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Innenpolitik

"Blindflug": Massive Probleme bei Corona-Zahlen erschweren Prognosen

Von Alexander Zens  13. November 2020 00:04 Uhr

Ein negativer Corona-Test bedeutet nicht automatisch die Aufhebung der Quarantäne. (Symbolbild)

WIEN/LINZ. Rund 2500 Neuinfektionen in Oberösterreich, aber 700 davon wurden verzögert erfasst.

Es braucht eine "massiv verbesserte Datenlage" über das Corona-Infektionsgeschehen. Diesen Appell richteten die Forscher des "Complexity Science Hub Vienna" (CSH) am Donnerstag an die Politik. Sie gehören zum Prognose-Team des Gesundheitsministeriums und sind alarmiert, weil es in den vergangenen Tagen und Wochen zu vielen Datenpannen gekommen ist.

Das Epidemiologische Meldesystem (EMS) ist überlastet. Die Behörden konnten zuletzt teils stundenlang nicht darauf zugreifen. Dadurch kommt es zu Verzögerungen und tausenden Nachmeldungen. Auch wird von Fehlern im System berichtet. Neuinfektionen werden nicht dem richtigen Bezirk oder Bundesland zugeordnet.

Talk zum sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen

"Wenn es wie derzeit zu massiven Fehl- und Nachmeldungen der Behörden (zum Teil über Tage hinweg) kommt, wird es zunehmend unmöglich, das gegenwärtige Infektionsgeschehen und das der nahen Vergangenheit abzubilden, geschweige denn, zukünftige Fallzahlen zu prognostizieren", schrieben die Komplexitätsforscher Peter Klimek und Stefan Thurner in ihrem gestrigen "Policy Brief". Das sei bei Entscheidungen wie "Lockdown oder nicht?" problematisch. Man sei "dem Infektionsgeschehen quasi im Blindflug ausgesetzt".

Mit bundesweit 9262 Neuinfektionen wurde gestern ein Rekordwert verzeichnet. Wie viele davon aber Nachmeldungen waren und wie viele wirklich binnen 24 Stunden dazukamen, ist unklar.

In Oberösterreich wurde mit 2554 Neuinfektionen ebenfalls ein Rekord registriert. Laut Landes-Krisenstab stammen davon aber rund 700 Fälle aus den Tagen zuvor, die verzögert gemeldet wurden. Der Bund sei bemüht, aber die Überlastung des Systems mit Millionen Daten, die Verzögerungen und Fehler erschwerten die Arbeit der Bezirksverwaltungsbehörden und des Landes enorm, sagt Carmen Breitwieser vom Krisenstab.

7000 Salmonellenfälle

Auch aus Kärnten und Wien kam Kritik. Laut dem Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SP) hat die Gesundheitsagentur Ages mitgeteilt, dass die Datenbank eigentlich darauf ausgelegt sei, 7000 Salmonellenfälle im Jahr zu dokumentieren. "Und mit dem Ding wollen wir eine Covid-Pandemie dokumentieren. Das kann nicht funktionieren", so Hacker.

Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) nahm am Donnerstagvormittag dazu Stellung: "Die Nachricht heute Früh war, dass das erledigt ist und wieder zu 100 Prozent funktionieren sollte." Am Donnerstag würde es aber noch zu "Nachmeldungen" kommen. Das EMS sei zwar "sehr weit entwickelt", und im Gegensatz zu anderen Ländern liefere dieses System in Österreich tagesaktuelle Daten, so Anschober: Allerdings sei die Datenbank bisher nur auf einige tausend Fälle im Jahr ausgelegt gewesen, nun gebe es tausende Fälle pro Tag.

Das Gesundheitsministerium teilte am Nachmittag auf Anfrage mit, dass die hohe Serverauslastung keine Gefahr für das System darstelle, das EMS sei aufgrund laufender Wartung und Erweiterung gut gerüstet. Mit Hochdruck arbeiteten Experten daran, die Kapazitäten zu erweitern, damit es zu keinen Verzögerungen komme. Die Situation habe sich bereits entspannt. Aus Oberösterreich und Wien kamen jedoch gegenteilige Signale. Die Probleme dauerten demnach auch am Donnerstag an, hieß es.

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Redakteur Politik

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