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Innenpolitik

Django ist in Rohrbach tief verwurzelt

Von Dietmar Mascher   28. August 2014 00:04 Uhr

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Netzwerk: Wer sind die Förderer, Wegbegleiter, Freunde und Vertrauten des neuen ÖVP-Obmanns?

Den Reinhold kennt im Bezirk praktisch jeder. Er ist seinen Wurzeln immer treu geblieben. Auch als er nach Wien ging", sagt einer seiner besten Freunde über den neuen VP-Chef. Der Freund ist, wie könnte es anders sein, ein gebürtiger Rohrbacher.

Tatsächlich ist Reinhold Mitterlehner stets ein Rohrbacher geblieben, ist nach wie vor Obmann der Bezirkspartei. Bei der Wiederwahl gab es keine Gegenstimmen.

Auch eines seiner zwei großen Vorbilder, die er immer wieder hervorhebt, ist ein Ur-Rohrbacher. Der langjährige VP-Landtagsabgeordnete und Langzeitbürgermeister von Atzesberg, Franz Leitenbauer, habe ihn geprägt. Dieser habe mit Pragmatismus und Beharrlichkeit viel für den Bezirk erreicht. Das zweite Vorbild des großen Fußballanhängers ist übrigens Ernst Happel.

Das berufliche Netzwerk begann Mitterlehner in der Wirtschaftskammer zu knüpfen. Zwar behauptet der ehemalige Chef der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, Ludwig Scharinger (Bezirk Rohrbach), Mitterlehner sei quasi seine Erfindung. In einer anderen Version sind seine ersten Mentoren allerdings der ehemalige Wirtschaftskammer-Präsident von Oberösterreich, Kurt Kaun, und dessen Kammerdirektor, Alfred Waldbauer. "Als ich 1990 Präsident wurde, haben wir den Reinhold in die Frühstücksrunde aufgenommen", erzählt Kaun. Der damalige Leiter der Marketingabteilung habe durch analytisches Denken und strategisches Handeln auf Anhieb überzeugt. So sehr, dass man ihn nach einiger Zeit gen Wien zum VP-Wirtschaftsbund ziehen ließ. "Ich habe gehofft, dass er auch in Wien etwas verändert. Das ist gelungen. Ihm traue ich auch zu, dass er das Ruder herumreißt. Aber nur, wenn er sich stark der Parteiarbeit widmet und alte Strukturen verändert. Sonst hat die ÖVP keine Chance", sagt Kaun.

Enge Kontakte

Mit Mitstreitern aus der damaligen Zeit pflegt Mitterlehner nach wie vor engen Kontakt, darunter der jetzige Präsident Rudolf Trauner, mit dem es öfter zu Fußballspielen ins Ausland geht.

Großes Lob gibt es nach wie vor von Christoph Leitl. Als der seinerzeitige Wirtschaftslandesrat nach Wien ging, um Präsident der Wirtschaftskammer zu werden, holte er neben seiner Bürochefin Anna Maria Hochhauser auch Mitterlehner als Generalsekretär in die Kammer. "Reinhold hat wesentlich an der Umgestaltung der WKO mitgewirkt." Seinen WKO-Kollegen Harald Kaszanits nahm Mitterlehner mit, als er Minister wurde.

Mitterlehner, der in seiner Zeit als Minister zahlreiche Firmen im gesamten Bundesgebiet besucht hat, ist besonders oft in Oberösterreichs Firmen anzutreffen. Am häufigsten wahrscheinlich im Mühlviertel. Dass er als eines der wenigen Regierungsmitglieder auch regelmäßig Kontakt zu den Chefs der großen heimischen Konzerne pflegte (unter anderem mit OMV-Chef Gerhard Roiss und voestalpine-Chef Wolfgang Eder), wird ihm dort hoch angerechnet. Beim Koalitionspartner pflegt Mitterlehner den intensivsten Kontakt mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer, der seinen Du-Freund auch schon in Helfenberg besucht hat.

