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Ende nach mehr als 200 Jahren: Linzer Raumausstatter Kaindl sperrt zu

LINZ. Schwierige Branche: Das Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr – Firmen kaufen direkt bei den Herstellern, Private kaufen online oder in großen Möbelhäusern.

Das Ende nach mehr als 200 Jahren: Linzer Raumausstatter Kaindl sperrt zu

Christoph Kaindl (sechste Generation), sein Vater Klaus Bild: Schwarzl

Längst vorbei sind die goldenen Zeiten der Raumausstatter: Das war, als es in den heimischen Wohnungen und Einfamilienhäusern Tapeten an den Wänden, Spannteppiche auf dem Boden und Vorhänge an den Fenstern gab. Die Zahl der Betriebe ist um etwa die Hälfte in 20 Jahren geschrumpft – und schrumpft weiter: Gestern hat Christoph Kaindl seine Belegschaft informiert, dass der Raumausstatter seinen Groß- und Einzelhandel aufgibt.

17 Mitarbeiter sind noch beschäftigt. Zu Glanzzeiten des Traditionshauses an der Linzer Dametzstraße waren es allein im Großhandel 140. Die Liquidation erfolgt geplant. "Zusperren mit einer Insolvenz kam für uns nicht in Frage", sagt Kaindl. In den nächsten Wochen wird abverkauft. Ein Räumungsabverkauf muss vom Magistrat genehmigt werden, er startet in einigen Wochen. Es folgt ein Sozialplan, der es dem Großteil der überwiegend langjährigen Mitarbeiter ermöglicht, deutlich vor dem geplanten Ende im September aufzuhören.

"Es ist eine Familienentscheidung", sagt Christoph Kaindl. Der 37-Jährige repräsentiert die sechste Generation des alteingesessenen Handelshauses. Vater Klaus (78) war bis vor zwei Jahren aktiv. Dann hat ihn eine Gehirnblutung aus dem Geschäft gerissen. Er habe sich erholt und trage die Entscheidung mit, sagt sein Sohn. Gemeinsam mit Mutter Monika und seinen Schwestern Hanna und Eva sei beschlossen worden, den Handel mit Vorhangstoffen, Bodenbelägen und Tapeten aufzugeben.

Der Branche werde von mehreren Seiten zugesetzt: Kaindl als Großhändler wurde immer stärker übergangen, kleine Ausstatter kauften direkt bei den Herstellern. Die schnelle Lieferung mache eine Lagerhaltung überflüssig, so Kaindl. Im Privatkunden-Geschäft hätten erst die großen Möbelhäuser wie Lutz, Leiner und Ikea den Fachhändlern das Wasser abgegraben. Jetzt komme noch der Internet-Handel dazu, berichtet der Firmenchef.

Es bleiben die Immobilien

Christoph Kaindl wird sich auf die Immobilienentwicklung und -verwaltung konzentrieren. Das Kaindl-Areal umfasst fast den gesamten Häuserblock von der Museumstraße bis zur Pochestraße. "Die Häuser Dametzstraße 1 bis 5 sind bereits generalsaniert." Eingemietet sind unter anderem der Fahrradhändler Brückl, der Bandagist Schmied und die Tanzschule TopTanz. In Leonding, in der Salzburger Straße, war der Großhandel auf 4000 Quadratmeter untergebracht. Nachbarn sind Banner Batterien und die Aveg. "Falls die Platzbedarf haben, sind wir gesprächsbereit. Sonst entwickeln wir dieses Areal." Der technische Industriebedarf Kaindl hat mit der Raumausstattung und Immobilienverwaltung nichts zu tun. Die Firmen agieren seit 1987 unabhängig voneinander.

Rückblick

1810: Franz Josef Kaindl gründet in Linz eine Gerberei und Lederwarenhandlung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von Lederhandel auf Raumausstattung und technische Produkte umgestellt.

1987 wurden Raumausstattung und technische Produkte getrennt. Klaus Kaindl übernimmt 1994 in fünfter Generation. 2010 wird das 200-Jahr-Jubiläum gefeiert.

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Artikel Sigrid Brandstätter 25. April 2018 - 00:04 Uhr
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