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Gipfelsieg für "Königin der Berge"

Daniel Wisser gewinnt mit seinem berührend klugen Roman den Österreichischen Buchpreis.

Gipfelsieg für "Königin der Berge"

Kulturminister Gernot Blümel gratuliert Buchpreisträger Daniel Wisser Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Daniel Wisser hat einen Lauf. Finanzielle Sorgen hatte er bereits im vergangenen Jahr verscheucht. Sein fulminantes Allgemeinwissen war bei der ORF-"Millionenshow" mit 300.000 Euro belohnt worden. Gestern wurde der 47-jährige Kärntner für seine eigentliche Begabung prämiert: Die fünfköpfige Jury zeichnete seinen grandios lebensbejahenden Roman "Königin der Berge" über einen dem Rollstuhl und dem Pflege-Personal ausgelieferten Multiple-Sklerose-Kranken mit dem Österreichischen Buchpreis (20.000 Euro) aus. Von der Oberösterreichischen Ärztekammer wird Wisser obendrein am 22. November in Linz mit dem Johann-Beer-Literaturpreis (7000 Euro) geehrt werden (die OÖN berichteten).

Hintergründiger Schmäh

Wisser schreibt nicht nur, er ist auch Musiker (Erstes Wiener Heimorgelorchester) und Performer. Für seinen Roman-Patienten Robert Turin ist die quälende Krankheit die titelgebende "Königin der Berge". Wisser pflastert Turins Alltag mit schwarzem Humor und hintergründigem Schmäh. Es ist ein kauziger, schlauer Mann, der sein Elend nicht länger ertragen möchte, deshalb kreisen Freitodgedanken über seinem Dasein. Seite um Seite wird Turins Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, plausibler. Den wie dahingesagt klingenden Phrasen seiner Frau Irene, der Oberschwester oder des Pfarrers ist der Mann überdrüssig. Wisser lässt nicht nur Turin sein eigenes Schicksal in inneren Monologen kommentieren, es tritt auch das übrige Roman-Personal aus den Rollen heraus, um Gedanken über den Patienten auszuplaudern. Diese Technik beschert dem Buch wunderbare Perspektivenwechsel, die Aufhebung zäher politischer Korrektheit und differenzierte wie unterhaltsame Betrachtungen eines Schicksals, dem nichts Tröstliches abzugewinnen ist. Wisser ist der mehr als verdiente dritte Gewinner des Österreichischen Buchpreises. In den vergangenen Jahren ging die Auszeichnung an Friedericke Mayröcker (2016) und Eva Menasse (2017).

Nicht ganz so zustimmend muss der Preis für den besten Debütroman des Jahres an Marie Gamillscheg zur Kenntnis genommen werden. Die vom deutschen Feuilleton so bejubelte Grazerin wurde für ihren Band "Alles was glänzt" mit 10.000 Euro belohnt. Die 26-Jährige Wahl-Berlinerin schmiedet in einem unbenannten Ort, den die Stahl- und Bergwerks-krise in die Perspektivlosigkeit geleitet hat, ein etwas zu gewollt künstlerisches Gerüst für das instabile Gleichgewicht von Mensch und Natur, ohne Maßgebliches zu erzählen. Für den Linzer Autor David Fuchs und seinen glänzenden Erstling "Bevor wir verschwinden" bleiben 2500 Euro als Trost für die Nominierung.

 

Die ausgezeichneten Bücher

Österreichischer Buchpreis:

Wie das Thema Sterbehilfe stemmen? Exakt so, wie es Daniel Wisser in diesem Text über den an Multipler Sklerose erkrankten Helden getan hat.

Daniel Wisser: „Königin der Berge“, Jung und Jung, Seiten, 24. Euro.

Debütpreis:

Eine Reise in eine verschwindende Welt. Über eine Schicksalsgemeinschaft im Schatten eines Bergs, in dem nichts mehr abgebaut wird.

Marie Gamillscheg: „Alles was glänzt“, Luchterhand, 224 Seiten, 18,50 Euro.

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Artikel Peter Grubmüller 06. November 2018 - 00:04 Uhr
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