Mühlgau und Austro Danubia

Und wer sind seine Freunde? Noch ehe Mitterlehner in Rohrbach maturierte, in Linz Jus studierte, dort der CV-Verbindung Austro Danubia beitrat (Couleurname Django), war er schon Mitglied der Mittelschüler-Verbindung Mühlgau in Rohrbach.

Der heutige Abt des Stifts Schlägl, Martin Felhofer, trat am selben Tag ein. Sein Leibbursch, der Co-Geschäftsführer der Werbeagentur Como Albert Ettmayer, ist heute noch einer der besten Freunde Mitterlehners. Zum engeren Freundeskreis gehören der Rohrbacher Arzt Peter Stumpner, Kleinwasserkraft-Pionier Christoph Wagner, Richter Bruno Lindorfer sowie der eben bestellte Chef der Technologie- und Marketinggesellschaft TMG, Werner Pamminger.

Das Vorbild

Neben dem ehemaligen Fußball-Teamchef Ernst Happel nennt Reinhold Mitterlehner immer wieder den langjährigen Rohrbacher Landtagsabgeordneten und Atzesberger Bürgermeister Franz Leitenbauer, der wie kaum ein anderer für den Bezirk mit viel Beharrlichkeit vieles erreicht habe.

Der Mentor

Als Kurt Kaun 1990 Präsident der oberösterreichischen Wirtschaftskammer wurde, nahmen er und Kammerdirektor Alfred Waldbauer den jungen Mitarbeiter Reinhold Mitterlehner in den engeren Führungskreis (die Frühstücksrunde) auf. Später schickte er ihn zum Wirtschaftsbund nach Wien.

Der Präsident

Der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich holte Mitterlehner und Anna Maria Hochhauser als Generalsekretäre in die Kammer. Als Wirtschaftsminister hat sich Mitterlehner von Leitl etwas emanzipiert, wenngleich die Zielrichtung der beiden in fast allen Punkten ähnlich ist.

Der Mitterlehner-Clan

Der designierte neue ÖVP-Obmann und Vizekanzler ist nicht das einzige prominente Mitglied der Familie Mitterlehner. Der Clan der Mitterlehners ist über Helfenberg und den Bezirk Rohrbach hinaus bekannt.

Reinhold ist mit 58 Jahren das älteste Kind. Sein nächstjüngerer Bruder Thomas ist Direktor der Berufsschule 7 für Handelslehrlinge in Linz. Er war bis vor wenigen Monaten mit der Bezirkshauptfrau von Rohrbach, Wilbirg Mitterlehner verheiratet, die aus dem benachbarten Schönegg stammt. Deren Bruder wiederum, Bernhard Winkler, ist Miteigentümer und Co-Geschäftsführer des Linzer Personalberaters Trescon. Der drittälteste Bruder, Andreas, ist seit mehr als zehn Jahren Generaldirektor der Hypo Landesbank. Seine Frau, Michaela Keplinger-Mitterlehner, ist stellvertretende Generaldirektorin der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich. Sie stammt ebenfalls aus Helfenberg. Die beiden haben dort ein Haus, leben aber an sich in Linz.

Das Elternhaus hat Gottfried Mitterlehner übernommen. Dieser hatte einst denselben Beruf gewählt wie der Vater und wurde Gendarm. Er ist mittlerweile Chef des Landeskriminalamtes für Oberösterreich.

Die einzige Schwester, Herlinde Savic, lebt in Wien und ist Biotechnologin. Bruder Christian ist behindert und lebt in Peuerbach.

Chat-Nachlese

Kann Reinhold Mitterlehner die ÖVP führen? Wird er der Forderung nach Vermögenssteuern nachgeben? Wer wird Finanzminister? Chefredakteur Gerald Mandlbauer beantwortete im OÖN-Chat Fragen der Leser.

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