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Kultur

Buchtipp: Schweres Erbe

Von Roswitha Fitzinger   12. Januar 2019 00:04 Uhr

Pferde Rennsport

Die amerikanische Autorin C. E. Morgan gewährt in ihrem zweiten Roman Einblick in die Welt des Pferderennsports und die Geschichte der Südstaaten.

Man muss kein Pferdenarr sein, um "Der Sport der Könige" zu verfallen. Nichtsdestotrotz braucht es Durchhaltevermögen, damit einem bei diesem fast 1000-seitigen Epos nicht die Luft ausgeht. Doch es lohnt sich. C. E. Morgan hat ein vielschichtiges Werk verfasst, das nur auf den ersten Blick ein Generationen-Roman ist.

Ebenso hat es die Geschichte der amerikanischen Südstaaten zum Thema, die Auswirkungen von Sklaverei und Rassismus – erzählt anhand zweier Familien, die eine weiß und reich, die andere schwarz und arm. So weit, so plakativ. Trotzdem glänzt dieser Roman vor allem durch eines: Tiefgründigkeit.

Die Forges haben es weit gebracht. Seit Generationen bewirtschaften sie als Farmer Land im Ohio River Valley. Ihr Reichtum begründet sich auf Mais und Getreide, harter Arbeit und Ausbeutung. Und geht es nach John Henry Forge, soll auch sein einziger Sohn Henry dieses Erbe hochhalten. Doch der will den abgesteckten Pfad verlassen und Rennpferde züchten. Er will Perfektion, das beste Rennpferd der Welt soll aus seinem Stall kommen. Mit Akribie verfolgt er sein Ziel, was den Leser in die gleichermaßen glänzende wie brutale Welt des Pferderennsports eintauchen lässt.

Ganz anders verläuft das Leben von Allmond Shaughnessy. Als Kind einer schwarzen Amerikanerin und eines weißen Iren, der sich irgendwann aus dem Staub gemacht hat, ist er allein aufgrund seiner Hautfarbe zeitlebens ein Außenseiter. Die alleinerziehende und auf sich gestellte Mutter erkrankt früh an Rheuma, doch das Geld für Medikamente fehlt. Das System, das Schwarze benachteiligt, macht es unmöglich, den Teufelskreis aus Armut und Krankheit zu durchbrechen. Sie schuftet sich buchstäblich zu Tode, während ihr Sohn zunehmend auf die schiefe Bahn gerät und im Gefängnis landet. Hinter Gittern zum Pferdeburschen ausgebildet, führt ihn der Weg schließlich zu den Forges. Die beiden Erzählstränge treffen aufeinander. Es sind zwei Welten, zwei Extreme. Allmond will haben, was die Forges haben: nicht nur Reichtum, sondern vor allem Anerkennung. Auch Henry Forges Tochter Henrietta hat ihre eigenen Vorstellungen vom Leben, in dem der Rassismus ihres Großvaters und die Rassentheorien ihres Vaters keinen Platz haben.

So unterschiedlich die Welten von Henrietta und Allmond, eint sie doch der Wunsch, daraus auszubrechen. Beide sind Gefangene ihrer Vorfahren, tragen schwer an der Bürde ihres Erbes. Ob reich oder arm, weiß oder schwarz, ihr Lebensweg scheint vorgezeichnet. Als Leser bangt und hofft man, weil C. E. Morgan den Leser spüren lässt, dass nur wenig fehlt, um ihrer beider Leben eine andere Wendung zu geben. Das Buch endet – so viel sei verraten – ganz amerikanisch, mit einem großen Showdown.

Ein großartiger und äußerst lesenswerter Roman, der in den USA zu Recht bejubelt und mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet wurde und im Vorjahr auf der Shortlist des Pulitzerpreises zu finden war.

Schweres Erbe

C.E. Morgan, "Der Sport der Könige", Roman Luchterhand, 951 Seiten, 28,80 Euro

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