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Außenpolitik

950.000 gegen Unabhängigkeit: "Wir sind Spanier, wir sind Katalanen"

09. Oktober 2017 00:05 Uhr

950.000 gegen Unabhängigkeit: "Wir sind Spanier, wir sind Katalanen"
Die Unabhängigkeitsgegner mobilisierten in Barcelona die Massen für die weitere Einheit Spaniens.

BARCELONA. Großdemonstration in Barcelona gegen Loslösung Kataloniens von Spanien.

"Wir sind Spanier, wir sind Katalanen", hallten die Sprechchöre am Sonntag durch die Via Laietana im Zentrum Barcelonas. Hunderttausende protestierten eine Woche nach dem illegalen Unabhängigkeitsreferendum gegen den Abspaltungsprozess der separatistischen Regionalregierung.

Julia, 25-jährige Studentin, hat sich das Gesicht mit einer spanischen Flagge bemalt. Ihr Freund Jaime trägt ein Plakat mit der Aufschrift "Ich bin stolz, Katalane und Spanier zu sein". Hinter ihm ein Meer aus spanischen und katalanischen Flaggen.

Es waren aber keine Esteladas, Kataloniens Unabhängigkeitsflaggen mit dem blauen Dreieck und dem weißen Stern, wie sie hier Anfang vergangener Woche auf derselben Hauptstraße noch Zigtausende trugen, sondern Senyeras, die offizielle Flagge eines in Spanien integrierten Kataloniens.

"Wir zeigen heute Katalonien und ganz Spanien, dass wir eine Mehrheit sind, die gegen die Unabhängigkeit ist", versichert Julia und setzt in die Sprechchöre ein. "Puigdemont, ab in den Knast" rufen die Demonstranten. Damit ist Kataloniens Ministerpräsident Carles Puigdemont gemeint, der mit seiner separatistischen Regionalregierung die Loslösung der Region erzwingen will.

Am 1. Oktober ließ er den Volksentscheid gegen den Willen Madrids und trotz des Verbots durch das spanische Verfassungsgericht durchführen. 90 Prozent stimmten für die Unabhängigkeit. Doch lag die Wahlbeteiligung nur bei 42 Prozent. Laut Umfragen dürften die Separatisten in Katalonien mit maximal 45 Prozent tatsächlich keine Mehrheit darstellen.

"Diese Demonstration kann aber nicht zeigen, ob die Unabhängigkeitsgegner wirklich in der Mehrheit sind. Doch dank der undemokratischen und verfassungswidrigen Politik Puigdemonts, der bereit ist, geltendes Recht zu brechen, um seinen politischen Traum umzusetzen, haben die Menschen ihre Angst verloren, die Fahnen ihres Landes, Spaniens, zu zeigen", versicherte Esperanza Aguirre, ehemalige konservative spanische Kulturministerin, während des Protestmarsches, zu dem laut Veranstalter rund 950.000 Menschen gekommen waren.

Rajoy droht Katalonien

Unterdessen bleibt Ministerpräsident Mariano Rajoy trotz aller Forderungen nach einem Dialog hart. "Spanien wird nicht geteilt und die nationale Einheit bleibt erhalten", sagte er der Zeitung "El País". Rajoy betonte, "alle mir zur Verfügung stehenden gesetzgeberischen Instrumente" zu nutzen, um den Erhalt der Landeseinheit sicherzustellen. Dabei schloss er auch eine Aufhebung der Autonomie Kataloniens nicht aus. Diesen Mittwoch will Puigdemont vor dem katalanischen Regionalparlament in Barcelona eine Ansprache halten. Ob er dabei die einseitige Unabhängigkeit ausrufen wird, ist aber nicht sicher.

 

Video: ORF-Korrespondent Josef Manola berichtet über die möglichen Auswirkungen der Demos in Barcelona.

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