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Linz

In der Welt der kreativen Köpfe

Von Reinhold Gruber (Text) und Alexander Schwarzl (Fotos)   30. November 2018 00:04 Uhr

LINZ. Als Stadt der Kreativen hat sich Linz europaweit einen guten Namen gemacht. Die Tabakfabrik steht dabei als Symbol für Kreativität und Innovation, für Ideen und eine pulsierende Jungunternehmer-Szene.

Als Stadt der Kreativen hat sich Linz europaweit einen guten Namen gemacht. Die Tabakfabrik steht dabei als Symbol für Kreativität und Innovation, für Ideen und eine pulsierende Jungunternehmer-Szene. So gesehen ist die Tabakfabrik der ideale Ort für das "Forum Creative Industries". Das Festival geht von 3. bis 11. Dezember in seine fünfte Runde. Unter dem Motto "The Fabulous Factory" werden die Tabakfabrik und die hier angesiedelten Unternehmen und Projekte erlebbar und im besten Sinne begreifbar gemacht.

Die OÖNachrichten haben sich zuvor im Zentrum der kreativen Szene umgesehen und exemplarisch fünf Beispiele herausgepickt, die Interessierte bei den "Open Studios Tabakfabrik" im Zuge des Festivals am 7. Dezember von 13 bis 18 Uhr auch besuchen können.

Hier zeigen sich die Gesichter und auch die Geschichten, die hinter Namen wie Grand Garage, Vresh Clothing oder Smarter Ecommerce stecken.

#1 Smarter Ecommerce

Christian Gorbach war früh von der Informationstechnik (IT) begeistert. "Ich habe schon mein erstes Taschengeld durch Programmieren verdient", sagt der CTO von Smarter Ecommerce, abgekürzt smec genannt. Zusammen mit Jan Radanitsch hat er vor elf Jahren die Grundlage für das Unternehmen gelegt, das in der Tabakfabrik rund 90 Mitarbeiter aus fast 20 Nationen beschäftigt. "Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht und bin sehr glücklich darüber", sagt Gorbach. Denn das sei ein Privileg, das er sehr zu schätzen wisse.

#1 Smarter Ecommerce
CTO Christian Gorbach und Michaela Scharrer im Büro von Smarter Ecommerce im vierten Stock der Tabakfabrik

Angetrieben von der permanenten "Neugier nach Neuem", hat dies Gorbach und seinen Geschäftspartner Radanitsch, mit dem ihn eine "sehr lange Freundschaft verbindet", zu jenem Geschäftsfeld gebracht, auf dem sie weltweit, mit Schwerpunkt auf Europa, tätig sind.

"Wir entwickeln Software für Online-Händler, die ihnen dabei hilft, ihre sehr hohen monatlichen Werbeausgaben, die sie bei Suchmaschinen wie Google einbuchen, über unsere Software zu optimieren", erklärt Gorbach. "Wir helfen beim Geldsparen."

Am Beginn sei es eine vage Idee gewesen, von der die beiden Köpfe des Unternehmens rasch spürten, dass es funktionieren könnte. Das Gefühl hat sich letztlich als richtig erwiesen.

Übrigens programmieren in den offenen Büroräumen nur etwa 25 Mitarbeiter. Der Rest des Teams ist mit Online-Marketing und Vertrieb beschäftigt. "Wir verkaufen Vertrauen, und das geht nur auf menschlicher Ebene. Die Kunden wollen Gesichter", sagt Gorbach.

#2 Michael Holzer 

Grafik und Möbeldesign sind die Professionen, die der 34-Jährige aus Ried/Riedmark auslebt. Mit einem deutlichen Überhang zur Grafik. Mit Erfolg: Erst vor einer Woche wurde er beim Caesar-Werbepreis vier Mal ausgezeichnet. Dabei hat Holzer ursprünglich Industriedesign an der Linzer Kunstuniversität studiert. „Ich komme aus der 3D-Richtung“, sagt er.

#2 Michael Holzer
Grafikdesigner Michael Holzer

Doch Grafikdesign hatte ihn schon zu Studienzeiten begeistert. Und es war leichter, damit auch Geld zu verdienen. Nach dem Studium wechselte er „fließend in die Selbständigkeit“.
In dieser gibt es den Grafikdesigner und zusammen mit seinem Partner Stefan Bartel das Designbüro Bartel/Holzer. „Wir machen nach wie vor Möbeldesign miteinander, aber der Schwerpunkt liegt bei mir mittlerweile auf der Grafik.“

Wie passen Möbeldesign und Grafik zusammen? „Es gibt Überschneidungen“, sagt Holzer. „Bei Möbeln geht es auch um Proportionen, um Aufteilungen, um Farben, um Materialien.“
Das Wechselspiel findet Holzer spannend. Es sei abwechslungsreich, er könne bei jedem Projekt tiefer in die Materie eintauchen, Konzepte entwickeln. Aber es sei auch schwierig, „weil ich den Kopf überall habe“. Oft würden sechs Projekte parallel laufen. „Dabei muss ich schnell umschalten können, weil es kundenspezifische Projekte sind.“

Das Interesse an „grafischen Spielereien“ hatte Holzer schon in jungen Jahren. In der Schule gestaltete er Flyer und erzeugte damit Wirkung. „Dieses Tüfteln, Problemelösen und Detaillösungen-Finden – das taugt mir.“
Was braucht gute Grafik? „Für mich soll sie Emotionen auslösen und klar kommunizieren. Dazu habe ich hohe ästhetische Ansprüche und versuche, jedes Projekt so zu nutzen, dass etwas Neues dabei herauskommt.“

