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Kultur

Vom ersten Kuss im Rollstuhl und zwei wahrhaftigen Helden

Von Karin Schütze  25. September 2021 00:04 Uhr

Vom ersten Kuss im Rollstuhl und zwei wahrhaftigen Helden
Friedrich Eidenberger, Alexander Köfner (vorne)

Junges Theater Linz: "Mongos" (ab 13 J.) erzählt auf der Studiobühne von Freundschaft und davon, sich und das Leben anzunehmen.

Im Vorzimmer des Chefarztes haben sie einander kennengelernt. Beim Warten auf das, was sie nicht hören wollen, aber müssen: dass er, Ikarus, querschnittgelähmt bleibt, irreversibel. Und er, Francis, an einer aggressiven Form von Multipler Sklerose leidet, mit unvorhersehbaren Schüben.

Eine Rehaklinik ist Schauplatz im Stück "Mongos" von Sergej Gössner für alle ab 13 Jahre, das in der stimmigen Regie von Tanja Regele auf der Studiobühne der Kammerspiele zu 90 packenden Theaterminuten lädt. Sie sind grundverschieden: der draufgängerische Ikarus, der Gefühle gern unter den Teppich kehrt. Und der introvertierte, melancholische Francis, in dem eine Poetenseele schlummert. Aber sie sitzen im selben Boot, rudern gegen ihre Krankheit an und gegen die sich überschlagenden Wogen des Erwachsenwerdens, dessen zentrale Themen wie Sexualität sehr offen zur Sprache kommen.

Themen, die schwer schwiegen, aber den Zuseher dennoch nicht erdrücken. Tanja Regele gelingt es, ihre Zuseher mitfühlen, aber nicht betroffen mitleiden zu lassen, indem sie auch Leichtigkeit und Humor ins Spiel bringt. Letzteres meistern zwei großartige Darsteller, die sich mit Leib und Seele in ihre Rollen schmeißen: Alexander Köfner kompensiert als "Ikarus" im Rollstuhl fehlenden Bewegungsradios mit aufbrausendem Temperament. Sein Heldengestus glänzt wie eine Ritterrüstung, die allerdings schnell fällt, sobald sie erscheint: "Jasmin". Friedrich Eidenberger meistert als geduldiger Francis nicht nur die Herausforderung seiner Krücken, sondern auch den Rollenwechsel, wenn er als "Jasmin" verlegen auf seiner Kette kaut. Oder als "Psycho" mit stoischer Miene den gesetzten Psychologen gibt, den beide notgedrungen konsultieren, um sich den eigenen Gefühlen und den großen Fragen zu stellen: Was macht den Menschen aus?

Ausstatterin Angelika Daphne Katzinger teilt die Bühne durch Schiebetüren in drei Spielebenen. Eine heimatfilmreife Alpenkulisse zeugt vom Traum der heilen Welt am Ort bitterer Wahrheit. Farbig komplementäre Kostüme unterstreichen die Freundschaftsbande.

Kräftiger Beifall für ein sehenswertes Theatererlebnis.

Fazit: Packendes Theater, das in seiner Wahrhaftigkeit besticht. Noch am 1. und 20. 10., 11 Uhr; 2. 10., 17 Uhr, landestheater-linz.at

Artikel von

Karin Schütze

Redakteurin Kultur

Karin Schütze
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