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OÖN-Filmkritik

"Persischstunden": Nazi-Dummheit, für die es doch Worte geben kann

26. September 2020 00:04 Uhr

Nazi-Dummheit, für die es doch Worte geben kann
Lehrer links, Schüler rechts

Starkes Kammerspiel im Kino.

"Löffel" heißt "bala", Schweinsbraten "tsvajn", Fleisch "gunk". Es sind drei von 2500 Worten, die ein KZ-Häftling einem SS-Hauptsturmführer im Film "Persischstunden" beibringt. Doch Gilles (Nahuel Pérez Biscayart) kann dem Nazi Klaus Koch, gespielt von Lars Eidinger, in Wahrheit gar nicht bei seinem Plan helfen, nach dem Krieg in Teheran ein deutsches Lokal zu eröffnen. Gilles ist weder Perser, noch kann er deren Landessprache Farsi – weil er ein perfekt Französisch und sehr gut Deutsch sprechender Jude ist.

Ein Belgier, der bloß das KZ Buchenwald überleben will. Er nutzt die Gunst der Stunde, nachdem einer von Kochs Schergen meinte, in Gilles endlich den Perser gefunden zu haben, den "der Chef" schon so lange wollte. Der Speichellecker bekommt zwei Fleischkonserven, Gilles die Chance, weiterzuleben.

Von 1942 bis 1944 bringt er Koch falsche Vokabel bei. "Gunk" oder "tsvajn" erfunden hat einer der größten deutschen Drehbuchautoren, Wolfgang Kohlhaase (89). Er schrieb die Kurzgeschichte zum Film, nach wahren Ereignissen.

In der Regie des Ukrainers Vadim Perelman wird daraus ein Kammerspiel starker Schauspieler. Die Stimmarbeit ist meisterlich, vor allem Biscayarts, Argentinier (34) und Star in Frankreich. Dazu kommt eine KZ-Darstellung, die gekonnt das NS-System bloßstellt – in all seiner lächerlichen Bürokratie und unbegreifbaren Entmenschlichung. Nur dichter verweben hätte man beides können. (nb)

"Persischstunden": 2020, 127 Min., aktuell im Kino

OÖN Bewertung:

 

Der Trailer zum Film:

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