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Reisen

Griechenland einmal anders

Von Dietlind Hebestreit  10. Oktober 2020 13:54 Uhr

Griechenland einmal anders
An der Promenade von Thessaloniki ist dieses Kunstwerk ein beliebtes Fotomotiv.

Thessaloniki punktet mit ungewöhnlicher Kulinarik und authentischen Einkaufserlebnissen.

Sonne und Strand – dass Griechenland mehr kann, beweist ein Besuch in der zweitgrößten Stadt der Mittelmeerdestination. Im eigenen Land gilt das Zentrum der Ein-Millionen-Einwohner-Metropole als beste Adresse zum Einkaufen. Neben den üblichen Verdächtigen wie Gucci und Rolex, H&M und Zara drängen sich in den Straßen und Gassen kleinere und größere Geschäfte, die sich von den bei uns vertrauten Ketten abheben. Individualität ist hier noch Trumpf. Kleider, Schuhe, Schmuck, Wohnaccessoires – wer Zeit und Geld hat, kann hier aus dem Vollen schöpfen.

Und das tun die Einheimischen auch. Die Athenerin Giota Spiliotopoulou blickt mit etwas Neid auf ihre Landsleute in Saloniki, wie die Stadt direkt am Meer auch gerne genannt wird: "Die Menschen sind hier entspannt und etwas verrückt. Schon in der Früh gehen die Frauen gestylt auf die Straße. Sie sind dafür bekannt, dass sie besonders schön und blond und den ganzen Tag auf Shopping-Tour sind." In das geschäftige Treiben fließen auch rund hunderttausend Studenten ein. Sie mischen besonders abends das Leben in den Lokalen und Clubs auf.

Griechenland einmal anders
Die Promenade von Thessaloniki

Kunst an der Küste

Doch bevor die Sonne untergeht, lockt noch die fünf Kilometer lange und besonders breite Promenade, die sich direkt an die Wasserkante schmiegt. Dort wird spaziert und flaniert, geradelt oder geskatet – oder man dreht mit dem E-Scooter seine Runden. Die Griechen lieben es, im Freien zu leben, und Touristen machen es ihnen gerne nach. An der Promenade reitet Alexander der Große hoch zu Ross in den Sonnenuntergang, aus dem Wasser ragt ein beleuchteter Mond und die transparenten Regenschirme des Künstlers Giorgos Zongolopoulos tanzen auf einem Holzpodest in den späten Sonnenstrahlen. Die Schirme gelten als eine Art Wahrzeichen und sind ein beliebtes Fotomotiv für Einheimische und Besucher – so wie auch der Weiße Turm an der Promenade. Wer das zum Museum umgebaute Monument erklimmt, kann im Vorübergehen die Vergangenheit der Stadt auf sich wirken lassen.

Apropos Geschichte: Zeichen glorreicher Zeiten finden sich in Thessaloniki an allen Ecken und Enden. Benannt ist die Stadt nach der Halbschwester Alexander des Großen. Die riesige Rotonda etwa ist römischen Ursprungs, war in der byzantinischen Zeit eine christliche Kirche und später eine Moschee. Neben ihr erhebt sich das einzig verbliebene Minarett aus der türkischen Zeit der Stadt, an die Einheimische sich aber ohnehin nicht so gerne erinnern. Daran ändert auch nichts, dass einer der berühmtesten Söhne der Stadt Kemal Atatürk ist – der Begründer der Republik Türkei und von 1923 bis 1938 deren erster Präsident.

Wer es traditionell mag, erklimmt auch gerne die Oberstadt. Dort prangt ein imposantes Kastell. Von hier aus ist der Blick auf die Stadt atemberaubend. Makedonische Herrenhäuser und kleine Einfamilienhäuser erheben sich in dieser Gegend nur zwei bis drei Stockwerke hoch und bilden eine malerische Kulisse für einen Stadtspaziergang. Anders als im Zentrum, wo ein großer Brand Platz für großzügige Architektur schaffte. Auch ein paar Bausünden gibt es im Zentrum: Kleinere Bauten mussten Wohnblocks weichen, die jedoch wegen der Lage am Wasser zu horrenden Preisen verkauft oder vermietet werden können.

Während Saloniki an der Oberfläche Modernes und Altes vereint, schlummern in der Tiefe zahlreiche archäologische Schätze. Was wie ein Segen klingt, ist auch ein Fluch. Denn wegen immer neuer Funde verzögert sich die Fertigstellung der seit 30 Jahren geplanten U-Bahn immer wieder. Ein tatsächlicher Eröffnungstermin steht immer noch nicht fest. Eine U-Bahn wäre ein Segen in dieser verkehrsgeplagten Stadt.

