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Wirtschaft

Nach dem Streik ist vor dem Streik? Gewerkschaft hält sich bedeckt

Von (kran/prel)   27. November 2018 00:04 Uhr

Hier wird gestreikt: Gleise bleiben für zwei Stunden leer

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WIEN. 100.000 Fahrgäste waren gestern Mittag vom Warnstreik der Eisenbahner betroffen

Geredet haben die Vertreter der Gewerkschaft vida und der Arbeitgeber auch gestern Mittag noch, während der zweistündige Warnstreik längst begonnen hatte. Doch herausgekommen ist nichts. Außer, dass sich 100.000 Fahrgäste über Verspätungen und ausgefallene Züge ärgern mussten.

Es war die neunte Verhandlungsrunde, in der sich gestern Mittag Arbeiternehmer, angeführt von vida-Chef Roman Hebenstreit und Arbeitgeber, mit ihrem Wortführer Thomas Scheiber zusammengesetzt haben. Näher kamen sich beide Seiten dabei nicht. "Die Gewerkschaft habe das Angebot bedauerlicherweise abgelehnt", sagte Scheiber danach. Hebenstreit konterte, "das Angebot habe sich unterm Strich nicht verbessert".

In einer Aussendung legte die Gewerkschaft dann nach: "Hier im Vorfeld von einem substanziell verbesserten Angebot zu sprechen, das spottet jeder Beschreibung und ist eine Frechheit." Die Gewerkschaft kritisierte Einschüchterungsversuche und sieht das als Folge des Regierungswechsels. "Es ist mittlerweile wirklich viel möglich geworden in diesem Land", sagte Hebenstreit.

Was die Gewerkschaftsseite noch ärgert, sind Forderungen der Arbeitgeber-Vertreter. Etwa, dass das Mindestalter von Triebfahrzeugführer von 21 auf 19 Jahre gesenkt werden soll.

Video: Nach den Warnstreiks der Metaller vor zwei Wochen war am Montag die Eisenbahn dran - zu Mittag wurde für zwei Stunden der gesamte Bahnverkehr eingestellt. 

Interne Gremien tagen

Für eine zehnte Verhandlungsrunde gibt es noch keinen Termin. Beide Seiten erklärten nach dem Verhandlungsabbruch, nun die internen Gremien für Beratungen einzuberufen. Aufseiten der vida werde das binnen 48 Stunden passieren, so Hebenstreit. Weitere Streikmaßnahmen schloss der Gewerkschaftschef nicht aus: "Die nächste Stufe nach dem Warnstreik ist der Streik, aber soweit sind wir noch nicht."

Scheiber sagte, man werde nochmals ausloten, "welchen Verhandlungsspielraum wir haben". "Wenn das geschehen ist, wird es zu weiteren Gesprächen kommen."

670 Züge, davon 70 im Fernverkehr wurden gestern bestreikt. Österreichweit kam es zu umfangreichen Verspätungen, die sich laut ÖBB gegen 16 Uhr zum größten Teil auflösten.

Die Verspätungen und Ausfälle von Zügen nahmen die Fahrgäste auf dem Hauptbahnhof in Linz mit Gelassenheit hin, wie ein Lokalaugenschein zeigte. Etliche Menschen, die eine Reise geplant hatten, waren durch Medienberichte vorgewarnt. Sie konnten sich ausrechnen, dass es zu Verzögerungen kommen würde. Andere hatten ihre Reise verschoben oder waren auf ein anderes Verkehrsmittel umgestiegen.

Die Wahl von Alternativen war bereits am Morgen zu bemerken als der Pkw-Verkehr nach Linz stärker als sonst war. Pendler dürften ihr eigenes Auto benützt und auch Fahrgemeinschaften gebildet haben. In Oberösterreich waren vom Stillstand der Bahn insgesamt 110 Züge betroffen. Sechs Verbindungen wurden von einem Schienenersatzverkehr der Postbusse übernommen.

Video: Die nächste Stufe sei der Streik - aber noch sei es nicht soweit, sagt Gewerkschaftsboss Roman Hebenstreit nach dem ÖBB-Warnstreik am Montag. Hebenstreit ist zu Gast in der "ZIB 24".

 

Bahnhof Linz

Der Wartesaal war gestern auch am Linzer Hauptbahnhof voll. Die Reisenden drängten sich vor den Anzeigetafeln, reagierten großteil aber gelassen auf die Ausfälle: Christine aus Weyer etwa ist mit dem Auto 85 Kilometer nach Linz gefahren, um ihren Sohn abzuholen: „Wir waren immerhin vorgewarnt und konnten planen. So haben wir die Gelegenheit genutzt, noch den Christkindlmarkt anzuschauen.“

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