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„Meinen Traum lebe ich eigentlich jetzt schon“

LINZ. Eine sympathische Person, natürlich, selbstbewusst, unaufdringlich und ehrlich. Ihr bayrischer Dialekt lässt sie noch herzlicher wirken. Ein Schlagwort umgibt die soeben 29 Jahre alt gewordene Musikerin und Studentin der Bruckner Uni bei allem, was sie tut: Ausnahme-Talent.

„Meinen Traum lebe ich eigentlich jetzt schon“

Tuba-Spielerin Christina Maria Schauer mit ihrem Instrument Bild: privat

Nicht nur, dass sie als Frau Tuba spielt, sondern auch, wie sie Tuba spielt. Denn mit ihrer Kunst hat sie nicht erst einmal Preise eingeheimst. Christina Maria Schauer ist eine Musikerin mit profunder Ausbildung und auch als Sängerin und Pädagogin tätig.

Frau Schauer, wenn Sie so mit der Tuba auf dem Rücken zur Uni gehen, das fällt schon auf, oder?

Schauer: (lacht) Ja! Ich werde immer und überall angesprochen. Alle möglichen Fragen wurden da schon gestellt. Was ist da drinnen? Ein Zelt? Spiele ich das auch oder trage ich es nur herum? Wo gibt es so einen Rucksack? An Kontakten mangelt es damit kaum.

Ist dieses große, schwere Instrument nicht eher selten bei Frauen?

Schauer: Naja, es ist schon eine Männer-Domäne. Aber es gibt immer mehr Frauen. Ich unterrichte ja auch in der Musikschule Regensburg. Da habe ich gleich viel Mädchen und Burschen.

Wie sind Sie auf die Tuba gekommen?

Schauer: Tuba habe ich erst recht spät begonnen, so mit 15 herum. Vorher habe ich Akkordeon gespielt, dann Klavier und Geige. Ich wollte unbedingt bei unserer örtlichen Blasmusikkapelle mitspielen. Das ging mit Klavier nicht so gut. Also fragte ich, welches Instrument ihnen fehlt. Und das war die Tuba.

Seit 2006 studieren Sie an der Anton Bruckner Privatuniversität. Sie haben aber vorher schon ein Studium absolviert.

Schauer: Ja, Schulmusik auf der Uni Regensburg mit Klavier als Hauptfach und Tuba als Nebenfach (das hat sie in der Halbzeit gewechselt, Anm. d. Red.). Ich hätte damals in Tuba einfach noch nicht die Aufnahmeprüfung geschafft. Aber das war ja mein nächstes großes Ziel – Tuba als Konzertfach zu studieren. Das wollte ich unbedingt.

Sie haben in der Musik und als Tubistin schon sehr viel erreicht, spielen in einigen Ensembles, haben Ihre eigenen Bands, sind Substitutin beim Philharmonischen Orchester in Regensburg sowie beim Brucknerorchester Linz. Was ist Ihr großer Traum?

Schauer: Eigentlich lebe ich meinen Traum schon. Ich mache Musik und kann die Tuba kreativ in verschiedenen Genres einsetzen. Ich habe schon mehrmals die Chance bekommen, mit echt tollen und bekannten Musikern zu spielen. Zum Beispiel letztes Jahr, da war ich mit ProBrass auf Tournee als Ersatz-Tubistin. Das war ein Wahnsinn! Im Moment ist ein reines Frauen-Blechbläser-Ensemble im Entstehen: Brassessoires. Unser Repertoire reicht von Klassik bis Jazz, und – wir singen alle! Unser Debutkonzert ist übrigens in Oberösterreich. Und sonst? Ich würde irrsinnig gerne in einem Orchester spielen, hauptberuflich.

Das klingt interessant, aber auch ganz schön turbulent. Ist das nicht anstrengend?

Schauer: Schon oft. Aber trotzdem will ich nicht mit einem ruhigeren, geregelten Leben tauschen. Ich habe mir bisher noch jedes Jahr gedacht – das war das beste Jahr meines Lebens!

Gab es auch persönliche Rückschläge?

Schauer: Klar gab es die, aber eher selten. Man muss einfach viel ausprobieren wollen, offen sein, notfalls kann man immer die Richtung leicht verändern.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Schauer: Stolz – das klingt immer so, als ob man da irgendetwas alleine geschafft hätte. Ich würde sagen, ich hatte einfach viel Glück und gute Chancen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Wie geht es für Sie nun weiter?

Schauer: (grinst) Das weiß ich nie so genau. Da bin ich flexibel, auch in welchem Land es weitergeht. Ich habe noch so viele Ideen, was ich in der Musikwelt ausprobieren möchte. Und lerne auch ständig neue Leute kennen, die mir Inputs geben. Solange es Musik gibt, die mich bewegt und die lebendig ist, gibt’s keine Grenzen.

 

Zum Studium und zur Person

Tuba: Das Institut für Blechbläser und Schlagwerk (BBS) bietet hochbegabten Musikerinnen und Musikern eine Ausbildung im künstlerischen und pädagogischen Bereich für die Instrumente Trompete, Horn, Posaune, Tuba und Schlagwerk. Renommierte Lehrende fördern die Musiker auf ihrem Weg zur kreativen und musikalisch ausgebildeten Künstler-Persönlichkeit. Absolventen des Instituts finden Engagements in Orchestern wie dem Brucknerorchester Linz, den Wiener Philharmonikern, den Münchner Philharmonikern und vielen anderen im In- und Ausland. Sie sind als anerkannte Musikpädagogen tätig oder als Künstler auf internationalen Bühnen vertreten. www.bruckneruni.at

Mehr zu Christina Maria Schauer: 2011 war sie Stipendiatin der Andechser ORFF-Akademie des Bayerischen Rundfunkorchesters, im gleichen Jahr hat ihr Nukular Tuba Trio beim Blechbläser-Wettbewerb der Anton Bruckner Privatuniversität den 2. Preis gewonnen. Seit vergangenem Semester gehört sie zum Kreis der Ö1-Talentebörse.

Termine: Debutkonzert der Brassessoires in Alberndorf am 12. Mai Festspiele im Strudengau/Grein; 12. August: Christina Maria Schauer mit Tuba/Gesang, www.donau-festwochen.at; Hörprobe ihrer Improband „Hüftgold“: www.myspace.com/hueftgoldmusic

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Artikel Verena Halvax 13. März 2012 - 00:04 Uhr
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