Linzer Chemiker im Wettlauf um Öko-Sprit

LINZ. Aus dem bösen Klimagas CO2 wird unter Mithilfe von Millionen Mikroben der Wundertreibstoff für die umweltfreundliche Mobilität der Zukunft: Diese Erfindung des Linzer Borealis-Chemikers Alexander Krajete macht international Schlagzeilen.
Auf dem Ecosummit in Berlin hat Krajete, hauptberuflich bei Borealis tätig und im Nebenberuf Erfinder, sein Konzept heuer grünen Investoren vorgestellt. Die OÖN haben bereits im Vorjahr über seine Idee berichtet. „Obwohl ich Chemiker bin, gehe ich den biologischen Weg, weil der Energieaufwand wegen des Einsatzes von Mikroben viel geringer ist“, sagt er.
Krajete füttert Archaeen, die üblicherweise Tiefseevulkane besiedeln und zu den ältesten Lebewesen auf der Erde zählen, mit Kohlendioxid und Wasserstoff. Sie produzieren Methan. Krajetes Versuchsanlage an der Technischen Universität Wien soll die Funktionsweise bestätigt haben. Mittlerweile läuft ein Patentverfahren.
Investoren gesucht
Der Österreicher ist in einem Wettlauf mit anderen Forschern, die mit Derivaten aus Wasserstoff und CO2 Erdöl ersetzen wollen. „ZeitOnline“ nannte Krajetes Unternehmen „Green-thitan“ kürzlich in einem Atemzug mit den deutschen Projekten „Sunfire“ und „Solarfuel“.
Letzteres hat nun mit Audi einen starken Partner gefunden. Greenthitan sucht intensiv Investoren. „Ich brauche drei Millionen Euro“, sagt Krajete. Green-thitan löse die Schlüsselfrage schlechthin – die Speicherung von Ökostrom. „Das ist der Jolly Joker“, sagt der Wissenschafter. Sein Wunschmodell: Eine Gemeinde mit viel erneuerbarer Energie (Wind, Sonne) produziert damit Wasserstoff; der werde mithilfe von Mikroben und unter Einsatz von CO2 zu Methangas, und zwar so sauber wie Erdgas. Das könne verheizt, in Ergasleitungen gespeist und als Autotreibstoff genutzt werden. So nebenbei werde aus dem Sorgenkind CO2 ein wichtiger Rohstoff, der bei Verbrennungsprozessen abgezweigt würde. Wasserstoff direkt in Brennstoffzellen zu verwerten, wie es seine Konkurrenten tun, ist für Krajete „weniger effizient“.