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Nur gebogener Stahl? In einem Schneepflug steckt viel Hightech

Von Carsten Hebestreit   13. Januar 2019

Nur gebogener Stahl? In einem Schneepflug steckt viel Hightech
Hydrac: Josef Pühringer, Bernhard Sieberer und Simon Pammer (v.l.)

NEUZEUG/SIERNING. Das Sierninger Unternehmen Hydrac entwickelt robuste Schneeräumer und hält Patente auf einzigartige Konstruktionen.

Stundenlang pflügen Schneeräum-Teams in schneereichen Zeiten wie diesen kreuz und quer durchs Land, Tag und Nacht, und wenn’s sein muss, sieben Tage die Woche. Und immer hängt ein mächtiger Schneepflug vorne am Lkw oder Traktor. Im Vorbeifahren sehen Passanten oder Autofahrer zumeist nur ein gebogenes, oranges Stahlblech, doch wer genauer hinschaut, der versteht: Hinter der Konstruktion steckt viel mehr Hightech, als vermutet.

Kanaldeckel als Hindernisse

"Auf der Autobahn ist’s vergleichsweise einfach. Da stehen keine Kanaldeckel in die Höhe", sagt Josef Pühringer jun. aus Neuzeug/Sierning. Sein Vater Josef hatte 1966 das Unternehmen Hydrac gegründet, das Josef jun. 1989 übernahm. Heute produziert der Mittelständler nicht nur Anbauten für Traktoren ("grüne Fraktion") wie eben Schneepflüge oder Frontlader, sondern auch für die "orange Fraktion" Splittstreuer, Schneefräsen und ebenfalls Schneepflüge.

Kracht ein Schneepflug gegen ein Hindernis wie beispielsweise einen Kanaldeckel, können Kräfte bis zu 4000 g entstehen. Zum Vergleich: In einer Achterbahn dürfen maximal 6 g auf einen Menschen einwirken.

Damit weder an Kanaldeckeln noch Pflügen gröbere Schäden entstehen, entwickelten Pühringer und sein Team eine Spezialaufhängung: die "parabolische Führung". Trifft die Schürfleiste (Unterkante des Schneepflugs) auf ein Hindernis, kippt der Pflug in Sekundenbruchteilen nach hinten und nach oben weg, um dann sofort wieder in die Ausgangsposition zurückzufedern. "Der Fahrer hört da nur ein kurzes Klack-Klack, mehr nicht", sagt Josef Pühringer. Bis zu 20 Zentimeter hohe Kanaldeckel etc. können so in hohem Tempo überfahren werden, sagt der 49-Jährige.

Entscheidend ist auch, dass das Gespann Schneepflug/Lkw lenkbar bleibt. Liegt der Schneepflug zu stark auf dem Asphalt auf, fehlt Gewicht auf den Vorderrädern. In Kurven kann der Fahrer dann am Lenkrad drehen, so viel er will, der Lkw fährt unweigerlich geradeaus. Um dieses gefährliche Phänomen zu verhindern, wird der Schneepflug leicht angehoben und mittels "mechanischer oder hydraulischer Zugentlastung" fixiert. Was kompliziert klingt, ist einfach erklärt: Zwischen der Oberkante des Schneepflugs und der Pflug-Aufhängung des Lkw wird eine starke Feder gespannt. "Wir haben lange gegrübelt, doch dann sind wir auf diese einfache Lösung gestoßen", sagt Josef Pühringer.

Nicht nur auf diese "Zugentlastung", sondern auch auf die Aufhängung rund um die "parabolische Führung" hält Hydrac die Patente.

Trotz der immensen Beanspruchung hält ein Schneepflug 15 bis 20 Jahre. Dies auch, weil "wir die Stellen, die stark beansprucht werden, verstärkt haben", sagt Pühringer. Wo diese Punkte liegen, hat das Unternehmen mittels eines geförderten Forschungsprojektes eruiert. Per Computer wurde ein Pflug in kleine Teile zerlegt und die Stärke der Einwirkungen ermittelt. Daher ist der Stahl an manchen Stellen drei, an anderen Punkten 15 Millimeter dick. Ausschlaggebend sei freilich auch, dass die Schweißnähte exakt ausgeführt werden.

Die bis zu 4,30 Meter breiten und 1300 Kilogramm schweren Schneepflüge kosten zwischen 4000 und 14.000 Euro. Hydrac, das 100 Mitarbeiter beschäftigt, verkauft pro Jahr im alpinen Raum etwa 1000 Einheiten und erzielt einen Umsatz von 20 Millionen Euro.

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