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Kommentar

Idealer Populist

Von Stefan Scholl   23. April 2019 00:04 Uhr

Wladimir Selenski war ein Clown, sein Publikum lachte Tränen über alle Kiewer Machthaber.

Selenskis Satiren waren oft derb, aber immer Volltreffer. Er lehrte sein Publikum, dass man auch gegen Korruption und Krieg anlachen kann.

Aber in dem Augenblick, in dem der populärste Humorist der Ukraine selbst in die Politik ging, wurde er zwangsläufig selbst Populist. Ein idealer Populist, jung, vergnügt, ein glücklich verheirateter, treuer Ehemann, der nette Kerl von nebenan zwischen lauter Schmiergeld-Nehmern.

Die Ukrainer, die ihn gewählt haben, stimmten vor allem gegen alle anderen. Lachen ist Protest. Dabei widersprechen sich die Ansichten seiner Anhänger heftig. Nach einer Umfrage wollen 56 Prozent in die NATO, 35 Prozent blockfrei bleiben, 47 Prozent verlangen einen freien Markt, 41 Prozent eine vom Staat kontrollierte Wirtschaft, 55 Prozent möchten nichts mehr mit Russland zu tun haben, 32 Prozent die Beziehungen zu Moskau verbessern.

Mit anderen Worten, in welche Richtung Präsident Selenski sich auch bewegt, jeder seiner Schritte wird seine Popularität schwächen, Anhänger in Gegner verwandeln. Als vielleicht einziger gemeinsamer Nenner seiner Klientel bleibt der enorme Missmut über die Korruption in allen Zweigen der Staatsmacht.

Aber wird ausgerechnet ein Komiker das korrupt-oligarchische System besiegen, das all seine Vorgänger schlicht gekauft hat? Selenski könnte sich schon bald nach seiner Comedyshow zurücksehnen. Aber wird dann noch jemand über seine Witze lachen?

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