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Weltspiegel

"Kriegszustand": Größter Corona-Ausbruch in China seit Monaten

Von nachrichten.at/apa   07. Januar 2021 09:56 Uhr

TOPSHOT-CHINA-HEALTH-VIRUS
90 Fälle in der Provinz Hebei - elf Millionen Chinesen werden deshalb getestet.

PEKING. China erlebt den größten Ausbruch des Coronavirus seit Monaten. Nachdem das bevölkerungsreichste Land das Virus seit Sommer weitestgehend im Griff hatte und nur ganz vereinzelt Infektionen zählte, sind die Zahlen in der Provinz Hebei direkt vor den Toren Pekings in wenigen Tagen auf 90 gestiegen.

Die Gesundheitskommission der Provinz meldete am Donnerstag 90 Patienten im Krankenhaus und 144 asymptomatische Infektionen. Die Behörden riefen "den Kriegszustand" im Kampf gegen das Virus aus.

Die Lage wurde als "ernst" beschrieben, da mit einem weiteren Anstieg gerechnet wird. Besonders betroffen ist die 300 Kilometer nordöstlich von Peking gelegene Provinzhauptstadt Shijiazhuang. Ein Großteil der Transportverbindungen in die Metropole wurde unterbrochen. Der Bahnhof wurde geschlossen, wie Staatsmedien berichteten. 80 Prozent der Flüge wurden gestrichen. Auch Busverbindungen wurden ausgesetzt.

Die elf Millionen Einwohner werden getestet. Einige Wohngebiete wurden abgeriegelt. Der Unterricht in Kindergärten, Volks- und Mittelschulen wurde ausgesetzt. Zusätzliches medizinisches Personal wurde in die Stadt entsandt. Wegen Vernachlässigung ihrer Pflichten in der Pandemievorbeugung wurden drei Funktionäre auf Stadtbezirksebene verwarnt, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.

Straßensperren wurden eingerichtet. Autofahrer können nur mit besonderer Genehmigung die Stadt verlassen oder hereinfahren, berichteten Staatsmedien. Betroffen sind auch die Städte Xingtai und Nangong, wo Hundertausende getestet werden. Die Hauptstadt Peking und Nachbarprovinzen ergriffen Schutzmaßnahmen. Von der Grenze zur Provinz Shanxi wurde berichtet, dass Autofahrer aus Hebei aufgefordert wurden, wieder umzukehren.

Der neue Ausbruch, dessen Ursprung noch nicht geklärt ist, weckt Sorgen über die bevorstehende Reisewelle vor dem chinesischen Neujahrsfest am 12. Februar. Zum wichtigsten Familienfest der Chinesen sind normalerweise einige Hundert Millionen Menschen in ihre Heimatdörfer unterwegs. Doch rieten die Behörden bereits Wanderarbeitern, diesmal nicht nach Hause zu reisen. Auch wurden Mitarbeiter der Zentralregierung in Peking aufgefordert, über das Neujahrsfest nicht die Stadt zu verlassen, wie zu erfahren war.

Vor mehr als einem Jahr wurden in der zentralchinesischen Metropole Wuhan die ersten Fälle mit dem SARS-CoV-2-Virus entdeckt, der inzwischen weltweit 87 Millionen Menschen infiziert hat. Mehr als 1,8 Millionen sind an den Folgen gestorben. Nach einem anfänglich unzureichenden Umgang mit dem Virus haben Chinas Behörden seit Ende Jänner 2020 scharfe Maßnahmen ergriffen und die Covid-19-Pandemie mit Quarantäne, Ausgangssperren, Kontaktverfolgung und weitgehenden Einreisebeschränkungen an den Grenzen unter Kontrolle gebracht. So hatte sich das Alltagsleben in China wieder normalisiert.

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