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Außenpolitik

Premier Trudeau begrüßte die ersten syrischen Flüchtlinge persönlich

12. Dezember 2015 00:04 Uhr

Premier Trudeau begrüßte die ersten syrischen Flüchtlinge persönlich
Der liberale Premierminister Justin Trudeau (li.) demonstrierte die Willkommenskultur auf dem Flughafen in Toronto.

OTTAWA/DAMASKUS. Kanada will bis Ende Februar 25.000 Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland aufnehmen.

Kanada gibt sich unter dem neuen liberalen Ministerpräsidenten deutlich flüchtlingsfreundlicher als der Nachbar USA: Justin Trudeau empfing in der Nacht auf Freitag die ersten 163 syrischen Flüchtlinge persönlich auf dem Flughafen der Millionenmetropole Toronto. "Wir werden uns alle an diesen Tag erinnern", sagte Trudeau, der erst am 4. November sein Amt antrat.

"Wir zeigen nicht nur einem Flugzeug voller neuer Kanadier, was unser Land ausmacht. Wir zeigen auch der Welt, wie wir unsere Herzen öffnen und Menschen begrüßen, die einer unglaublich schwierigen Lage entkommen", sagte der neue Premierminister. "Sie verlassen das Flugzeug als Flüchtlinge. Aber wenn sie aus dem Terminal hinausgehen, sind sie dauerhafte Einwohner Kanadas mit einer Sozialversicherungsnummer, mit Gesundheitskarten und der Chance, kanadische Staatsbürger zu werden."

Hochrangiges Empfangskomitee

An der Empfangszeremonie nahmen auch mehrere Minister sowie die Regierungschefin der Provinz Ontario, Kathleen Wynne, teil. Anwesend war auch Torontos Bürgermeister John Tory und einige Oppositionspolitiker.

Die 163 Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland – darunter viele Frauen und Kinder – kamen mit einer Militärmaschine aus Beirut. Heute soll in der Stadt Montreal eine zweite Maschine mit 140 Flüchtlingen landen. Insgesamt will die neue kanadische Regierung 25.000 Syrer aufnehmen. Das hat Trudeau im Wahlkampf versprochen.

10.000 Syrer bis Jahresende

Bis Jahresende sollen 10.000 Syrer eingeflogen werden, die restlichen 15.000 sollen dann bis Ende Februar 2016 nach Kanada kommen. Bereits jetzt werden in den Flüchtlingslagern in Jordanien und im Libanon täglich 800 Flüchtlinge aus Syrien ausgewählt und untersucht. Ursprünglich wollte die neue Regierung die 25.000 Syrer bereits bis Jahresende ins Land holen. Dieser Plan stieß jedoch bei einer Mehrheit der Bevölkerung auf Ablehnung. Zudem gaben mehrere Vertreter von Provinz- und Lokalregierungen zu bedenken, dass der Zeitplan zu ambitioniert sei.

Die Regierung lenkte daraufhin ein und verlängerte den Zeitplan um zwei Monate. Zugleich wurde eine aufwändige Internet-Werbekampagne lanciert, in der die Bevölkerung aufgerufen wird, die Syrer willkommen zu heißen und sich bei der Flüchtlingsbetreuung als Ehrenamtliche zu engagieren. Das dürfte Wirkung gezeigt haben. Denn die Hilfsbereitschaft im Land ist groß.

Enorme Hilfsbereitschaft

So groß, dass etwa die Flughafenbehörde in Toronto gebeten hatte, dem Flughafen fernzubleiben: "Wir sind stolz darauf, dass unsere Gesellschaft helfen will, aber so eine Resonanz würde die Ankommenden überfordern", teilte ein Sprecher mit.

"Toronto Star", Kanadas größte Zeitung, erschien zur Begrüßung der Flüchtlinge mit einer zweisprachigen Titelseite. Auf Englisch und Arabisch hieß es dort "Willkommen in Kanada" bzw. "Ahlan wa sahlan". In einem eigenen Beitrag in arabischer Sprache erfuhren die Syrer auch gleich die wichtigsten Informationen zu Land, Leute – und dem Nationalsport Eishockey.

 

„Flüchtlinge“ als Wort des Jahres

„Flüchtlinge“ ist zum deutschen Wort des Jahres 2015 gekürt worden. Es stehe für das beherrschende Thema, begründete die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden gestern die Entscheidung. Die Jury hatte aus 2500 Vorschlägen einen Begriff gewählt, der das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich besonders bestimmt hat.

Registrierung: Angesichts scharfer Kritik der EU-Kommission hat der griechische Premier Alexis Tsipras eine zuverlässige Registrierung aller Flüchtlinge in seinem Land zugesagt. Im Sommer seien die Behörden vom Flüchtlingsandrang „überrascht“ worden. Bereits seit September gebe es aber „keinen einzigen Ankommenden mehr, der nicht registriert wurde“.

In Ostdeutschland kam es erneut zu schweren Ausschreitungen vor einer Flüchtlingsunterkunft. Eine Gruppe von 30 Menschen griff am Donnerstagabend in Jahnsdorf bei Chemnitz einen Bus mit Asylsuchenden bei der Ankunft an. Dabei wurden aus der Gruppe heraus Steine geworfen und Böller gezündet. Der Busfahrer wurde dabei verletzt.

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