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Tagespost

Ein städtisches Spital für alle

Von Herbert Schorn   01. Juli 2015

Ein städtisches Spital für alle

Allgemeines Krankenhaus: Was mit einem Arzt, einem Verwalter und zwei "Wärterinnen" begann, ist 150 Jahre später eine Gesundheitseinrichtung mit rund 2700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

  • Allgemeines Krankenhaus: Was mit einem Arzt, einem Verwalter und zwei "Wärterinnen" begann, ist 150 Jahre später eine Gesundheitseinrichtung mit rund 2700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Ein städtisches Spital für alle

Mit der Eröffnung des Allgemeinen Krankenhauses (AKh) im Jahr 1865 wird in Linz ein neues Kapitel in der Versorgung Kranker aufgeschlagen. Den rund 30.000 Einwohnern der Landeshauptstadt standen Mitte des 19. Jahrhunderts in den Linzer Krankenanstalten nur 200 Krankenbetten zur Verfügung. Die Gesundheitsversorgung neu zu denken, wird zur drängenden politischen und sozialen Frage, die der erste konstitutionell gewählte Bürgermeister von Linz, Reinhold Körner, vehement verfolgt.

Mit der Ansiedlung von Fabriken in und um Linz kommt es zu einem Zuzug von Arbeitskräften, die das Gesundheitssystem weiter überdehnen. So wird nach langem Tauziehen im Gemeinderat am 15. September 1863 der Grundstein für das AKh gelegt. Der Weg wird frei für ein städtisches Spital, das allen Menschen, gleich welcher Religion, Art der Erkrankung und sozialen Status offenstehen soll. Diesen Gründungsauftrag interpretiert das AKh Linz seither stets neu. So ist es heute das einzige öffentliche Spital in Oberösterreich, in dem HIV-Patienten versorgt werden.

Starchirurg aus Wien

Rasch etabliert sich das AKh als Ort der medizinischen Spitzenversorgung. Mit dem jungen Billroth-Schüler Alexander Brenner kommt 1888 ein begabter Operateur nach Linz. Sein Können strahlte weit hinaus. Unter ihm wird das AKh zu einer Ausbildungsstätte für junge Mediziner. Seine Anziehungskraft machte einen Ausbau notwendig. Das Operationshaus des 1904 eröffneten Erweiterungsbaus ist endlich jene Wirkungsstätte, die dem Können Alexander Brenners angemessen ist.

Ein städtisches Spital für alle
OP-Saal um die Jahrhundertwende

Im Ersten Weltkrieg müssen viele Verwundete im AKh versorgt und trotz Ressourcenknappheit der alltägliche Betrieb aufrechterhalten werden. Schon wenige Jahre später setzt sich aber die Spezialisierung fort. Parallel zum medizinischen Fortschritt etablieren sich die dazugehörigen Fachabteilungen. Diese Entwicklung findet im Zweiten Weltkrieg ein abruptes Ende, in dem das AKh Linz aber rasch zum Schauplatz der Schrecken der NS-Diktatur wurde (siehe Interview).

Im Wiederaufbau galt es, die Bombenschäden am AKh zu beheben und den regulären Betrieb wieder aufzunehmen. Erst in den 1960er-Jahren war die Zeit reif, Strategien zu entwickeln, wie technische und medizinische Innovationssprünge in entsprechender Architektur umgesetzt werden können.

Im Jahr 1982 fällt schließlich der Startschuss für den Um- und Neubau des AKh Linz in vier Etappen, der eine grundlegende Modernisierung einleitet. Vor 150 Jahren noch an der Peripherie gelegen ist das AKh heute bauliches Zentrum eines Spitalsviertels mitten in Linz.

 

Linzer Uni-Klinik: Führungsduo wird heute vorgestellt
Heinz Brock

Interview

Nachgefragt bei Heinz Brock

 

  1. OÖN: Zum 150-jährigen Jubiläum haben Sie die Geschichte des AKh Linz aufarbeiten lassen. Welche Erkenntnisse sind besonders wertvoll?

    Brock: Erstmals ist die Rolle des AKh im Nationalsozialismus aufgearbeitet worden. Das „Haus der Barmherzigkeit“, ein katholisches Pflegeheim, wurde von den Nazis enteignet und im Jahr 1940 dem AKh eingegliedert. Viele der Pflegepatienten zählen zu den Opfern der Euthanasie in Hartheim. Auch Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibungen wurden in unserem Haus durchgeführt. Das dokumentiert zu haben, ist enorm wichtig.
     
  2. Nach 1945 kann das AKh schnell wieder an medizinische Spitzenleistungen anschließen. Was war bahnbrechend?

    Als ein Beispiel von vielen möchte ich die Gründung der Anästhesie-Abteilung im Jahr 1954 nennen. Diese war die erste in Österreich und sicher wegweisend.
     
  3. Heuer wurde das Kepler Universitätsklinikum gegründet. Das ist ja ein Gedanke, der schon weit zurückreicht.

    Ja. 1887 suchte der Primar der damaligen „Irrenanstalt Niedernhart“, Franz Schnopfhagen, Mitstreiter für die Idee einer Medizinischen Hochschule in Linz. Er fand sie im Direktor des AKh, Alexander Brenner, und im Linzer Anwalt Carl Beurle. Nun, fast 130 Jahre später, wird das AKh mit der Landes- Frauen- und Kinderklinik und der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg Teil der Kepler Universitätsklinik.
     
Ein städtisches Spital für alle
Der Erweiterungsbau aus 1904, errichtet im damals üblichen Pavillonsystem

AKh vor Fusion

AKh vor Fusion: Personal-Sorgen „unbegründet“

Gestern feierte das Linzer AKh sein 150-Jahr-Jubiläum – doch in einem halben Jahr hört das Krankenhaus in dieser Form zu existieren auf. Ab 1. Jänner fusionieren das städtische AKh sowie die Frauen- und Kinderklinik und das Wagner-Jauregg-Krankenhaus (beide von der landeseigenen Gespag) zum Kepler-Universitätsklinikum. Dieses ist Teil der neuen Med-Fakultät.

Daher hält sich bei vielen der 2700 Mitarbeiter die Feierlaune in Grenzen. Unsicherheiten seien unbegründet, sagt Bürgermeister Klaus Luger (SP): „Niemand braucht Angst haben, materiell unter Druck zu geraten oder sich anders orientieren zu müssen.“

Weniger Kosten für die Stadt

Doch sein Einfluss sinkt, weil die Stadt nur zu 25 Prozent beteiligt ist. Einen Machtverlust sieht er nicht: „Wichtige Entscheidungen können nur per einstimmigem Beschluss in der Generalversammlung erfolgen.“ Positiver Effekt: Laut SP-Vizebürgermeister Christian Forsterleitner sinken die Defizitkosten für die Stadt Linz von derzeit jährlich 15 Millionen Euro ab 2017 auf 7,5 Millionen. 

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