Meerfenchel-Salat mit Fischfilets

Wer Hunger hat, findet in Thessaloniki das vielfältigste kulinarische Angebot in ganz Griechenland, wie die Athener nur ungern eingestehen. Den besten Blick hat man auf der Dachterrasse des Elektra-Palace-Hotels: Zu seinen Füßen liegt der weitläufige Aristoteles-Platz direkt am Meer, an klaren Tagen erhebt sich über dem glitzernden Wasser am Horizont der Olymp. Dass die griechische Küche weit mehr zu bieten hat als Tsatsiki, Souflaki und Schafkäse, erfährt der Gast auch im Restaurant Nama. An einem malerischen Platz tischt die Kellnerin Salat aus Meerfenchel, der nur auf Klippen an der See geerntet werden kann, mit Fischfilets und Brotstückchen auf. Ein salziger Cheesecake thront auf dunklen Brotkrümeln und harmoniert mit frischer Tomatenmarmelade und Kapern. Und von Pesto froschgrün gefärbter Tintenfisch ringelt sich neben Fisolen. So speziell und doch köstlich kann Griechenland schmecken. Wer feine Küche liebt, lässt sich zum Beispiel im Thria Restaurant mit gegrilltem Thunfisch oder einem Melanzani-Törtchen mit Joghurt, Nüssen und getrockneten Beeren verwöhnen.

Zum Frühstück am nächsten Tag darf es dann wieder traditionell sein: Im Boutique-Hotel Excelsior kommen griechischer Joghurt mit Honig und sesambestreute Brotkringel, auch Koulouri genannt, auf den Tisch; ebenso wie das Blätterteiggebäck Bougatsa. In ganz Griechenland bekommt man letzteres mit Vanillecreme gefüllt, nur in Thessaloniki gibt es auch eine salzige Variante, zum Beispiel mit Käse oder Spinat. Und wer noch ein typisches Gebäck aus der griechischen "Hauptstadt des Nordens" probieren möchte, der greift zu dem Briochewecken Tsoureki, dem Maronicreme und Mastix seinen ganz besonderen Geschmack verleihen. Was noch unbedingt zum kulinarischen Pflichtprogramm gehört: sich bei einem Spaziergang über den Markt durch die heimischen Spezialitäten wie Oliven, Öl, Käse und Früchte durchzukosten. Auch ein Glas Wein gehört hier zum Alltag.

Thessaloniki eignet sich bestens als Ausgangspunkt für Ausflüge. Hier ein paar Vorschläge:

1 Baden: Im nahe gelegenen Chalkidiki locken weiße Sandbuchten und kristallklares Wasser. Thessaloniki selbst verfügt zwar über eine lange Promenade, hat aber keinen eigenen Badestrand.

2 Wein: In der Domaine Gerovassiliou lassen sich edle Tropfen auf einer herrlichen Terrasse inmitten von Weinbergen verkosten. Eine Führung durch das kleine, feine Museum im Untergeschoß beleuchtet die Geschichte der Weinproduktion in dieser Region.

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Domaine Gerovassiliou: Weinverkostung

3 Kräuter: Ein Besuch bei der studierten Landwirtin Artemis Akritidou in Peristera eröffnet die Welt der Heil- und Gewürzkräuter, welche in diesen Breiten besonders gut gedeihen: von griechischem Bergtee über Lavendel und Kamille bis hin zu Rosmarin und Oregano. Zu haben sind ihre Bio-Produkte unter dem Label "Votanakia" auf dem Markt in Thessaloniki.

4 Kultur: Ein Geheimtipp, der einen mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund zurück lässt, ist das Museum in Vergina, zirka 1,5 Autostunden von Thessaloniki entfernt. Dort wurden die unversehrten Gräber des Vaters und des Sohnes von Alexander dem Großen in den 1970er-Jahren entdeckt. Die Ausbeute: mehrere Kilo schwere Goldtruhen, feinst ziselierter Kopfschmuck aus purem Gold, Gebrauchsgegenstände, Waffen und Rüstungen und vieles mehr. Das Museumsdach erstreckt sich über die Ausgrabungsstätte. In Vitrinen sind die Kostbarkeiten im Dunkeln edel in Szene gesetzt.

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Das Museum in Vergina birgt Schätze – wie Goldkranz und Urne des Sohnes von Alexander dem Großen.

5 Wandern und Klettern: Zu Zeus auf den Olymp zu steigen, war in der Antike verboten, ist jetzt jedoch eine beliebte Freizeitaktivität. Wer eine Tour in dem dicht bewaldeten Nationalpark plant, sollte sich im dortigen Besucherzentrum über eine geeignete, den jeweiligen Fähigkeiten angepasste Route informieren.

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Im Olympus Nationalpark verschmelzen Naturerlebnis und Mythologie.

 

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Dietlind Hebestreit

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