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Die "Theodor Körner" ist 50

Von Eike-Clemens Kullmann   01. August 2015

Die "Theodor Körner" ist 50
Die „Theodor Körner“ als DDSG-Flaggschiff der DDSG 1965 bergfahrend in Ybbs.

Heute vor einem halben Jahrhundert wurde das langjährige Flaggschiff der DDSG in Dienst gestellt. Als einziges Kabinenschiff fährt es derzeit noch unter rot-weiß-roter Flagge.

  • Heute vor einem halben Jahrhundert wurde das langjährige Flaggschiff der DDSG in Dienst gestellt. Als einziges Kabinenschiff fährt es derzeit noch unter rot-weiß-roter Flagge.

Die "Theodor Körner"

Von Bundespräsident zu Bundespräsident: Für Franz Jonas war es die erste Schiffstaufe: 1965 übergab er der staatlichen weißen Flotte, der DDSG, das neue Flaggschiff, das auf den Namen eines seiner Vorgänger hört. Heute vor 50 Jahren wurde die "Theodor Körner" in Dienst gestellt.

Jahrzehntelang ging es dann im Linienverkehr von Wien nach Passau und wieder retour. Bis zu 1400 Passagiere fanden damals Platz. Neben den regelmäßigen Touren auf dem österreichischen Abschnitt des größten Stroms Mitteleuropas, absolvierte "die Körner" auch Fahrten bis ins Schwarze Meer.

Optisch wenig verändert

Erstere stehen auch heute noch auf dem Programm. Jeden Samstag heißt es "Schiff ahoi" in Passau, wenn "Rad & Reisen" in erster Linie mit Radfahren stromabwärts nach Wien aufbricht. Die Zahl der Gäste ist allerdings kleiner geworden, als dies vor Jahrzehnten der Fall war. 125 Kabinenpätze werden auf dem 85,53 Meter langen und 15,98 Meter breiten Kreuzfahrer angeboten. Es zählt damit natürlich nicht zu den größten und modernsten Schiffen auf der Donau. Allerdings ist es mittlerweile das einzige von derzeit 212 Kabinenschiffen, das noch unter rot-weiß-roter Flagge unterwegs ist.

Die "Theodor Körner" ist 50
Nostalgische Fahrkarten

Optisch hat sich "die Körner" wenig verändert – jedenfalls außen. Innen wurde das Ex-Flaggschiff (1965 bis 1988) erst im Winter 2013/14 auf den neuesten Stand gebracht. Soll heißen: mehr Suiten und neues Mobiliar. "Es wurde aber darauf geachtet, dass die Theodor Körner ihr Gesicht behält, also nicht einfach mit modernem Stil versehen wurde", sagt Margarethe Möth, Managing Director von Rad & Reisen den OÖNachrichten.

Ihre Firma hat das Schiff schon seit Jahren gechartert. Der runde Geburtstag soll übrigens bei einer Feier im September gewürdigt werden.

Die Würde hat die Theodor Körner damit längst wieder zurückerhalten. Hinter ihr liegen nämlich auch einige schlimme Jahre. Nach dem Ende der DDSG war sie 1995 im ehemaligen Werfthafen Korneuburg abgestellt worden und rottete dort vor sich hin, bis sie 1998 in der damals neu gegründeten Werft SUEK in Korneuburg generalsaniert und mit einem zusätzlichen Kabinenblock im Achterschiff versehen wurde. Vergessen sind längst auch einige Havarien, wovon die heftigste 1981 im dichten Nebel auf der damals jugoslawischen Donau passierte. Damals krachte sie mit dem Frachter "Laxenburg" zusammen und wurde am Bug schwer beschädigt.

Die "Theodor Körner" ist 50
Die „Körner“ 2015

Nachgefragt bei ... Otto Steindl

Interview mit Otto Steindl

Der Kapitän und ehemalige Leiter der Linzer Schifffahrtspolizei gilt als der Donau- und Schifffahrtsexperte.

  1. Die Frachtschifffahrt auf der Donau stagniert, die Kabinenschifffahrt boomt dagegen. Wie geht es weiter?

    Die Frachtschifffahrt wird eher weniger als mehr werden. Das liegt einfach daran, dass die Fracht ins Landesinnere geht und die Firmen vom Hafen weg entweder auf die Bahn oder Lkw umladen müssen – da verzichten sie lieber gleich auf den Schifftransport.
  2. Und die Kabinenschifffahrt: In dieser Saison sind bereits 212 Kreuzfahrer auf der Donau unterwegs. Wann ist hier der Plafond erreicht?

    Wenn man sich die vergangenen Wochen ansieht, ist er längst erreicht. Entlang der Donau stehen derzeit gleich mehrere Schiffe wegen Passagiermangel. Fachleute machen sich deshalb große Sorgen, dass die angebotenen Kapazitäten überdimensioniert sind.
  3. Die großen Reedereien wollen dennoch im kommenden Jahr weitere Neubauten auf die Donau bringen. Unter anderem wird es in Linz zu einer Schiffstaufe der Reederei Avalon kommen.

