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Ins Netz gegangen

In 30 Teilen haben sich die OÖN nun mit dem Thema Internet beschäftigt,von der Partnerbörse bis zum Online-Aktienhandel. Als Abschluss wollen wir hier eine Art Bilanz ziehen und die zentrale Frage der Glaubwürdigkeit von Informationen herausheben.

Die Erfindung des Internets bedeutet für die Menschheit vermutlich so viel wie die Erfindung des Rades oder des Buchdrucks. Um ermessen zu können, was sich alles mit dem Internet verändert hat, denken wir kurz einmal 15 Jahre zurück, in die Zeit vor der Verbreitung des Internets:

Man schrieb einander noch private Briefe; die Faxgeräte waren das Standard-Kommunikationsmedium im Geschäftsleben; man ging in die Disco oder ins Beisl, um seinen Traumpartner kennenzulernen; Weiterbildung hieß, persönlich in Kursen anwesend zu sein; Pornografie war etwas für düstere Hinterzimmer.

Heute werden wir täglich von hunderten E-Mails bombardiert, und wer zwei Tage seine Mails nicht checkt, fühlt sich vom Fluss des Lebens abgeschnitten; Firmen wickeln ihre Geschäftsprozesse hauptsächlich über Inter- und Intranet ab; Online-Partnerbörsen sind für viele Singles zum fixen Aufenthaltsort geworden; bevor jemand einen Kühlschrank kauft oder eine Reise bucht, informiert er sich erst im Internet; Studieren von zu Hause aus ist kein Problem, und wer will, kann sich die härtesten Pornos online ansehen.

Ist das gut oder schlecht? Das muss im Endeffekt jeder für sich selbst beantworten. Fest steht, dass das Internet unser Leben extrem beschleunigt hat. Nichts kann mehr warten, die Promptheit und die Gleichzeitigkeit, die uns das Internet gebracht haben, sind die Devisen des 21. Jahrhunderts geworden – das stresst sehr viele Menschen. Allein die Anzahl der täglichen Geschäftskontakte eines normalen Angestellten hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten vervielfacht.

Die Globalisierung in all ihren Facetten konnte erst durch die Vernetzung der Computer ihren „Siegeszug“ antreten. Mit ihr die Finanzkrise, die wir momentan erleben. Sie hätte sicher nie diese Dimension erreicht, hätte das Internet die Schockwellen nicht verstärkt und ermöglicht, dass in Sekundenschnelle hunderte Millionen Euro, ja Milliarden um den Globus gejagt werden.

Doch nun zum Problem der Glaubwürdigkeit: Information ist im Internet bekanntlich im Überfluss vorhanden. Die Frage ist, welchen Wert und welchen Wahrheitsgehalt sie hat. Ein Beispiel: „Nicht Al-Kaida-Terroristen, sondern engste Kreise um US-Präsident George W. Bush haben die Terroranschläge auf die Twin Towers am 11. September 2001 verübt.“ So und ähnlich steht es im Internet, auf hunderten Webpages. Tausende Internet-Nutzer unterstützen diese Theorie. Sie bringen in Internet-Foren unzählige „Beweise“ dafür und gehen – auch heuer wieder – im wirklichen Leben „für die Wahrheit“ auf die Straße demonstrieren.

Wem können wir trauen?

Alles ist möglich im Internet. Jede Wahrheit ist beweisbar, aber auch ihr Gegenteil. Wem aber können wir trauen? Welche Websites sind seriös, welche schlampig im Umgang mit der Wahrheit und welche überhaupt verhetzende Meinungsmacher? Nicht umsonst waren und sind zum Beispiel Zeitungen, die wegen ihrer seriösen Recherche gekauft werden, auch im Internet wichtige Anlaufstelle für korrekte Informationen.

Wasserdichte Informationen

Die Redakteure und Redakteurinnen solcher Medien sind auch online die Garanten für geprüfte, wasserdichte Informationen. Nützlich ist es auch, sich anzusehen, wer hinter einer Website steckt (siehe Surftipps). Entscheidend ist weiters das Alter der Information – hat sich vielleicht in der Zwischenzeit Neues ereignet?

Eine Schlüsselrolle in Sachen Information nimmt die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia ein. Trotz der faszinierenden Idee, dass alle daran mitschreiben können, gilt der Grundsatz, wie ihn Berthold Kerschbaumer von der Fachhochschule Hagenberg formuliert: „Der Wahrheitsgehalt lässt sich nicht durch Mehrheitsentscheid festlegen.“ All- zu oft haben Politiker und Firmen ihren Wikipediaeintrag von „unabhängigen Experten“ schönen lassen, allzu oft blieb das lange unbemerkt. „Dem Ansatz des demokratisierten Generierens von Wissen werden enge Grenzen gesetzt“, so Kerschbaumer.

Ohne Suchmaschinen wären wir in den Weiten des World Wide Web hoffnungslos verloren. Leider sitzen wir allzu leicht der Illusion auf, die gefundenen Webseiten seien die „besten“, die zutreffendsten, die informativsten und außerhalb der Treffer existiere nichts. Sie sind lediglich die „geschicktesten“, die die Google-Maschinerie am besten bedienen konnten und die in der Folge am häufigsten angeklickt wurden. Nicht umsonst beschäftigt sich ein ganzer Zweig der Werbebranche mit optimaler Suchmaschinenplatzierung des eigenen Produkts.

Ohne Internet: Proletariat

Wie sich das Internet weiterentwickeln wird, können wir höchstens erahnen (siehe rechte Randspalte). Sicher ist nur, dass ein immer größerer Teil unseres Lebens ohne Internet nicht mehr funktionieren würde. Und dass diejenigen, die keinen Zugang zum Internet haben können oder wollen, zum modernen Proletariat unserer Welt werden.

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Artikel Von Ulrike Rubasch 19. November 2008 - 00:00 Uhr
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