#3 Yokai

Michael Wieser ist Student der Studienrichtung Fashion & Technology der Linzer Kunstuniversität, die es seit drei Jahren gibt. Wieser ist also ein junger Mann der ersten Stunde und ein praktisch veranlagter Typ. Denn er befasst sich mit Viktor Weichselbaumer und seinem Studienkollegen Simon mit der Frage, wie man "mit der Technologie des 21. Jahrhunderts den Modezyklus vom Design- bis zum Produktionsprozess neu denken" kann. Am Anfang war die Idee, Mode dreidimensional zu designen. Mittlerweile geht es um die Frage, wie Mode präsentiert und erzeugt werden kann.

#3 Yokai
Viktor Weichselbaumer und Michael Wieser

Drei Punkte seien dabei zentral. "Das Design mit 3D-Modellierungs-Software, der Showaspekt über Renderings und Animation, was bedeutet, dass Mode an digitalen, animierten Körpern und nicht mehr real präsentiert wird, und schließlich die Produktion von Kleidung mit Automatisierungstechnik, also Robotik", sagt Wieser.

Weichselbaumer ist der Mann der "physikalischen Simulation", der das filmische Handwerk beherrscht. Das Projekt hat den Namen Yokai, das japanische Wort für Formenwandler. "Nach eineinhalb Jahren des Tüftelns fühlen wir uns bereit, etwas zu zeigen", sagt Wieser. Das wird beim Festival passieren, wo ein Roboter, dem die drei Studenten "Leben einhauchen", seinen großen Auftritt hat.

#4 GRAND GARAGE 

Ruth Arrich ist Gründerin und Geschäftsführerin von GRAND GARAGE, das Ende Februar 2019 seine Tore in der Tabakfabrik öffnen wird. Die Grundidee der GRAND GARAGE geht davon aus, dass Menschen ihre Ideen umsetzen wollen. Denn Menschen würden von Natur aus etwas schaffen, experimentieren, probieren wollen. "Was Kinder unbedarft und gut können, wird immer mehr verschüttet, je älter wir werden", so Arrich.

#4 Grand Garage
Ruth Arrich auf der Baustelle

Deshalb soll hier "diese Neugier, dieser Experimentiergedanke" für Erwachsene hervorgeholt werden. "Wir wollen einen Raum schaffen, wo dies alles möglich ist. Wo man scheitern und siegen kann, ohne dass großartig etwas passiert."

Entstanden ist die "Innovationswerkstatt" aus einem Bedarf. Vier junge Menschen, die Arrich durch eine Mechatronik-Ausbildung begleitet hatte, sind zu ihr gekommen. Sie hätte ihnen immer gesagt, sie sollen ihre Ideen umsetzen, über den Tellerrand schauen, sich etwas trauen. Und jetzt hätten sie Ideen, wollten Prototypen bauen, kämen aber in keine technische Werkstätte. "Sie sagten zu mir: Wir brauchen eine kleine Garage, wo wir Dinge umsetzen können, aber mit professioneller Ausstattung."

Das hat Arrich neugierig gemacht. Zumal sie schon in ihrer Jugend gerne Dinge ausprobiert hat, vor allem dann, wenn es Zweifel am Funktionieren gab. Am Ende stand die Gründung von GRAND GARAGE. Von einem Raum, "wo sich Menschen kennenlernen und dann gezielt gemeinsam Projekte umsetzen können. Das ist unsere Vision", sagt Arrich, die zuversichtlich ist, dass es viele Menschen geben wird, die aktiv anpacken werden.

#5 Vresh Clothing

Klaus Buchroithner ist gerade einmal 28 Jahre alt, hat aber unternehmerisch schon so viel hinter sich, dass man sich fragt, wie er das trotz seiner jungen Jahre schon vorweisen kann. Aber der Mann hinter dem Unternehmen "Vresh Clothing" und dem Mode-Label "Das Merch" hat die Selbstständigkeit in seiner Heimatstadt Eferding familienbedingt mitbekommen.

#5 Vresh Clothing
Klaus Buchroithner hat eine Marktlücke für sich genutzt.

Als sein Bruder die HTL abbrach, um einen Skate-Shop aufzumachen, war Klaus Buchroithner gerade einmal 16 Jahre alt. "Ich war damals noch auf der HAK, aber das Geschäft war wie ein zweites Wohnzimmer. Ich habe viel Zeit dort verbracht."

Später übernahm er den Laden vom Bruder, machte Erfahrungen mit Großhandel, Mode und Marken. Er wollte aber etwas anderes machen. "Das Merch" und "Vresh Clothing" bezeichnet er als eine Firma in derselben Firma. Einerseits versucht er T-Shirts, die zu 100 Prozent aus recycelten Materialien produziert werden, in Produktion geben zu können. Zum anderen bietet er Firmen durch individuelle Gestaltung der T-Shirts die Möglichkeit, "nachhaltigeres und sauberes Merchandise" zu verwenden. Mittlerweile hat er 200 Kunden, wobei 80 Prozent vom Umsatz mittlerweile über die Agentur erzielt wird. "Der Bereich ist sehr schnell gewachsen, und ich sehe eine riesige Marktlücke", so der Jungunternehmer. 30.000 T-Shirts der Eigenmarke wurden heuer schon verkauft.

 

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