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Fußball International

Darko Bodul kickt in einer Scheinwelt

Von Alexander Zambarloukos  30. März 2020 00:05 Uhr

Darko Bodul stürmt weiter für Soligorsk.

Bodul spielt als einziger Österreicher weiter Fußball vor Fans.

Darko Bodul, in Sarajevo geboren und mit österreichischem Pass ausgestattet, hat sich im Februar 2019 dem Fußballklub Schachtor Soligorsk angeschlossen. Hätte der 31-jährige Mittelstürmer, der einst für den SK Sturm und Altach auf Torjagd ging, damals geahnt, wie seine jetzige weißrussische Wahlheimat mit der Corona-Pandemie verfährt, hätte er wohl auf der Stelle einen Rückzieher gemacht.

Jetzt muss er sich der Realität stellen. Bodul ist in einer Scheinwelt gestrandet, der Stempel des letzten Mohikaners, des einzigen Österreichers, der aktuell um Meisterschaftspunkte – noch dazu mit Zuschauerbeteiligung – spielt, ist ein ziemlich verwaschener. Kein Ruhmesblatt.

Bodul muss tun, was der mächtige und – formulieren wir es einmal vorsichtig – mit diktatorischen Zügen ausgestattete Staatspräsident Alexander Lukaschenko anschafft. Und der bleibt bei seinem Motto „The show must go on“. Bodul und 118 weitere Legionäre in der höchsten Spielklasse, der Wyschejschaja Liga haben sich dem zu fügen.

Der 65-jährige Lukaschenko glaubt, das Covid-19-Virus weglächeln zu können. Selbst der Umstand, dass Russland die Grenzen dichtgemacht hat, lässt ihn nicht von seiner Marschroute abweichen. Am Samstag posierte Lukaschenko medienwirksam in Minsk – in der Eishockeymontur. Er gab Interviews, um ihn herum scharten sich Menschen. Nicht zu knapp.

„Sport, besonders Eissport, ist die beste Anti-Viren-Medizin“, posaunte Lukaschenko hinaus. Schon zuvor hatte er in mehreren ziemlich ab-strus wirkenden Statements klargemacht, was er vom Coronavirus hält.

Auszüge gefällig? „Das ist eine Psychose. (...) Man sollte Wodka trinken, um das Virus abzutöten. (...) Unsere Bürger sollten lieber auf dem Feld arbeiten, anstatt über das Virus zu reden. Das Feld wird alles heilen.“

Bodul kann mit solchen Aussagen nichts anfangen oder schüttelt einfach nur den Kopf darüber. „Es ist schockierend. Wir Spieler und alle Menschen, die in Weißrussland die Nachrichten verfolgen, wissen, was in Europa los ist. Aber wir können es nicht ändern“, sagte er in einem Interview.

Die Situation ist belastend. Bodul kann im Moment nicht abrufen, was er draufhat. Am Samstag wurde er beim 2:0-Sieg von Schachtor Soligorsk, einem ehemaligen Europacup-Gegner der SV Ried (2012), zur Pause ausgewechselt. in der 34. Minute hatte er die Gelbe Karte gesehen, Lukaschenko würde er am liebsten die Rote zeigen.

Das wäre auch der Zugang der weißrussischen Fußball-Legende Aleksander Hleb (vormals FC Barcelona, Arsenal): „In unserem Land ist es so, als ob sich niemand darum kümmert. Die Präsidenten-Bürokratie glaubt, dass es nicht so schlimm ist. Das Leben geht ganz normal weiter – auf der Straße und im Fußball“, sagte der 38-Jährige, der vor zwei Wochen seine Karriere beendet hat.

TV-Rechte lassen sich verkaufen

Trotzdem formiert sich Widerstand: Rund 20.000 haben eine Petition unterschrieben, die schärfere Vorsorge-Maßnahmen verlangt. Lukaschenko wird auch das weglächeln in seinem knapp zehn Millionen Einwohner zählenden Land, das sogar noch profitiert. In zehn Staaten – von Indien bis Bosnien – wurden Live-Rechte an der Vysshaya Liga verkauft. Mit dem Kalkül, TV-Konsumenten Fußball mit ein bisschen Stimmung von den Rängen servieren zu können.

Auch der Sportwettenmarkt, der – so sagt man – um 70 Prozent eingebrochen ist, blickt nicht ganz undankbar nach Weißrussland. Tipps auf Spiele (ob Fußball, Eishockey oder Handball) sind dort um 60 Prozent gestiegen. Ist es das wert?

Artikel von

Alexander Zambarloukos

Redakteur Sport

Alexander Zambarloukos
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