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Sperrstund' beim Lettner: Naarner Wirte-Flaggschiff streicht die Segel

NAARN IM MACHLAND. Flut an Auflagen und Bürokratie brachte Karl Lettner zur Erkenntnis: „Ich mag nimmer“.

Wirt Karl Lettner mit seiner Mutter Gertraud. Ende Oktober ist der Gasthof zur Post in Naarn Geschichte. Bild: lebe

Große Hochzeiten, Bezirksjägertage oder Firmenjubiläen: Wer im Bezirk Perg nach einem großen Wirtshaussaal suchte, landete früher oder später im „Gasthof zur Post“ in Naarn. Legendär sind die vor allem zahlreichen Jugendbälle, bei denen im großen Saal im Obergeschoß in den 1990er-Jahren zur Musik von Bands wie den „Diamonds“ oder „Okay“ bis in die Morgenstunden gefeiert wurde.

Damit ist in drei Wochen Schluss: Mit 31. Oktober wird Karl Lettner zum letzten Mal sein Gasthaus aufsperren. „Es macht heutzutage keinen Spaß mehr, Wirt zu sein“, sagt der 36-jährige Naarner, der das Wirtshaus gemeinsam mit Mutter Gertraud geführt hat.

Den einen Grund, das Gasthaus aufzugeben, gäbe es nicht, sagt Lettner im OÖN-Gespräch: „Es sind die vielen kleinen Stolpersteine, die uns Wirten von Jahr zu Jahr vor die Füße gelegt werden. Irgendwann war der Punkt erreicht, wo ich gesagt habe: Ich mag nimmer. Obwohl ich trotz der vielen Arbeit immer gerne Wirt war.“

Rauchverbote, Allergenkennzeichnung, Arbeitszeitaufzeichnungen und Sicherheitsinstruktionen für Mitarbeiter sowie die zunehmende Schwierigkeit, kurzfristig Aushilfskräfte im Service zu bekommen, hätten ihm die Freude an diesem Beruf genommen. „Wenn ich für drei oder vier Stunden eine Mitarbeiterin engagiere, bin ich eine halbe Stunde lang mit Bürokratie beschäftigt. Da stimmt die Balance nicht.“

Hinter dem Entschluss ihres Sohnes steht auch Gertraud Lettner: „Wir hatten viele schöne Jahre. Aber die Zeiten ändern sich. Vor allem für die traditionellen Landgasthäuser wird das Umfeld immer schwieriger“, sagt die Wirtin. Dass immer mehr Gastwirte das Handtuch werfen, solle der Politik – aber auch der Gesellschaft insgesamt – zu denken geben.

Was Lettner nach der letzten Sperrstunde am 31. Oktober beruflich machen wird, wisse er noch nicht, beteuert er. Er wolle sich bis zum letzten Tag ganz seinen Gästen widmen, danach ein paar Wochen Urlaub nehmen. Im Hotel seiner Schwester in Au/Donau sei immer was zu tun, vielleicht stehe ihm der Sinn aber auch nach etwas ganz anderem. Das Hotel wird übrigens auch die Mitarbeiter des Gasthofs übernehmen. „Niemand wird gekündigt“, sagt Lettner. Ihm sei jetzt wichtig, dass die Gäste sein Haus in guter Erinnerung behalten: „Ich will aufhören, wenn alles gut läuft und nicht, wenn die Gäste sagen: Ist eh Zeit, dass er Schluss macht.“

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Artikel Bernhard Leitner 12. Oktober 2017 - 04:37 Uhr
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