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Wirtschaft

Das Pfuschen nimmt weiter ab

Von nachrichten.at/apa   21. Januar 2020 09:46 Uhr

WIEN. Der Linzer Ökonom Friedrich Schneider rechnet mit einem Rückgang des Pfusch-Volumens von 24 auf 22,9 Mrd. Euro, womit der Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 6,1 auf 5,8 Prozent schrumpfen könnte.

Zu verdanken ist das laut Schneider der nicht allzu hohen Arbeitslosigkeit und wirtschaftspolitischen Maßnahmen wie dem Familienbonus.

Schon seit Mitte vergangenen Jahrzehnts nimmt der Pfusch kontinuierlich ab - der Höhepunkt war 2004 mit 31,8 Mrd. Euro bzw. elf Prozent des BIP erreicht. In den vergangenen Jahren, seit 2017, hat das Volumen jeweils zwischen sechs und fünf Prozent absolut abgenommen. Und dass der Wert nun wieder unter 6 Prozent des BIP liegt, ist erstmals seit den 1990er-Jahren der Fall.

Im EU-Vergleich weist Österreich mit den 5,8 Prozent des BIP auch heuer den besten Wert auf, gefolgt von den Niederlanden und Luxemburg mit je 7,2 Prozent sowie Irland und Dänemark mit je 8,6 Prozent. Am höchsten ist der Wert einmal mehr in Bulgarien (30,4 Prozent), gefolgt von Rumänien (27,2), Kroatien (27,1) und Ungarn (23,7). In Deutschland sind es 9,1 Prozent. Insgesamt wird der Pfusch-Anteil in der EU von 16,3 auf 16,2 Prozent sinken, nimmt Schneider an.

Aus für Kalte Progression würde noch mehr bringen

Ohne Abschaffung der "Kalten Progression" - die die neue Regierung mit Verweis auf geplante Steuertarif-Senkungen vorerst nicht vorhat - geht das Schattenwirtschafts-Volumen in Österreich dem Ökonomen zufolge heuer um 1,14 Mrd. Euro zurück, mit einem "Aus" für die "Kalte Progression" seit 1.1.2020 würde die Reduktion 1,62 Mrd. Euro ausmachen können. Von einem Prozent Lohnsteigerung werden ungefähr 30 Prozent durch die Steuermehrbelastung im zeitlichen Verlauf wegbesteuert, der Effekt auf den Pfusch sei somit hoch, so Schneider zur APA.

Mit 39 Prozent den größten Anteil an der Schattenwirtschaft hat der Sektor Baugewerbe und Handwerksbetriebe (samt Reparaturen), hier würden heuer gut 8,9 Mrd. Euro an Steuern und Sozialabgaben vorbei umgesetzt. Es folgen die sonstigen Gewerbebetriebe und haushaltsnahen Dienstleistungen mit 17 Prozent bzw. 3,9 Mrd. Euro. Danach kommen die Sektoren "Andere Gewerbe und Industriebetriebe" und "Dienstleistungsbetriebe" mit je 3,7 Mrd. Euro Umsatz.

Weniger Pfuscher in Österreich

Seit fast 30 Jahren ist nicht mehr so wenig gepfuscht worden, wie heuer. Und dazu ist der renommierte Linzer Ökonom Friedrich Schneider zu Gast im Studio.

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"Steuerverluste halten sich in Grenzen"

Größter Verlierer des Pfusch ist der Staat, dem hauptsächlich Sozialversicherungsbeiträge entgehen, nämlich 2,0 bis 3,5 Mrd. Euro an Steuer- und SV-Ausfällen im Jahr. "Die Steuerverluste halten sich in Grenzen", sagt der Ökonom, "da das schwarz verdiente Geld sofort wieder in der offiziellen Wirtschaft ausgegeben wird." Ein weiterer Verlierer seien die Krankenversicherungen, die die erhöhten Kosten der zusätzlichen Unfälle bzw. Arbeitsunfähigkeit der Pfuscher tragen.

Zwei Drittel der Wertschöpfung kommt laut Schneider von Pfuschern, die selbstständig oder unselbstständig offiziell beschäftigt sind, dort die volle Steuer- und Abgabenlast tragen und "nur" die "schwarzen" Mehrstunden nicht versteuern. 16 Prozent der Wertschöpfung gehe auf organisierte Kriminalität (Prostitution, Bau) zurück, 17 Prozent auf Arbeitslose, Frühpensionisten.

"Viele Häuser gäbe es ohne Pfusch nicht"

40 Prozent der Pfuschtätigkeiten seien komplementär, das heißt sie würden in der offiziellen Wirtschaft zu offiziellen Preisen gar nicht nachgefragt; 35 Prozent seien substitutiv, 25 Prozent würden im Do-it-yourself erledigt. Von Schwarzarbeit profitiere die Wirtschaft und jeder, der pfuschen lässt oder selbst pfuscht: "Viele Häuser und Eigenheime gäbe es ohne Pfusch nicht."

Reduziert werden könnte der Pfusch laut Schneider durch diverse wirtschaftspolitische Maßnahmen, etwa eine befristete Mehrwertsteuerrückvergütung für arbeitsintensive Dienstleistungen, die schon genannte Abschaffung der "Kalten Progression", eine Wiedereinführung des Handwerkerbonus - für die Schneider bereits seit Jahren plädiert - sowie durch eine Senkung der Lohnnebenkosten.

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