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Innviertel

Helm statt Diadem

Von Elisabeth Ertl   04. März 2017 14:04 Uhr

Helm statt Diadem

UTTENDORF. Enduro: Larissa Redinger hat sich schon als Kinder mehr für Motorräder als für Mädchen-Kram interessiert – Heuer will sie bei der härtesten Enduro-Rallye der Welt starten.

Zwischen Obstbäumen hat Anna-Larissa Redinger ihre ersten Runden mit dem 50ccm-Motorrad ihres Bruders Johann gedreht. Dieser Maschine ist sie längst entwachsen. Heute ist die 24-Jährige ... Ja, was eigentlich? Studentin, Fotografin, Testfahrerin für das Motorrad-Onlinemagazin 1000PS, sie arbeitet teilzeit für die Firma Klim, ist ein absoluter Familienmensch und seit Oktober 2016 amtierende Europameisterin Cross Country. Dass sie diesen Weg eingeschlagen hat, ist nicht verwunderlich – und irgendwie doch. Opa und Papa waren zwar selbst Motocrossfahrer, für seine Tochter hatte Papa Redinger allerdings andere Pläne. Vielleicht auch deshalb, weil er die Gefahren dieses Sports nur zu gut kennt. Er hätte Anna-Larissa lieber auf einem Pferd gesehen.

Über Umwege zum Ziel

"Mein Vater wollte unbedingt verhindern, dass ich Motorrad fahre. Er hat mir sogar verboten, den Führerschein zu machen. In diesem Punkt war er sehr streng", sagt die Uttendorferin. Durchgesetzt hat sie sich trotzdem. "2014 habe ich bei KTM ein Praktikum gemacht. Mit dem Geld habe ich mir meine erste eigene Maschine gekauft. Ich war schon 22 und erwachsen, deshalb konnten meine Eltern nichts mehr sagen." Ab diesem Zeitpunkt ist die Innviertlerin, die für den MSC Mattighofen fährt, auch ins Renngeschehen eingestiegen. "Meine ersten Erfahrungen habe ich gleich bei Rennen gemacht. Ich kann noch immer nicht glauben, was seither passiert ist", räumt Larissa Redinger ein. Damit spricht sie die vielen guten Platzierungen an, deren Krönung der Europameistertitel Cross Country im Oktober des Vorjahres war. "Ich habe am Anfang nicht einmal damit gerechnet, überhaupt auf dem Podest zu stehen. Beim Zieleinlauf hatte ich Tränen in den Augen. Auch deshalb, weil dieses Rennen mein erstes richtiges Battle war. Zwei Stunden lang habe ich mir mit der amtierenden deutschen Meisterin ein Reifen-an-Reifen-Duell geliefert. Ich habe dem Druck standgehalten und mich einfach drauf konzentriert, Spaß am Fahren zu haben", blickt die Uttendorferin auf ihren bislang größten sportlichen Erfolg zurück.

Helm statt Diadem

Die richtige Perspektive

Dieser Titel bedeutet Redinger viel. Doch ungeachtet ihres Erfolges setzt sie andere Prioritäten. "Der Europameistertitel war wahnsinn. So ein Moment ist aber nur dann schön, wenn du ihn mit deinen liebsten Menschen teilen kannst. Und die stehen für mich an erster Stelle. Gefühlsmäßig noch viel besser als der EM-Titel ist es zum Beispiel, wenn mich mein siebenjähriges Patenkind umarmt und mir sagt: Ich hab’ dich lieb. Das schlägt alles", räumt die 24-Jährige ein.

Zweifellos hat die Innviertlerin großes Talent. Für einen Europameistertitel reicht das alleine allerdings nicht. Eine Portion Glück, Ehrgeiz, hartes Training und die Freude an der Sache gehören mit dazu. "Letztes Jahr habe ich vollzeit gearbeitet, studiert und an Rennen teilgenommen. Da bin ich oft bis Mitternacht in der Werkstatt gestanden", sagt Redinger, die viel investiert hat – und viel gewonnen.

Alles bleibt anders

Die Titelverteidigung ist für Larissa Redinger heuer nebensächlich. Sie hat sich längst einem anderen Projekt gewidmet: Der Red Bull Romaniacs, eine der härtesten Enduro-Rallyes der Welt (24. bis 28. Juli). Vier Tage lang werden die Teilnehmer in Rumänien rund acht Stunden am Tag auf ihren Maschinen verbringen – im besten Fall. "Dafür muss man konditionell und mental stark sein", weiß die 24-Jährige.

