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WM 2018

Russlands WM-Hochrechnung: Eine Gleichung, die nur Unbekannte hat

Von Stefan Scholl aus Moskau   13. Juni 2018 00:04 Uhr

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Bild 1/36 Bildergalerie: Die zwölf Stadien der Fußball-WM

Fußball-WM: Vor dem Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien gilt die Mannschaft des Gastgebers als krasser Außenseiter. Nur der Präsident glaubt an einen Höhenflug.

Morgen wird die "Sbornaja" das Eröffnungsspiel der ersten "vaterländischen" Fußball-WM gegen Saudi-Arabien bestreiten. Die russische Fußballöffentlichkeit aber rätselt, welche Eigenschaften ihr Team überhaupt besitzt. "Dieses Team stellt eine Gleichung dar, die nur Unbekannte hat", heißt es in einigen russischen Medien.

Tatsächlich geht der Gastgeber, inzwischen auf Platz 70 der Weltrangliste abgestürzt, als krasser Außenseiter ins Turnier. Sieben sieglose Spiele in Folge, in den letzten beiden Vorbereitungsspielen gegen Österreich und die Türkei nur ein einziges Tor, schon hagelt es Häme gegen Trainer Stanislaw Tschertschessow. Es herrscht eher Verwirrung – auf dem Platz und daneben. "Eine Spielidee ist nicht zu erkennen", klagt Igor Rabiner, Fußballexperte der Zeitung Sport Ekspress. Die Taktik klingt nicht nach dem technisch starken Kombinationsspiel, mit dem die sowjetische Sbornaja einst glänzte. Das sind wohl eher die kampfstarken aber technisch limitierten Isländer oder Iren die Vorbilder. Und wenn schnelle und ballsichere Gegner das russische Pressing aushebeln, treffen sie nicht unbedingt auf die flinkeste Abwehr.

Nachdem Tschertschessow zwei Jahre lang mit drei Innen- und zwei Außenverteidigern spielen ließ, wechselte er vor einigen Wochen zu einer Viererkette. Zum Teil auch verletzungsbedingt. Die beiden Innenverteidiger Georgi Dschikija und Viktor Wassin waren mit Kreuzbandrissen ausgefallen. Um sie zu ersetzen, versuchte der Trainer, die 36-jährigen Zwillinge Alexei und Wassili Beresuzki zu reaktivieren, die bis zur EM 2016 das Rückgrat der Defensive bildeten, sie sagten aber ab.

Zwölfter Mann als Hoffnung

Immerhin kehrte ihr ZSKA-Kollege Sergei Ignaschewitsch zurück. Er ist inzwischen 38. Auch sein Nebenmann Wladimir Granat, 31, gilt nicht als Sprinter. Spektakulärer Fußball sei von dieser Sbornaja nicht zu erwarten, sagt Fach-Journalist Samwel Awakjan. "Aber es bleibt die Hoffnung auf die Tribünen." Vielleicht beflügelt ja die Unterstützung der vollen WM-Stadien in Moskau, Samara und St. Petersburg die russischen Spieler. Aber an ein Fußballwunder will auch Awakjan nicht glauben. "Minimalziel ist das Überstehen der Gruppenphase. Das ist wohl auch das Maximum." Nur Russlands Präsident Wladimir Putin glaubt vor der morgen beginnenden WM an einen Höhenflug des russischen Teams: "Wir rechnen damit, dass unsere Mannschaft durchstarten wird."

Was alles verboten ist

So will Russland die Sicherheit bei der WM mit allerlei Verboten perfektionieren.

  • Kein Alkohol: Die Behörden wollen an den Spieltagen in den Zonen nahe den Stadien und in den Zentren der Austragungsstädte den Verkauf von Alkoholika verbieten, in Moskau auch an den Vortagen.
  • Kein Schaschlik: In der Umgebung mehrerer Spielstädte wird das Garen von Fleischspießen in der freien Natur, ein Lieblingsvergnügen der Russen, untersagt.
  • Kein Wassersport: Die tatarischen Behörden verbieten in Kasan während der WM alle Segel-, Sport- und Ruderboote, Ausflugsdampfer sowie Jetski auf dem Fluss Kasanka.
  • Keine Kleinflugzeuge: Die Bannzone über den Stadien hat einen 110-km-Radius.
  • Keine Abgase: Viele Industriebetriebe in der Nähe der Austragungsorte müssen ihre Produktion einstellen. In Sotschi will man allen benzinbetriebenen Autos die Fahrt in den Olympiapark mit dem Fußballstadion Fischt untersagen.

WM ’26: Trump lenkt ein

Morgen wird die Fußball-WM 2018 in Russland eröffnet, schon heute soll beim FIFA-Kongress in Moskau der Ausrichter der Titelkämpfe 2026 bestimmt werden. Die USA bewerben sich gemeinsam mit Mexiko und Kanada, einziger Konkurrent ist Außenseiter Marokko.

US-Präsident Donald Trump hat einem Medienbericht zufolge der amerikanischen Bewerbung wichtige Unterstützung zugesagt. In drei Briefen an FIFA-Chef Gianni Infantino habe Trump unter anderem Garantien zur Reisefreiheit während einer möglichen WM 2026 in den USA abgegeben, berichtete die „New York Times“. Demnach sollen ausländische Teams, Offizielle und auch Fans keinen Restriktionen unterliegen, wenn sie für WM-Spiele einreisen. Der von Trump selbst als „Muslim-Bann“ titulierte Einreisestopp für Menschen aus einigen überwiegend muslimischen Ländern wäre im WM-Kontext außer Kraft gesetzt.

„Ich bin zuversichtlich, dass die Vereinigten Staaten die WM 2026 auf eine ähnlich offene und festliche Weise (wie früher) ausrichten und dass alle berechtigten Athleten, Offiziellen und Fans aus der ganzen Welt die USA ohne Diskriminierung betreten“, schrieb Trump dem Bericht zufolge im dritten Brief, der vom 2. Mai datiert.

Im FIFA-Prüfbericht zur Bewerbung hatten die USA, Mexiko und Kanada im Punkt „staatliche Unterstützung“ zuletzt nur eine mittelmäßige Bewertung erhalten. Grund dafür soll die restriktive Politik von Trump gewesen sein. Die Vereinigten Staaten waren schon 1994 (ohne Nachbarländer) Ausrichter der WM.

 
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