischen Rundgang mit sehenswerten Sammlungen aus der Renaissance ein. Sämtliche Besichtigungseinrichtungen wurden erneuert. Es gibt kulturbezogene Schilder, Audioguides und Besichtungs-Apps zum Herunterladen. Auch dieses Schloss steht auf der Liste des UNESCO-Welterbes.

Kleine Insel des Friedens

Nur wenige Schritte entfernt davon liegt das Hotel de Biencourt. Das Haus sprüht nur so vor Charme. Es hat 17 Zimmer und war schon im 16. Jahrhundert ein Gasthaus. Der Innenhof des kleinen Hotels mit dem Garten wirkt wie eine Insel des Friedens.

Das Königsschloss von Blois wiederum eröffnet einen umfassenden Einblick in die französische Architektur vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert. Die ehemalige Residenz von immerhin sieben Königen und zehn Königinnen Frankreichs zeugt mit den reich möblierten und farbigen Dekorelementen verzierten Gemächern eindrucksvoll von der Macht und dem täglichen Leben des Königshofes zur Zeit der Renaissance.

Spätabends wird die Königsresidenz mit Hilfe von aufwändigen Projektionen in ein einzigartiges Farbenspiel getaucht, dazu gibt es Erläuterungen – auch in deutscher Sprache – zu den einstigen Vorgängen hinter den historischen Gemäuern. Man weiß von heimtückischen Morden, selbst ein Kardinal war einst unter den Opfern.

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Ein Besuch des Schlosses Chaumont ist ein Muss auf der Schlösserroute der Loire.

Vorfälle dieser Art sind von der Domaine Regional des Chaumont-sur-Loire nicht bekannt. Das Schloss Chaumont gilt als Ort der Kunst und der Gärten und ist auch einzigartig auf der Schlösserroute der Loire. Hohe Mauern, dicke runde Türme, Pechnasen, Graben und Zugbrücke verleihen der feudalen Festung ein sehr wehrhaftes Aussehen. 450.000 Besucher kommen jährlich, angezogen auch von den 140 Kunstwerken, die sich auf dem 32 Hektar großen Gelände finden und die alle von weltbekannten Künstlern geschaffen wurden. Dazu kommen 400 Gärten, die sich alle unterscheiden und Kern des jährlich stattfindenden internationalen Gartenfestivals sind. Es gibt Wasser-, Evolutions-, Müll- und Klettergärten und auch Bambusdschungel. 25 der 400 eher kleinen Flächen werden Jahr für Jahr zur Neugestaltung öffentlich ausgeschrieben. Für so manchen Bewerber war das schon der Beginn einer steilen Karriere.

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Ernte fällt gut aus

Günther Chereau versteht viel von Wein, und er ist ein großzügiger Gastgeber. In seinem Chateau du Coing de Saint Fiacre in Clisson baut der Franzose mit deutschen Wurzeln und österreichischer Großmutter auf einer Fläche von 45 Hektar die Muscadet-Traube an, die sich im atlantischen Klima sehr wohlfühlt. Der Weißwein ist weltweit begehrt und wird in nahezu 100 Länder exportiert.
„Heuer dürfte es nach zwei schlechten Jahren wieder eine gute Ernte geben“, freut sich Günther Chereau, dessen Anbaugebiet an der Mündung zweier Flüsse liegt und der über einen sehr herrschaftlichen Wohnsitz verfügt.
Geerntet werden die Trauben nicht per Hand, sondern ausschließlich mit Maschinen. „Das geht deutlich schneller, zudem wäre das Personal zu teuer“, erklärt der Hauer aus Leidenschaft. www.vgc.fr/de

 

Reiseinfos

Infos und Buchungen bei ATOUT FRANCE France Tourism Development Agency, Prinz-Eugen-Straße 72, 1040 Wien, Tel. +43 (0)15032892, www.france.fr

Weiters:
Tourismusbüro Nantes www.nantes-tourisme.com
Tourismusamt Loiretal
www.loiretal-frankreich.de
www.azay-le-rideau.fr
www.valdeloire-travel.com
www.vinci-closluce.com
www.domaine-chaumont.fr
www.hotelbiencourt.fr

Die spanische Fluglinie Volotea fliegt Nantes zwei Mal wöchentlich jeweils Montag und Freitag direkt von Wien aus an. www.volotea.com

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