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Wirtschaftsraum OÖ

Die Sorgen der Linzer Unternehmer: Der tägliche Stau und Personalmangel

Von Elisabeth Prechtl  15. Februar 2020 00:04 Uhr

Die Sorgen der Linzer Unternehmer: Der tägliche Stau und Personalmangel
V.l.: Doris Hummer, Klaus Schobesberger, Jürgen Kapeller, Gerald Silberhumer, Irmgard Müller (alle WKOÖ)

LINZ. Auch Lücken im öffentlichen Verkehr und schlechte Internetqualität bereiten Probleme.

Zu wenige Arbeitskräfte, desinteressierte Jugendliche, die kein Interesse am Lehrberuf zeigen, langsames Internet und das tägliche Stauchaos in Linz: Das waren die Themen, über die bei der Veranstaltung "Unternehmen am Wort" der OÖN und der Wirtschaftskammer Oberösterreich (WKOÖ) im OÖN-Forum in den Linzer Promenaden Galerien gesprochen wurden. Unternehmer aus den Bezirken Linz und Linz-Land diskutierten am Donnerstag Abend mit WKOÖ und OÖN. 230 Interessierte waren gekommen.

Die Sorgen der Linzer Unternehmer: Der tägliche Stau und Personalmangel
Gerald Mandlbauer, Dietmar Mascher (OÖN)

WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer warnte in ihrem Eröffnungsstatement vor den Folgen des konjunkturellen Abschwungs: "Vor allem der Rückgang bei den Neuinvestitionen bereitet mir Sorgen." Wirtschaft sei unteilbar, die Auswirkungen in einem Exportbundesland wie Oberösterreich seien enorm: "Wir müssen den Standort resilient aufstellen und dürfen nicht von einzelnen Regionen oder Produkten abhängig sein."

Die Sorgen der Linzer Unternehmer: Der tägliche Stau und Personalmangel
Mehr als 200 Besucher kamen in die Promenaden Galerien.

Auch bei schwächelnder Konjunktur sei das Fachkräfteproblem gegeben, sagt Hummer: "Ein Drittel der Unternehmer sagt, dass sie nicht investieren, weil sie kein Personal finden." Dieses Problem treibt auch viele Unternehmer um: "Ich habe fünf Millionen Euro in meinen Betrieb investiert, übergebe das operative Geschäft heuer an meine Kinder. Aber wir bekommen kein Personal", sagte Werner Vatier (Glogar Umwelttechnik, St. Florian). Besonders schlimm sei es bei den Lehrlingen: "Ich war zwei Mal auf einer Lehrlingsmesse. 280 der 300 Jugendlichen waren vollkommen uninteressiert."

Das bestätigt auch Karl Stöttinger (Elektro&Handel, Pucking): "Schule ist bei vielen uncool. Wir haben mit den Lehrlingen ein Riesenproblem." Vor allem Jugendliche mit gesundheitlicher Beeinträchtigung seien nur schwer auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren. Das sehe er auch bei seinem Sohn.

Bildung sei einer der fünf Schlüsselfaktoren für den Standort, sagte Hummer. Mit der Dualen Akademie (eine verkürzte Lehre für AHS-Maturanten und Studienabbrecher) und einer Offensive bei den technischen und naturwissenschaftlichen Mittelschulen habe man aber zwei gute Lösungen gefunden. Berufsorientierung werde in den Mittelschulen bereits in der ersten Klasse unterrichtet. Kranke Jugendliche würden mit dem Programm Integratio unterstützt, sagte Kammerdirektor-Stellvertreter Gerald Silberhumer.

Unternehmensberater Manfred Schauberger regte eine andere Lösung an: "Es sind immer weniger Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt. Es braucht eine Durchlässigkeit vom Lehrberuf zum Studium." Wenn die Noten passen, sollte es möglich sein, ohne Zusatzprüfungen zu studieren.

Mehr Geld für Lehrlinge?

"Vielleicht sollten wir den Lehrlingen zahlen, was ihnen zusteht", regte der Linzer Malermeister Otto Hirsch an. "Außerdem: Wir sind stolz auf 100.000 oberösterreichische Betriebe: Aber wurden nicht viele in die Selbstständigkeit gedrängt?" "Viele Selbstständige wollen sich selbst verwirklichen, flexibel arbeiten und ihr eigener Chef sein", konterte Hummer. Einige Branchen hätten die Lehrlingsentschädigung erhöht: "Aber eine Ausbildung muss für einen Betrieb auch leistbar bleiben." Christel Schmidt, Diplom-Ingenieurin für Architektur, treibt ein ganz anderes Thema um: "Ist eine Wiedereinführung des Handwerkerbonus geplant?" Die Antwort war abschlägig: Er sei eingeführt worden, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, und 2017 ausgelaufen.

Jasmin Varga, Betreiberin eines Kosmetikstudios am Linzer Hauptplatz, schilderte abschließend die guten Seiten des Unternehmertums: "Ich habe drei Meisterprüfungen abgelegt, zwei Lehrlinge ausgebildet, und mittlerweile macht auch mein Sohn Lehre mit Matura."

Den Fragen stellten sich weiters Jürgen Kapeller (Vorstand der Jungen Wirtschaft Linz-Land) und die Leiterin des Service-Center, Irmgard Müller. OÖN-Chefredakteur Gerald Mandlbauer begrüßte die Gäste.

„Die Mitarbeiter wollen keine Lebensqualität einbüßen“

Vier Veranstaltungen von „Unternehmen am Wort“ haben gezeigt: Neben Fachkräftemangel und Bürokratie macht die Verkehrssituation den heimischen Unternehmern besonders Sorgen. „Alle meine Lehrlinge sind tüchtig“, sagte Bilanzbuchhalterin Anneliese Aichberger: „Aber manche Stadtteile sind für sie mit dem Bus oder zu Fuß schwer zu erreichen.“ WK-Präsidentin Hummer verwies auf das Regierungsprogramm, das eine Ausweitung des öffentlichen Verkehrs vorsieht.

„Der Westring wird irgendwann fertig, die Eisenbahnbrücke ist weg. Warum schafft man es nicht, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen?“, fragte Wolfgang Ebner. Er betreibt gemeinsam mit seiner Frau die Firma Triaflex, die auf Sitz- und Gesundheitssysteme spezialisiert ist. Drei Mitarbeiter seien abgesprungen, weil sie mit dem täglichen Pendeln von Perg oder Feldkirchen/Donau nach Linz nicht zurecht gekommen seien und keine Lebensqualität einbüßen wollten. „Die Möglichkeit zu Home Office kann man den Leuten aber auch nicht anbieten“, so Ebner weiter. Dazu seien die Internetverbindungen und die Übertragungsraten häufig viel zu schlecht. „Ein gutes Verkehrssystem ist der Blutkreislauf einer funktionalen Wirtschaft“, zeigte Klaus Schobesberger, Obmann der Wirtschaftskammer Linz-Stadt, Verständnis. Der Verkehr sei die große Herausforderung: „Wir sind froh über die Mühlviertler, die in Linz arbeiten, sie stärken den Standort.“ Die Bezirke, denen Fachkräfte fehlen, sähen das anders. Und Linz sei täglich Thema in den Staunachrichten. „Wir bemühen uns um eine Lösung.“

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Artikel von

Elisabeth Prechtl

Redakteurin Wirtschaft

Elisabeth Prechtl
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