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Steyr

"Das ist keine Entlastung, der Dreck bleibt ja da"

Von Kurt Daucher   13. April 2015 00:04 Uhr

Alfred Rieger am bereits bestehenden Stück der Westspange in Gleink, direkt beim Bauhaus: »In diesem Bereich wird der Verkehr drastisch mehr.«

STEYR. Alfred Rieger, der Obmann des Vereins "Grüngürtel statt Westspange", hat keine Freude mit der geplanten B122b.

Die Initiative "Grüngürtel statt Westspange" hält weiter an ihrem Kampf gegen die geplante Umfahrungsstraße B122b fest. Obmann Alfred Rieger (63) betont, dass es sich hier lediglich um eine Verkehrsverlagerung handelt, keinesfalls um eine Entlastung.

 

Steyrer Zeitung: Herr Rieger, Sie haben sich die Pläne für die Steyrer Westspange sehr genau angeschaut, wohl aber mit wenig Begeisterung.

Rieger: Genauso ist es. Man hat das Gefühl, dass da eine Trasse geschaffen wird, die dem künftigen Transitverkehr Tür und Tor öffnet.

Was stört Sie am meisten an der Westspange?

Dass von der Politik generell gesagt wird, mit der Westspange wird Steyr vom Verkehr entlastet. So schaut keine Entlastung aus, das ist nur eine Verlagerung. Der Dreck bleibt ja da. Und auch da, wo wir wohnen, ist Stadtgebiet. Außerdem gibt es einen Bericht der Verkehrsplanung, demzufolge wird der Verkehrsrückgang auf dem Taborknoten und der Seifentruhe nur sehr gering ausfallen wird.

Sie vermuten also, dass die Straße gar nicht so angenommen wird wie derart propagiert.

Angenommen wird sie vor allem von denen, die von Dietach nach Sierning fahren oder umgekehrt – und vom Verkehr, der von Enns nach Klaus unterwegs ist bzw. von Tschechien nach Slowenien.

Sie selbst sind ein künftiger Westspangen-Anrainer ...

Ich wohne in der Löwengutsiedlung. Unser Haus ist 100 Meter von der geplanten Trasse entfernt. Vom Schlafzimmer aus sehe ich dorthin, wo die Westspange unter der Wolfernstraße durchgeführt werden soll. Auch unsere Terrasse liegt in diese Richtung.

Ihre Gegner im Meinungsstreit um die B122b sind die vielen Autofahrer, die oftmals nur sehr langsam durch Steyr vorankommen. Mit welchen Argumenten wollen Sie die überzeugen?

Vor allem habe ich Verständnis für die Anrainer der Feldstraße und der Staffelmayrstraße. Dass die nicht zufrieden sind mit der derzeitigen Situation, ist mir klar. Es ist aber auch so, dass die Staffelmayrstraße längst saniert gehört. BMW schickt dort ihre Testfahrzeuge hin, weil so viel Schlaglöcher ideale Testbedingungen sind.

Von der Politik ist angekündigt, dass auch Geld in den Lärmschutz investiert wird.

Soweit ich weiß, gibt es Lärmschutz nur dort, wo eine größere Siedlung ist. Wo nur ein, zwei Häuser stehen, heißt es, zahlt sich das nicht aus.

In der Initiative "Grüngürtel statt Westspange" sind verschiedene Interessen vereint, unter anderem der Umweltschutz. Der Stop-and-go-Verkehr, den wir jetzt auf der Ennser Straße, der Taborkreuzung und der Seifentruhe haben, verschmutzt die Luft aber sehr viel mehr als eine Straße, auf der man halbwegs zügig vorankommt.

Ein solches Argument mag schon seine Berechtigung haben. Auf der anderen Seite ist es so, dass massiv der Schwerverkehr die Umfahrung nutzen wird. Aus Richtung Bauhaus haben wir eine durchschnittliche Steigerung von drei Prozent, aus Richtung BMD bis zu vier. Da sind der Verbrauch und der Abgasausstoß deutlich höher.

Was ist die weitere Vorgangsweise der Bürgerinitiative?

Wir haben uns jetzt einmal daran gemacht, unsere Argumente mit Zahlen zu untermauern. Da spricht einiges für uns. Wir werden auch die Betroffenen noch genauer informieren.

Wie groß ist die Initiative?

Im Kern sind wir etwa zwanzig Mitstreiter. Bei der Präsentation der Pläne haben sich weitere 100 Interessenten gemeldet. Betroffen von der Westspange werden in Summe aber an die 2000 Steyrer sein. Vor allem diejenigen, die östlich der Trasse zu Hause sind, kriegen den Dreck ab.

Die geplante Westspange erstreckt sich vom Bauhaus zum Bierhäuslberg.

Verkehr wird nach Steyr verlagert

Der Verkehr durch Steyr nimmt mit der Umfahrungsstraße B122b massiv zu, sagen Vertreter der Bürgerinitiative „Grüngürtel statt Westspange“ – und berufen sich dabei auf Unterlagen des Landes Oberösterreich. Einer der Hauptkritikpunkte: Vor allem der Verkehr, der derzeit von Dietach über Wolfern nach Sierning unterwegs ist (und umgekehrt), soll künftig auf die Westspange und damit nach Steyr verlagert werden. Die angekündigte Entlastung werde außerhalb Steyrs – auf der Heubergstraße, der Dietacher Straße und der Langen Gasse – stattfinden.

Belastung für Wolfernstraße

In der Verkehrsuntersuchung zum Trassenauswahlverfahren ist festgehalten, dass auf der Wolfernstraße in Steyr derzeit 7600 Fahrzeuge unterwegs sind. Laut Prognose für 2025 steigt diese Zahl auf 12.800. Das ist deutlich mehr als die angekündigte „natürliche“ Verkehrszunahme. „Der Planer vom Land hat uns gegenüber bestätigt, dass es etwa auf der Langen Gasse zu Verkehrsbeschränkungen kommen soll“, so einer der Aktivisten aus der Bürgerinitiative. Mit der Westspange bekomme die Wolfernstraße, von der aus man auf die B122b auffahren kann, sogar 13.700 Fahrzeuge täglich ab. Ganz massiv werde der Verkehr auch in Gleink (nahe Bauhaus) zunehmen.

Die Pläne für die Westspange waren vorige Woche von Land und Stadt präsentiert worden. Realisiert werden soll das 4,1 Kilometer lange Straßenstück bis spätestens 2021. Geschätzte Kosten: 30 Millionen Euro. Die Stadt hat sich daran mit zehn Prozent zu beteiligen.

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