    Das stimmt. Viking als weltgrößter Schiffsreisen-Anbieter hat bereits angekündigt, 2016 weitere acht Neubauten auf die Donau zu bringen. Dort wird offensichtlich darauf gesetzt, dass der englischsprachige Raum, vor allem der der USA noch nicht gesättigt ist. Von anderen werden offensichtlich auch eine weitere Öffnung Chinas und viele Touristen von dort eingeplant.

 

Was aus den Prunkstücken der DDSG-Flotte wurde

Die DDSG-Flotte

Manche, wie die „Schönbrunn“, fahren noch, andere, wie die „Johann Strauss“, wurden stillgelegt oder wie die „Delphin“ verschrottet

Sie waren der Stolz der „weißen Flotte“: Mehr als ein Dutzend Passagierschiffe zählte die DDSG noch, als 1990 das Ende für die verstaatlichte Schifffahrt kam. Mehrere dieser Prunkstücke sind aber noch heute im Dienst von privaten Reedereien.

Schönbrunn
Die "Schönbrunn" in Linz

Wer an die Donau nach Linz kommt, der kann den ältesten noch fahrtüchtigen Schaufelraddampfer der Donau sehen. Die „Schönbrunn“ wurde vom privaten Verein „Österreichische Gesellschaft für Eisenbahngeschichte“ (ÖGEG) vor der Verschrottung gerettet, in mühevoller Kleinarbeit von Schifffahrtsbegeisterten ehrenamtlich in Schuss gebracht. 1912 gebaut, ist sie so heute noch bei Ausflugsfahrten im Einsatz. In Oberösterreich war sie übrigens 1994 als „Schau-Objekt“ bei der Landesausstellung „Donau“ in Engelhartszell im Einsatz, nachdem sie zuvor ein Kurzgastspiel als Casino-Schiff in Budapest absolvieren musste.

Schwesternschiffe

Gut in Erinnerung sind Donaufreunden auch noch die Schwesternschiffe „Stadt Wien“ (Baujahr 1939) und „Stadt Passau“ (Baujahr 1940). Während erstere nach einem Kurzaufenthalt als Casino-Schiff in Linz noch heute in der Wachau unterwegs ist, liegt die „Passau“ in desolatem Zustand in Budapest vor Anker.

Zwar noch zu sehen, aber ebenfalls nicht mehr im Fahrbetrieb: das Flaggschiff vor der „Theodor Körner“, die „Johann Strauss“ (Baujahr 1950). Lange als Restaurantschiff in Wien vor Anker, ist sie mittlerweile außer Betrieb.

Noch schlechter erging es dem ersten Tragflügelboot der DDSG, der „Delphin“ (Baujahr 1968) – es wurde längst verschrottet.

Auch die sogenannten Donaubusse (alle Baujahr 1957) prägten lange die Linienschifffahrt. Die „Juliane“ ist die Einzige, die noch in Linz im Einsatz ist – als Werkstättenschiff. Die „Maria“ ist bei der Ardagger-Schifffahrt untergekommen und bei Rundfahrten im Ennshafen unterwegs, die „Krimhild“ wurde verlängert und schmückt nun als „Montafon“ den Bodensee.

Die „Blue Danube“ Schifffahrt übernahm gleich mehrere ehemalige DDSG-Passagierschiffe: die „Wachau“ (Baujahr 1975), die „Vindobona“ (Baujahr1979) sowie die Schwesternschiffe „Admiral Tegetthoff“ und „Prinz Eugen“ (beide Baujahr 1987). Diese Flotte ist in Wien und in der Wachau unterwegs. Außer Betrieb ist die „Vienna“ (Baujahr 1988).

„Königin der Wachau“

Auf die niederösterreichische Donau beschränkt – und daher ebenfalls nicht mehr bei uns zu sehen – ist die „Austria“ (Baujahr 1970). Sie lockt als „Königin der Wachau“ auf diesem schönen Donauabschnitt und gehört seit 1995 der Brandner-Schifffahrt in Wallsee.

 

August 1965

Im August 1965 wurde nicht nur das Kabinenschiff "Theodor Körner" in Dienst gestellt, was noch in diesem Monat geschah, haben wir hier für Sie recherchiert.

  • 2. August: Nur 15 Meter von einem Einfamilienhaus entfernt, schlug ein einmotoriges, propellergetriebenes Schulflugzeug der Luftstreitkräfte in einem Obstgarten in Katzendorf, (Bezirk Feldbach) auf und zerschellte. Leutnant Gerhard Keltscha und Majorarzt Karl Manowarda wurden schwer verletzt aus der zertrümmerten Saab 91 D Safir geborgen.
  • 6. August: Zu seinem 70. Geburtstag vermachte der kinderlose Industrielle Erich Pfeifer in Wetzlar (Deutschland) seinen 300 Angestellten seine Fabrik. Geschätzter Wert: Zehn Millionen D-Mark.
  • 16. August: In einem Wirtshausgarten in Engelhartszell (Bezirk Schärding) ging der Posträuber Erich Meindl der Gendarmerie ins Netz. Ein Linzer Postbeamter, zufällig im Donaumarkt auf Besuch, hatte den Sierninger erkannt und die Exekutive alarmiert. Meindls Komplize, Hermann Spindelbeck aus Steyr, konnte wenige Tage später in Mondsee verhaftet werden.
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