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Landespolitik

Postzentrum, Rekrutierung und Digitalisierung: Oberösterreichs Pläne für ukrainische Flüchtlinge

20. Juli 2022 12:41 Uhr

Die Zahl der Flüchtlinge sinkt langsam

LINZ. Das Aufnahmezentrum am Linzer Hauptbahnhof soll trotz niedriger Ankunftszahlen weiterhin offen gehalten werden. Zudem sollen ukrainische Vertriebene schneller in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden, sagte Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (VP) am Mittwoch.

20 kamen zuletzt an, 30 verließen Oberösterreich wieder. Die Zahl der ukrainischen Kriegsvertriebenen nimmt langsam ab, aktuell sind 7695 in Oberösterreich untergebracht. Der Höhepunkt des Zustroms scheint überwunden. Dennoch hält sich das Land weiter für die Aufnahme von Flüchtlingen bereit. Das Postverteilerzentrum, das Anfang Juli die Wogen hochgehen ließ, bleibt weiter geöffnet. 39 Flüchtlinge leben hier derzeit, zu Hoch-Zeiten waren es mehr als 100. 

„Um für den Ernstfall gerüstet zu sein, werden wir die Notplätze in Linz weiterhin vorhalten“, sagte Soziallandesrat Wolfgang Hattmannsdorfer (VP) am Mittwoch. „So können wir schnell reagieren, denn die weitere Entwicklung ist nicht absehbar.“ 

Haltlose „Fata Morgana“

Das Zentrum am Linzer Hauptbahnhof soll weiter nur für ukrainische Flüchtlinge offenstehen, auch wenn die Zahl der Asylanträge aus anderen Ländern stark ansteigt. 70 Prozent der Vertriebenen sind Frauen, die meisten haben Kinder. Eine Gruppe, die man kaum mit anderen, meist männlichen Flüchtlingsgruppen kombinieren könne, sagte der Soziallandesrat.

Dass aus dem Postverteilerzentrum ein dauerhaftes Erstaufnahmezentrum für 200 Flüchtlinge und aus Linz ein „Traiskirchen 2“ werden solle, wies Hattmannsdorfer vehement zurück. Die Vermutungen des Linzer Bürgermeisters Klaus Luger (SP) und der Linzer FP seien „nicht mehr als ein Gerücht“, hieß es aus dem Sozialressort des Landes. Eine derart haltlose „Fata Morgana“ wolle er nicht kommentieren, sagte Hattmannsdorfer. Außerdem entscheide das Innenministerium, wo solche Zentren errichtet werden, nicht das Land.

Die meisten Vertriebenen sind nach wie vor privat untergebracht, nur 823 leben in „Groß-Quartieren“ mit mehr als 15 Personen.

Zwei Drittel wollen bleiben

Laut einer Umfrage des Flüchtlingshilfswerk UNHCR wollen zwei Drittel der ukrainischen Vertriebenen in ihren Gastländern bleiben, zumindest so lange, bis in ihrer Heimat wieder Frieden eingekehrt ist. 16 Prozent wollen ehestmöglich in die Ukraine zurückkehren, jeder Zehnte in ein anderes Land weiterreisen. Erstere sind für das Land besonders interessant. „Wir müssen versuchen, sie langfristig für unseren Arbeitsmarkt zu gewinnen“, sagte der Soziallandesrat. „Viele Unternehmen können ihren Personalbedarf bereits durch arbeitswillige Ukrainer decken. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind die Ukrainer wertvolle Mitarbeiter.“ 

Daher schickte das Land an alle Ukrainer, die Leistungen aus der Grundversorgung beziehen, eine Nachricht und wies sie auf ihre Bemühungspflicht hin: Wer Sozialleistungen in Anspruch nimmt, muss nachweisen, dass er auf der Suche nach einem Arbeitsplatz ist. Das Ziel sei, dass sich die Ukrainer „eigenständig das Leben finanzieren“, so der Landesrat. Das Arbeitsmarktservice hat bisher 1798 Beschäftigungsbewilligungen ausgestellt, 260 innerhalb der vergangenen drei Wochen. Mehr als 41 Prozent der erwerbsfähigen Ukrainer - Altersgruppe 18 bis 64 Jahre - haben hierzulande bereits eine Arbeitsstelle gefunden. Ihr Durchschnittsalter: 38 Jahre. Viele von ihnen arbeiten in der Gastronomie und der Landwirtschaft, aber auch im Medizinbereich. Das Land bemüht sich aktuell um die Arbeitszulassung von acht Medizinern. Auch die IT-Branche ist gefragt, denn hier fällt durch die Arbeitssprache Englisch die Fremdsprachenbarriere zwischen heimischem Personal und den Kriegsvertriebenen.

Beim Rekrutieren von Fachkräften könne sich Hattmannsdorfer auch vorstellen, direkt in der Ukraine zu werben. Ähnlich wie auf den Philippinen, die OÖN haben berichtet, könne sich Oberösterreich auch in der Ukraine um Personal, etwa für die Pflege, bemühen.

Sommerprojekt: Schluss mit schriftlichen Anträgen

Bislang wurden Anträge bei Caritas und Volkshilfe händisch ausgefüllt und per Post an die zuständigen Landesbehörden geschickt, wo die Daten weiter händisch verarbeitet wurden. Das soll nun ein Ende haben. Über den Sommer soll die Beantragung und Abwicklung der Grundversorgung digitalisiert werden. 

„Extremsituation zeigen immer auch die Belastbarkeit von Systemen auf. Die Ausbezahlung der Grundversorgung war in den ersten Wochen zu langsam“, sagte der Soziallandesrat. Durch digitale Formulare und Online-Datenbanken soll die Abwicklung „deutlich beschleunigt“ und Fehlerquellen beseitigt werden. 

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