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Gesundheit

Magenweh! Wenn Geschwüre schuld sind

Von Dietlind Hebestreit  14. Juli 2021 00:04 Uhr

Hinter Bauch- und Magenschmerzen kann ein ernsthaftes Problem stecken
Wenn es zwickt und drückt, ab in die ärztliche Praxis.

Zur Diagnose dient eine Gastroskopie. Die Defekte im Magen oder im Zwölffingerdarm lassen sich mit Medikamenten meist einfach behandeln

Magengeschwüre betreffen jährlich 50 von 100.000 Österreicher. Die sehr ähnlichen Zwölffingerdarmgeschwüre kommen etwa dreimal so häufig vor, bei Männern übrigens deutlich öfter als bei Frauen. Typisches Symptom sind Schmerzen im mittleren Oberbauch, mehr rechts als links, sagt Univ.-Prof. Rainer Schöfl. "Man unterscheidet zwei Arten von Schmerzen: den sogenannten Nüchternschmerz, der auftritt wenn man nichts im Magen hat, und der durch Essen für zirka eine Stunde besser wird. Und den Schmerz, der zehn bis 20 Minuten nach dem Essen auftritt", erklärt der Chef der Gastroenterologie vom Ordensklinikum Barmherzige Schwestern in Linz. Treten die Schmerzen jedoch 1,5 Stunden nach dem Essen auf, deutet das eher auf Probleme mit Bauchspeicheldrüse, Galle oder Dünndarm hin.

Schädigung der Schleimhaut

Dringt das Geschwür sehr tief ein, kann ein bohrender Dauerschmerz entstehen. Dann reicht die "Grube" nicht nur in die Schleimhaut, sondern in darunter liegende Schichten. Bei einem – allerdings sehr seltenen – Durchbruch in die Bauchhöhle sind die Schmerzen so heftig, dass man sofort ins Krankenhaus muss. Neben Schmerzen können Völlegefühl, Übelkeit, schwarz gefärbter Stuhl oder Erbrochenes und sehr selten auch ein Kollaps auf ein Geschwür hindeuten.

Diagnostiziert werden Geschwüre im Magen und im direkt anschließenden Zwölffingerdarm mit einer Magenspiegelung. "Man bekommt bei der ,Gastroskopie’ eine Schlafspritze angeboten. Danach muss man jedoch von einer Vertrauensperson abgeholt werden", sagt der Experte. Bei der rund zehnminütigen Untersuchung wird über den Mund ein Schlauch eingeführt, über den Magen und Zwölffingerdarm nicht nur optisch begutachtet, sondern auch Proben entnommen werden können. Denn sehr selten wird eine Krebserkrankung mit einem Magengeschwür verwechselt und kann durch eine Gewebeprobe diagnostiziert werden. Übrigens treten Tumore nur im Magen und nicht im Zwölffingerdarm auf. Auch können sich aus Geschwüren keine Tumoren entwickeln. Die Ursachen für die Geschwüre sind vielfältig.

Helicobacter pylori: Der Keim schwächt die Schleimhaut, Magensäure kann diese dadurch leichter angreifen und Geschwüre oder Gastritis hervorrufen. In Österreich sind 15 bis 20 Prozent Träger des Keims, weltweit sind es 50 Prozent. Nicht immer verursacht der Helicobacter pylori aber Probleme.

Schmerzmittel: Bestimmte Schmerzmittel wie Voltaren, Parkemed und Seractil begünstigen die Entstehung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren – und diese werden oft später erkannt, weil wegen der Medikamente keine Bauchschmerzen auftreten.

Genetische Neigung: Dass die Geschwüre nach Blutgruppen gehäuft auftreten, deutet auf erbliche Faktoren hin (Magengeschwüre gehäuft bei Blutgruppe A, Zwölffingerdarmgeschwüre bei Blutgruppe 0).

Lebensstil: Nikotin, Stress, psychosomatische Störungen und hochprozentige Alkoholika wirken sich negativ aus. "Allerdings wurden diese Faktoren in der Vergangenheit deutlich überbewertet", sagt Schöfl.

Durchblutungsstörungen: "Sie sind sehr selten die Ursache – etwa nach Operationen, deutlich überbewertet", sagt Schöfl.

Hormontumore: Sie regen die Säureproduktion massiv an, sind jedoch sehr, sehr selten.

Behandeln lassen sich Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre relativ einfach: Einerseits verschreibt der Arzt Säureblocker, andererseits wird der Helicobacter pylori, durch eine zweiwöchige Therapie mit Antibiotika bekämpft. Bei Magengeschwüren wird nach zwei Monaten eine weitere Gastroskopie gemacht, um zu überprüfen, ob diese abgeheilt sind. Das vollständige Abheilen der Defekte ist auch der Garant, dass es sich nicht um Krebs handelt. Bei Zwölffingerdarmgeschwüren kann man mit einer Atem- oder Stuhlprobe testen, ob der schädliche Darmkeim erfolgreich beseitigt wurde. Sind Medikamente die Ursache, sollten diese abgesetzt oder gegen andere ausgetauscht werden.

Säureblocker: Keine Dauermedikation!

Von der langfristigen Einnahme von Säureblockern rät Primar Schöfl übrigens ab: "Zur Aufnahme von Mineralstoffen wie Eisen, Kalzium oder Magnesium braucht man Säuren. Wenn diese fehlen, kann es zu Mangelzuständen kommen." Auch kann durch die Einnahme von Säureblockern über einen längeren Zeitraum die Infektneigung und die Anfälligkeit für Allergien zunehmen. Positiv kann sich auch eine Änderung des Lebensstils auswirken, die laut Schöfl jedoch zusätzlich zur medikamentösen Therapie erfolgen sollte. "Mit einer Vorsorge-Gastroskopie, vielleicht gekoppelt mit der Vorsorge-Koloskopie, könnte der Helicobacter pylori gefunden und behandelt werden, bevor er etwas anrichten kann", sagt der Internist.

Jubiläum: Die Gastroenterologische Abteilung im Ordensklinikum wurde im Juli 2001 gegründet und von Anfang an von Primar Rainer Schöfl geleitet. Pro Jahr werden rund 5000 Gastroskopien und mehr als 3000 Koloskopien durchgeführt. Schwerpunkte sind auch Hepatologie und Ernährungs- und Stoffwechselmedizin.

Magenspiegelung

Bei einer Magenspiegelung oder Gastroskopie werden vom Experten Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm mit einem speziellen Endoskop untersucht. Dabei können auch Gewebeproben entnommen werden.

Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft, dauert rund zehn Minuten und kann unter Sedierung vorgenommen werden.

Österreichweit werden jährlich 300.000 Magenspiegelungen durchgeführt, am Ordensklinikum Linz sind es 7000 bis 8000.

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Dietlind Hebestreit

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