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Literatur

Junger Mann wird vom Patrioten zum "Whistleblower"

Von Clemens Schuhmann 23. November 2019 10:48 Uhr

Junger Mann wird vom Patrioten zum "Whistleblower"
Der "Whistleblower" Edward Snowden lebt im Exil in Russland.

Edward Snowden hat seine Memoiren veröffentlicht – ein fesselndes Buch

Es ist einer der Schlüsselmomente dieses fesselnden Buches: Edward Snowden, der junge Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA, sitzt wie immer vor seinem Computer und spioniert die eigene Bevölkerung aus. Der Patriot, der mit seiner Arbeit die Terroranschläge des 11. September 2001 rächen will, hat als Teil des US-Überwachungsapparats die Macht, ins Leben anderer Leute zu schauen.

Und eines Tages war da der Bub, den er auf dem Schirm hatte. Der US-Geheimdienst war am Vater des Buben interessiert und zapfte die Kamera von dessen Laptop an. "Er saß vor seinem Computer wie ich vor meinem. Nur hatte er ein Kleinkind auf dem Schoß, einen Buben in Windeln", erinnert sich Snowden. Das Kind kicherte und blickte in die Kamera. "Ich konnte mich des Gefühls nicht erwehren, dass er mir in die Augen sah. Plötzlich wurde mir klar, dass ich den Atem angehalten hatte."

Daten rausgeschmuggelt

Es sind Stellen wie diese, die die Memoiren von Edward Snowden so lebendig machen. Was er getan hat, weiß mittlerweile jeder. Und auch über seine abenteuerliche, gefährliche Flucht über den halben Erdball weiß man Bescheid. Mit diesem Buch werden jedoch die Hintergründe geliefert – und zwar sehr anschaulich und eingängig erzählt.

Großartig, teilweise unglaublich und mitunter fast schon lustig liest es sich, wie Edward Snowden die Daten aus dem sehr gut gesicherten NSA-Gebäude herausgeschmuggelt hat: Er hat sie auf Mini-SD-Karten gespeichert und diese unter den farbigen Aufklebern eines Zauberwürfels (Rubik’s Cube), in seinen Socken oder in seiner Backe versteckt.

Hilfe bei der Meinungsbildung

Es wird immer wieder die Frage gestellt, ob Edward Snowden nun ein Held oder doch eher ein Verräter sei. Die Lektüre dieses sehr gut geschriebenen Buches, das man nicht mehr so einfach weglegen kann, hilft bei der Meinungsbildung, es beantwortet die Frage natürlich nicht abschließend. Man versteht aber Snowdens Beweggründe besser. Und man bewundert ihn für seinen Mut – und auch dafür, was er alles auf sich genommen hat. Denn ein einigermaßen normales, selbstbestimmtes Leben wird dem "Whistleblower" wohl für immer verwehrt bleiben.

Edward Snowden: "Permanent Record – Meine Geschichte", S. Fischer, 428 Seiten, 22,70 Euro

Artikel von

Clemens Schuhmann

Redakteur Außenpolitik, Weltspiegel

Clemens Schuhmann
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