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Buchrezension: Die tollen Möglichkeiten der Generation Praktikum

Die in Oberösterreich aufgewachsene Autorin Eva Schörkhuber hat einen vielversprechenden Roman abgeliefert.

Eva Schörkhuber

Eva Schörkhuber Bild: privat

Der Name Eva Schörkhuber ist selbst in der engeren Literaturszene noch ein Geheimtipp. Das könnte sich aber bald ändern. Die 1982 in Niederösterreich geborene und in Oberösterreich aufgewachsene Autorin und Germanistin hat mit "Quecksilbertage" einen Roman vorgelegt, der allein aufgrund seiner herausragenden sprachlichen Qualität beeindruckt. Aber auch das Thema des Buchs hat einige Brisanz.

Valerie hat in Wien Jus und Japanologie studiert. Dass Japanologen auf dem Arbeitsmarkt keinen ganz leichten Stand haben, muss bekannt sein. Aber selbst die Rechtswissenschaften sind kein Garant mehr für fair bezahlte Arbeit. Valerie muss zur Kenntnis nehmen, dass sie zur "Generation Praktikum" gehört. Als ihr Georg, bei dem sie ein Praktikum absolviert hat, als Anschlussjob ein ebenfalls unbezahltes Volontariat anbietet, rastet sie kurz aus. Georg liegt schimpfend auf dem Boden – und man gönnt es ihm von Herzen. Die Protagonistin hält sich dann durch einen Halbtagsjob im "Institut für nachhaltige Kommunikation mit der Zivilgesellschaft" finanziell über Wasser. Dieser Welt der mehr oder weniger verlogenen Strategien und geglätteten Oberflächen steht sie aber mit großer innerer Distanz gegenüber. Eine Notlösung!

Auch Valeries Beziehung zu Roland hat die besseren Tage hinter sich. So richtig gut waren sie allerdings nie, denn Roland ist bestenfalls jedes zweite Wochenende in Wien. Ansonsten muss er in Salzburg für sein Fortkommen sorgen. Stabile Beziehungen sind für die Generation Praktikum möglicherweise existenzgefährdend. O schöne neue Arbeitswelt! Wie ein Leitmotiv zieht sich die Formel "Solche Möglichkeiten hättest du!" durch den Roman. Dass die Protagonistin darauf einigermaßen allergisch reagiert, ist nachvollziehbar.

Valerie nimmt ihre Wiener Umgebung vor dem Hintergrund ihrer belastenden Stimmungen wahr. Schönes schildert sie nicht allzu oft in den Kapiteln, die sie "Stadtlieder" nennt. Was ihr auffällt, sind Obdachlose, Straßenmusikanten, das gelbstichige, fette Haar der Kundin, die vor ihr an der Supermarktkasse steht, eine Demo gegen das Bettelverbot. Enttäuschung verdüstert die Wahrnehmung.

Parallel zu Valeries Leben skizziert Eva Schörkhuber das Leben der etwa gleichaltrigen Kathrin aus der Ex-DDR. Die beiden sind einander das erste Mal in den achtziger Jahren im ehemaligen Jugoslawien begegnet. Valerie war mit ihren Eltern auf Urlaub, Kathrin mit ihrer FDJ-Gruppe. Anfangs haben sie einander Briefe geschrieben. Der Kontakt ist aber abgerissen – ausgerechnet mit dem Jahr 1989. Diesen Handlungsstrang nimmt Schörkhuber nicht wieder auf – was schade ist, denn so bleibt das Motiv der unterschiedlichen Frauenbiografien in der Luft hängen, ähnlich übrigens wie das Thema Rechtsradikalismus. Das ist eine Schwachstelle dieses vielversprechenden Romans.

 

Die tollen Möglichkeiten der Generation Praktikum

Eva Schörkhuber: "Quecksilbertage", Roman, Edition Atelier, 194 Seiten, 17,95 Euro

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Artikel Christian Schacherreiter 21. Februar 2015 - 00:04 Uhr
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