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Kultur

Aus der Drogenhölle New Yorks in die Elite der Schauspieler Hollywoods

Von Nora Bruckmüller  21. April 2020 00:04 Uhr

Er verführte Keanu Reeves als Teufel. Er war ein Jungspund, der Kopf eines Mafiaclans wurde, 2019 in Martin Scorseses "The Irishman" ein mächtiger Gewerkschaftsboss. Harte Männer zu spielen, die sich ohne Skrupel alles nehmen, ist die Paradedisziplin von Al Pacino. Am 25. April wird er 80 Jahre alt.

Was für ein Ausnahmedarsteller er ist, zeigt sich nicht nur, weil ihm sein Spiel schon heute Unvergesslichkeit zusichert. Sondern auch daran, dass der New Yorker privat ein ganz anderer ist. Das Einzige, woraus er für seine Charaktere wohl aus dem eigenen Leben schöpft, ist die Kunst, zäh zu sein. "Ein Schauspieler wird zum emotionalen Athleten, der Prozess ist schmerzhaft", sagt der Oscar-Gewinner, dessen Großeltern aus Sizilien in die USA emigrierten.

Fakt ist, dass Alfredo James Pacino ein schüchterner und sensibler Bub war. Sein Vater Salvatore war 20, als er die Familie verließ. Der zweijährige Alfredo zog mit seiner Mutter Rose zu deren Eltern in den südlichen Teil der Bronx.

Es war 1942. Und in diesem Stadtteil New Yorks waren die Straßen Schauplatz sozialer Kriege und ab 1948 Umschlagplatz für Drogen. Mit neun Jahren rauchte "Fredo". Der Polizist, der auf ihn und seine Freunde schaute, kaufte ihnen hin und wieder Alkohol.

"Der kleine Brando"

Der von allen "Sonny" Genannte glänzte nicht im Unterricht. Eine exzellente Figur machte er dann, wenn er im Auditorium der Schule aus der Bibel vortrug. Oder Figuren nachspielte, die er in Filmen gesehen hatte, die er Dank des Kinojobs seiner Mutter "erhaschen" konnte. Eine Lehrerin schrieb dieser, sie solle ihn ermutigen, mehr aus seinem Talent zu machen. "Man nannte mich den kleinen Brando", erinnerte sich Pacino. Doch es sollte noch lange dauern, bis er die "Pate"-Trilogie mit "seinem Gott" drehen durfte.

Als Teenager schmiss man den Bruder von vier Schwestern von der Hochschule für darstellende Kunst in Manhattan. 1966 wurde er Schüler des berühmten Schauspiellehrers Lee Strasberg. Er eroberte den Broadway, samt Prämierung mit dem amerikanischen Bühnen-Oscar "Tony".

Die 1970er markierten Pacinos Aufstieg in Hollywood. Er gelang nur, weil ein Regisseur an ihn glaubte und "den Schmächtigen" mit nur 1,68 Metern Größe gegen den Willen des Studios besetzte: Francis Ford Coppola kämpfte dafür, dass Pacino "sein" Michael Corleone in "Der Pate" wurde. "Wir zwei lebten während des Drehs in der ständigen Angst, gefeuert zu werden." Ironischerweise bedeutete der dreifach Oscar-prämierte Film für beide den Durchbruch.

Obwohl die "Traumfabrik" Pacino psychisch ans Limit brachte, legte er mit "Serpico" Oscar-Nominierung Nr. zwei nach. Die Gala war die Hölle, er schluckte "Valium wie Zuckerl". "Ich betete, nicht zu gewinnen. Ich hätte es nie auf die Bühne geschafft."

Es dauerte noch 20 Jahre, bis er seinen ersten und einzigen Goldmann bekam. Eine Zeit, in der er als "Scarface" (1983) an seiner Legende arbeitete und auch Flops produzierte. Der Academy Award krönte seine wohl zärtlichste Leistung: die des tanzenden Blinden Frank in "Der Duft der Frauen" (1993). " Ich hatte wochenlang ein wunderbares Gefühl, wie es wohl nur ein Athlet kennt, der Olympia-Gold geholt hat." Danach wurden aus vier Packerl Zigaretten pro Tag zwei, heute raucht er gelegentlich. Und hat längst hinter sich gelassen, zu glauben, dass er Alkohol braucht, um "relaxt" zu sein. Geheiratet hat er nie. Den Zwillingen Anton und Olivia (19) und Tochter Julie (29) gehört all seine Zeit. Außer der Hunger zu spielen kehrt zurück. In seinem nächsten Film verkörpert er King Lear. So stillt er ein Verlangen, das den Shakespeare-Fan seit der Jugend antreibt.

Pacino im TV: "Der Pate III", Do., 20.15, ATV II; "Scarface", Sa., 23.30, ORF eins; "Al Pacino – Star wider Willen", Sa., 22.10, 3Sat

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Nora Bruckmüller

Redakteurin Kultur

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