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Innenpolitik

Brunner und die Umfragen: "Das glaube ich so nicht"

Von Barbara Eidenberger  23. September 2022 08:53 Uhr

Michael Brunner
Michael Brunner

WIEN. Seine erste Reise als Bundespräsident würde ihn nach Russland führen, er wolle wie Bruno Kreisky vermitteln und "Systemumfragen" schenkt er keinen Glauben, sagte Kandidat Michael Brunner gestern im ZiB2-Interview.

Schon die erste Antwort machte deutlich, wie MFG-Kandidat Michael Brunner das Amt des Bundespräsidenten versteht. Seine erste Reise würde nach Russland führen, dann in die Ukraine und schließlich zu den "indirekten Kriegsparteien" EU und USA. Denn, man müsse wieder an den Verhandlungstisch und diese Aufgabe wolle er übernehmen, so Brunner. Sein Vorbild dabei: SP-Bundeskanzler Bruno Kreisky. Dass die Aufgaben und Zuständigkeiten eines Bundespräsidenten und eines Bundeskanzlers gänzlich andere sind, blendete der MFG-Kandidat geflissentlich aus. 

Die Sanktionen kritisierte er scharf, sie hätten Russland nicht geschadet, sondern nur der EU eine Teuerungs- und Energiekrise beschert. Von Moderatorin Marie-Claire Zimmermann mit Berichten konfrontiert, dass Russland sehr wohl Auswirkungen der Sanktionen spüre, tat Brunner diese mit einem "Das ist nicht bewiesen" ab. Ohnehin sei ihm "das Hemd näher als der Rock". 

"Ich werde das Chaos beenden"

Dass Brunner jenen Fakten Glauben schenkt, die seine Meinung stützen und andere weniger, wurde auch bei der Frage nach Wahlzielen deutlich. Zu Umfragen, die ihm aktuell nur zwei Prozent bei der Wahl am 9. Oktober zuschreiben, sagte Brunner: "Das glaube ich so nicht." Immerhin seien dies "Systemumfragen". Von Moderatorin Zimmermann gefragt, was denn "Systemumfragen" seien, blieb Brunner vage. Kritik am System ohne näher auszuführen, welches System genau und wer dieses System nun sei, ist Teil der MFG-Argumentation in vielen Bereichen. Vage blieb Brunner auch bei seinem Wahlziel. Das Erreichen der Stichwahl halte er für möglich, das Echo in der Bevölkerung sei "enorm groß". 

Zur viel diskutierten Frage, welcher Kandidat nun wie schnell die Regierung entlassen würde, schlug Brunner dezentere Töne an. Zwar will er immer die Ankündigung immer noch umsetzen, Chaos wolle er aber nicht auslösen. Ganz im Gegenteil: "Ich werde das Chaos beenden." Die Zeit zwischen Stichwahl und Angelobung wolle er nutzen, um die Regierung zum freiwilligen Rückzug und dem Ausrufen von Neuwahlen zu bewegen. Denn - und diesen Umfragen glaubt Brunner dann doch - nur noch 18 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher würden der VP-Grünen-Koalition Vertrauen schenken. 

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Barbara Eidenberger

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