Helm statt Diadem

Vor allem mit Letzterem hat die sympathische Innviertlerin keine Probleme. Kraft und Energie tankt sie durch Familie und Freunde und ihre große Liebe zum Sport. Große Zuneigung verbindet Larissa auch mit ihrer Großmutter. "Sie ist meine beste Freundin. Meine Oma hat sich viel um mich gekümmert, mit mir gelernt und mir wichtige Werte vermittelt. Und sie ist es auch, die mir die ganzen Mädchen-Sachen zeigt, denn in diesen Dingen bin ich ganz schlecht. Mit Make-up und Mode kenne ich mich überhaupt nicht aus", sagt Larissa. Dabei hat sie vor zwei Jahren sogar Werbespots für die Drogeriekette dm (www.annalarissafive.com/dm-advertisement/) gedreht – gemeinsam mit ihrer Oma, die seit Kurzem nicht nur stolze Besitzerin eines Smartphones ist, sondern sich seit der Einschulung durch ihre Enkelin auch an der Familien WhatsApp-Gruppe beteiligt.

Endlich am Ziel

Mit ihrem beruflichen Werdegang hat sich nicht nur für Anna-Larissa Redinger ein Traum erfüllt, sondern auch für ihren Papa. Und zwar bei einer Honda-Präsentation auf Sardinien, über die Larissa für das Online-Magazin 1000PS berichtet hat. "Dort habe ich David Thorpe getroffen. Er war und ist ein Held für meinen Papa. Vor vielen Jahren hat er ihm einen Brief geschrieben, Mozartkugeln mitgeschickt und um ein Autogramm gebeten. Damals hat er keine Antwort bekommen, aber ich habe aus Sardinien ein Autogramm für meinen Papa mitgenommen. Für mich war das Schönste an diesem Treffen, dass mir David Thorpe ein Kompliment für meinen guten Fahrstil gemacht hat. Immerhin ist dieser Mann dreifacher Weltmeister. Seit unserem Treffen folgt er mir sogar auf Instagram", freut sich die 24-Jährige über diesen prominenten ihrer insgesamt 1.900 Follower.

Sollte es sportlich und beruflich weiterhin so steil bergauf gehen, wird David Thorpe nicht der letzte bekannte Sportler sein, der Anna-Larissas Werdegang auf Instagram verfolgt...

 

Ein Wordrap mit ...

Ein Wordrap mit Anna-Larissa Redinger

Studiert Sportmanagement (fast fertig), arbeitet nebenbei bei der Firma Klim (20 Stunden) und ist amtierende Europameisterin (Cross Country).

Für die Volkszeitung hat die 24-jährige Uttendorferin ein paar Sätze vervollständigt:

  1. Mein Lieblingsplatz im Innviertel ist ...

    der Bauernhof meiner Eltern in Saiga Hans. Dort habe ich mir einen Raum geschaffen, in dem alle meine Sportgeräte sind.
  2. Ich bin ziemlich ...

    vielseitig. Ich denke, dieses Wort beschreibt mich am besten.
  3. Ungeschickt bin ich ...

    wenn ich lachen muss. Das passiert mir relativ oft. Wenn ich beim Enduro auf eine schwierige Stelle zufahre, von der ich weiß, dass ich wahrscheinlich stürzen werde, dann muss ich schon im Vorhinein lachen. Und natürlich falle ich dann auch hin.
  4. Geschickt bin ich ...

    bei handwerklichen Dingen. Ich habe meine Küche ganz alleine auf- und meinen Bus selbst umgebaut. Hätte ich nicht studiert, wär ich auf jeden Fall Mechanikerin geworden.
  5. An mir selber stört mich, ...

    dass ich manchmal zu akribisch und detailorientiert bin. Im Sport ist das gut, im Alltag nervig. Aber das ist in letzter Zeit besser geworden.
  6. Mit einem Lotto-Sechser würde ich ...

    meiner Mama einen VW-Käfer kaufen, meinen Eltern Geld geben, damit sie ihren Bauernhof fertig herrichten können und mit meiner Oma shoppen gehen. Ich selbst hasse shoppen, aber für sie würde ich es tun. Mir selbst würde ich vielleicht noch ein Extra-Motorrad kaufen.
  7. Als Tier wäre ich ...

    Bei diesem Satz muss ich lachen, weil ich an meinen Freund denken muss. Er hat vor Kurzem gemeint, ich sei ein Wildpferd.
  8. Mein Frühstück besteht aus ...

    Vollkornbrot mit selbstgemachter Marmelade von meiner Oma und einem Kaffee oder Müsli mit Früchten.
  9. Angst macht mir ...

    die Vorstellung, dass meinen liebsten Menschen etwas zustoßen könnte. Davor fürchte ich mich wirklich.

 

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