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Musik

Kopfhörer #66: Der Earl aus Wien

Von Reinhold Gruber  10. Dezember 2021 11:15 Uhr

Konstantin Heidler sucht als Earl Mobley noch nach dem für ihn vollkommen passenden Song.

Klingt so wie, heißt so wie, sieht aus wie: In solchen Kategorien wird öfter gedacht, als Künstlern lieb ist. Tür 10 im musikalischen Adventkalender beginnt mit einem Earl, der gar nicht britisch ist.

Earl Mobley. Der Name klingt mehr nach großer Welt als nach jemandem, der  um die Ecke wohnen würde. Der Wiener Konstantin Heidler (Vague, Sluff) steckt hinter diesem Namen, den er offenbar gewählt hat, um sich im Hintergrund halten zu können.

Das hat wohl auch damit zu tun, dass er von sich selbst sagt, noch kein Werk geschaffen zu haben, hinter dem er voll und ganz stehen kann. Diese Gespaltenheit, um nicht zu sagen Unsicherheit, hört man den 12 Songs auf „Glamour, Envy & The Act Of Looking“ (Borkum Records) nicht wirklich an. Vielleicht auch deshalb, weil sie nicht neu, sondern schon vor der großen Krise entstanden sind. 

Als Abarbeiten von alten Ideen bezeichnet Heidler das Album, was erklärt, dass man einen roten Faden oder eine erkennbare durchgehende Handschrift sowohl textlich wie musikalisch nicht finden wird. Hier sucht noch ein Musiker nach seiner ihm passenden Ausdrucksform, der er vielleicht mit „Part Of Me“ am nähesten kommt. Der lässige Indie-Rock-Song nimmt irgendwie gefangen und versprüht vor allem nicht diese Traurigkeit, die sich sonst durch die Songs von Earl Mobley ziehen.

Nur reich sein bringt gar nichts, denn fliegen lernt nur der, der auch weiß, wie man schwimmt. Witwer stellen im wunderbar schrägen „Taube“ die These auf, dass ihnen nur Melodien einfallen, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Da muss man einfach hin- und zuhören. Viel weise Worte im lässigen Rhythmus des Lebens, manchmal fast geschrien, dann wieder beinahe geflüstert. Und am Ende weiß man auch, warum das Lied so heißt wie es heißt. Da entlocken die Wiener Indie-Pop-Folk-Rocker auch noch ein Lächeln. Gelungen!

Am Ende bleibt alles gleich. Nina Chuba scheint nicht so recht an die Kraft der Veränderung zu glauben. „Alles gleich“ heißt der harmonische Pop-Song, mit dem 23-jährige deutsche Sängerin, die als Schauspielerin den Nachnamen Kaiser trägt, wenig Hoffnung zu machen scheint, dass sich Dinge und Menschen verändern können. Wer genau hinhört, wird erkennen, dass es um Träume und Wünsche geht, die manchmal brauchen, um in Erfüllung zu gehen. Wenn alles gleich bleibt, dann ist es am besten, wenn es einen selbst miteinschließt. Denn man selbst und bei sich zu bleiben, ist ein Ziel, das es lohnt, erreicht zu werden.

Verantwortung. Ein großes Wort. Oska, die Songwriterin mit Gefühl und Herz, hat dem einen Song gewidmet. „Responsibility“ schleicht sich auf gewohnt leisen Sohlen an, wie es die Art der im Waldviertel aufgewachsenen Maria Burger ist. Die darin formulierte Bitte an junge Eltern oder solche, die es bald werden wollen: Denkt an die Kinder, die sie ihren Kindern übergeben. Schöne Botschaft, schöner Song und eine schöne Vorfreude auf das für Ende Februar angekündigte Album der hochtalentierten Songwriterin.

Und weil wir ja nach wie vor mitten in der Vorweihnachtszeit sind, gibt es zum Ende auch noch einen Anspieltipp für Weihnachtslieder-Freunde. „Twilight Is Falling“ von Son Of The Velvet Rat vermittelt den Zauber dieser Zeit ohne Kerzenglanz und Lametta, aber mit großer Hingabe und überzeugend.

Artikel von

Reinhold Gruber

Lokalredakteur Linz

Reinhold Gruber

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