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Mathilde Kralik von Meyerswalden

Ihr berühmtester Musiklehrer war kein Geringerer als Anton Bruckner, die Basis für ihre Tonschöpfungen legte die Komponistin Mathilde Kralik von Meyerswalden schon im Elternhaus.

Aus ihrem 1904 abgefassten Lebenslauf ist zu entnehmen: "Ich bin am 3. Dezember 1857 zu Linz an der Donau geboren. Mein Vater Wilhelm (gest. 1877) war Glasfabrikant (Chef der Firma Meyr's Neffen in Böhmen), meine Mutter Luise ist eine geborene Lobmeyr (Schwester des Herrenhausmitglieds und Glasindustriellen Lobmeyr zu Wien).

Meinem Vater und meiner Mutter verdanke ich den musikalischen Sinn und die Liebe zur Musik. Mein Vater war passionierter Geigenspieler, wiewohl Autodidakt und pflegte im Böhmerwald eifrig das Quartettspiel. Meine Mutter spielte als Dilettantin gut Klavier und neigte schon als Mädchen der klassischen Richtung zu.

Von meinen Eltern hörte ich zuerst Beethovens Violin-Klavier-Sonaten, Haydns und Mozarts Klänge wurden mir zunächst durch die häuslichen Quartette vermittelt. Später übernahmen meine beiden älteren Brüder und schließlich ich mit ihnen die Hausmusik, die in Duos, Trios und Quatuors unserer Klassiker bestand."

Wer heute um den Musikernachwuchs bangt, sehnt sich wohl in solch "paradiesische" Zeiten zurück, als die Hausmusik die Konkurrenz der Tonträger noch nicht zu scheuen brauchte. In diesem Zusammenhang sei festgestellt, dass man damals unter einem Dilettanten keinen Stümper verstand, sondern einen "Nichtfachmann", der großen Vorbildern nacheiferte und selbst komponierte. Ein solcher war auch Ludwig Ritter von Köchel, der Schöpfer des Mozart-Werkverzeichnisses. Vielleicht führt man seine Werke im Mozartjahr dann und wann auf.

Mathilde Kralik ist aus dem Konzertprogramm so gut wie verschwunden, obwohl sie um die Jahrhundertwende im Konzertleben Wiens, wohin die Familie 1870 übersiedelte, eine bedeutende Rolle spielte. Ihr Werk umfasste drei Opern, ein Oratorium, ein Festspiel, Kantaten, Chöre, zahlreiche Lieder und -zyklen, Balladen, Melodramen, geistliche Musik, eine Symphonie, eine Sonate, Klavierstücke und Kammermusik.

Mathilde schöpfte in ihren Kompositionen aus lyrischen Gedichten und Hymnen ihres berühmten Bruders Richard, Ritter von Meyerswalden (1852-1934), der es als Kulturphilosoph, Literaturhistoriker und Publizist zu hohem Ansehen brachte.

Texte des Bruders vertont

Hilde Kraliks Opern "Unter den Linden" sowie "Der Heilige Gral", denen ebenfalls Texte ihres Bruders zu Grunde liegen, blieben unaufgeführt, einzelne Szenen daraus erklangen aber in Konzerten. Die dreiaktige Märchenoper "Blume und Weißblume", ebenfalls im Zusammenwirken von Bruder und Schwester enstanden, kam jedoch mehrmals auf die Bühne.

Die finanziell unabhängige Komponistin, die in ihrer Wohnung in der Weimarer Straße (Wien-Döbling) bei Soirees mit virtuosem Klavierspiel begeisterte, war Ehrenpräsidentin der Damenchorvereinigung Wien, Mitglied der Wiener Bachgemeinde sowie im österreichischen Komponistenbund und im Verein der Schrifsteller und Künstler Wiens aktiv.
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Artikel 21. April 2006 - 00:00 Uhr
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